Diverses Jeder dritte Händler vor dem Aus?

Das Unternehmensinsolvenzverfahren

Das Unternehmensinsolvenzverfahren

Ein Drittel der deutschen Handelsunternehmen kann nicht mehr saniert werden und muss aufgeben, fürchtet eine Münchner Unternehmensberatung.

Seit zehn Jahren steckt der Handel in einer
Dauerkrise. Jedes Jahr, so scheint es, hat diese Krise ihren
Scheitelpunkt erreicht. Und jedes Jahr ist die Branche aufs Neue
überrascht, dass es noch schlimmer kommt. Auch für das nächste
Quartal ist eine Trendwende immer noch nicht erkennbar, im Gegenteil: Ein Drittel aller deutschen Handelsunternehmen kann nicht mehr saniert werden, prognostiziert die Münchner Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner (w&P) in ihrem Dossier „Sanierung und Restrukturierung von
Handelsunternehmen“.

Die Schwäche des deutschen Einzelhandels hat danach viele Ursachen:
rückläufige Konsumausgaben, der Trend zur Billigmarke,
immer mehr Verkaufsfläche, verschwimmende Branchengrenzen und
stagnierende Produktivität. Wettbewerb findet fast ausschließlich
über den Preis statt – mit katastrophalen Folgen für die Rendite. „Verlierer sind vor allem die traditionellen Fachgeschäfte und die
Warenhäuser“, weiß Wolfgang Groß, Geschäftsbereichsleiter Handel bei
W&P.

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Von dieser Entwicklung bleiben letztendlich auch der Großhandel
und die Verbundgruppenlandschaft nicht unberührt. Durch die latente
Insolvenzgefahr der Großhandelskunden und Verbundgruppenmitglieder
wird die Großhandelsstufe selbst zur Risikobranche.

Aber es gibt auch Gewinner dieser Entwicklung. Rund ein Drittel
aller Handelunternehmen, vornehmlich die Discounter, die vertikalen
Handelsketten und der Versandhandel blicken positiv in die Zukunft.
„All diesen erfolgreichen Unternehmen ist gemein, dass sie sich durch
klare Vermarktungskonzepte und hocheffiziente Prozesse auszeichnen“,
stellt Berater Groß fest. Und genau hier liegen für die weniger
erfolgreichen Handelunternehmen die relevanten Stellhebel, die ihnen
eine werterhaltende und wertschaffende Positionierung im Wettbewerb
gewährleisten können. Denn die Verlierer der Branche zeichnen sich
dadurch aus, dass sie sich von der Krise regelrecht haben lähmen
lassen.

Ihre Konzepte sind immer noch die alten, es fehlt ihnen an
Differenzierung, an erforderlicher Effizienz in den Prozessen und an
Kapital- und Investitionskraft. „Aber“, da ist sich Wolfgang Groß
sicher, „rund ein Drittel aller deutschen Handelsunternehmen sind
noch in der Lage, den Turnaround zu schaffen, wenn sie unverzüglich damit beginnen ihre operativen und strukturellen Defizite zu
beseitigen“.

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