Diverses Jeder vierte Mittelständler will 2010 Stellen streichen

Die Krise hat den deutschen Mittelstand voll erwischt. Viele Unternehmer bewerten ihre Geschäftslage so schlecht wie seit 2005 nicht mehr und raten dem Nachwuchs davon ab, die Nachfolge im Familienbetrieb anzutreten.

Fast ein Viertel der Mittelständler rechnet mit einem Stellenabbau im kommenden
Jahr, nur neun Prozent wollen neu einstellen, zeigt das am Mittwoch veröffentlichte Deutsche Mittelstand-Barometer (DMB) – eine Umfrage unter rund 2300 kleineren und mittleren Firmen. Als dringendste Probleme wurden Bürokratie und Regulierung sowie eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung genannt. Auch das schlechte Konjunkturklima trübt die Stimmung im Mittelstand deutlich.

Einem Großteil der Unternehmer ist die Freude am ihrer Arbeit mittlerweile abhandengekommen: Vier von fünf Befragten würden nicht mehr Unternehmer werden wollen, stünden sie heute noch einmal vor der Wahl – viermal so viele wie noch vor zwei
Jahren.

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Zudem wollen immer weniger Unternehmer potenziellen Nachfolgern aus der Familie zur Weiterführung des Betriebes raten – die Bereitschaft zum Verkauf ist folglich deutlich
gestiegen. „Der Spaß am Unternehmertum und damit die Grundlage für den Aufbau und den Erhalt eines Unternehmens ist verloren gegangen. Deutschland gehen die Unternehmer aus“, sagte Professor Michael Lingenfelder von der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft (FMW) der Philipps-Universität Marburg.

Die Autoren des DMB, der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und die FMW, fordern daher
eine steuerliche Entlastung der Betriebe. Die beste Lösung sei hier eine steuerliche Freistellung aller im Betrieb verbleibenden Gewinne, sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven. Um
Liquiditätsengpässe zu überbrücken sei es zudem denkbar, dass der Staat Unternehmen die Steuern in Form eines Kredites stunde.

Es gebe zweifellos eine Kreditklemme im Mittelstand, sagte Ohoven. „Das Damoklesschwert des Mittelstands heißt schlicht und einfach Liquidität.“ Das wahre Ausmaß der
Kreditklemme werde sich dabei voraussichtlich erst im kommenden Jahr zeigen. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass diese Kreditklemme die einsetzende Erholung ersticken wird“, so der BVMW-Präsident. Zu befürchten sei, dass es über den Weg der Finanzierung zu einer gnadenlosen Ausdifferenzierung kommen werde. „Gesunde Unternehmen mit erstklassigen Ratings bekommen weiterhin hervorragende Kredite, alle anderen schauen in die
Röhre und dabei werden tausende Unternehmen auf der Strecke bleiben“.

Die Bundesregierung müsse daher handeln, um die Kreditfinanzierung des Mittelstandes sicherzustellen, forderte der BVMW-Präsident. Die Erfahrungen der vergangenen Monate
lehrten, dass es offenkundig nicht ausreiche, an den guten Willen der Banken zu appellieren. Fast alle bisherigen staatlichen Stützungsmaßnahmen und Subventionen zugunsten der
Banken hätten die Situation bislang nicht entschärfen können, betonte Ohoven.

Neuesten Umfragen zufolge litten 60 Prozent der Unternehmen unter den Kreditansprüchen der Institute und 45 Prozent unter den Konditionen, das heißt zu hohen Zinsen. Ohoven
forderte daher die Aussetzung des Hausbankenprinzips und eine direkte Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen durch staatliche Förderbanken wie die KfW. Zudem müssten die Betriebe vom Staat steuerlich entlastet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für Mittwoch mehr als 30 Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften und Unternehmen zu Beratungen über eine drohende Kreditklemme eingeladen. Dabei geht die Bundesregierung mit konkreten Plänen in die Diskussion.
Neben der Bestellung eines Vermittlers bei Kreditproblemen zwischen Banken und Unternehmen will der Bund nach Angaben aus Regierungskreisen den Instituten auf mehreren Ebenen umfassend Kreditrisiken abnehmen.

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