Diverses Jedes Stück ein Unikat

Für trendige Wohnindividualisten sind Raufaser und weiße Fliesen von der Stange ein Graus. Dem Einheitslook der Wände setzen sie selbst gestaltete Muster und großfläche Motivtapeten entgegen. Viele kleine Firmen haben sich inzwischen auf dieses Markt spezialisiert und entwickeln abwechslungsreiche Designs in kleinen Auflagen.

„Muster sind wieder in Mode gekommen“, sagt die Berliner Innenarchitektin Britta Weißer vom Bund der Deutschen Innenarchitekten, BDIA. Das gelte vor allem für Tapeten, die immer häufiger bei kleinen Firmen in geringer Auflage zu haben sind. Zudem werden individuell gestaltete Türen und Badezimmerfliesen immer beliebter.

Eigenes Motiv als meterlange Vliestapete

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„Viele Kunden wollen zwar eine sehr individuelle Inneneinrichtung und -gestaltung, sind aber eher unsicher mit einem eigenen Motiv“, sagt Weißer. Deswegen haben viele Hersteller eine Reihe von Vorschlägen im Angebot – von Landschaften, Mustern oder Comics. „In unserer Datenbank haben wir mehrere hundert Motive“, sagt Werbegrafiker Florian Thiele von der Münchner Firma Meine Tapete, die seit einigen Jahren individuelle bedruckte Tapeten und seit kurzem auch Lamellen anbietet.

Das Verfahren ist einfach: Der Kunde schickt sein Motiv als PDF- oder JPG-Datei per Mail oder CD nach München. „Die Auflösung sollte so groß wie möglich sein, am besten eine Million Pixel pro Quadratmeter“, sagt der Grafiker. Das Foto oder Bild wird dann auf Vliestapete gedruckt. Bis zu 7,50 Meter Raumhöhe lassen sich drucken. Die Rollen sind branchenüblich 46,5 Zentimeter breit. Ganz preiswert ist das allerdings nicht: Ein Quadratmeter kostet 30 Euro.

70er-Jahre-Chic im Repertoire

„Praxen, Krankenhäuser oder Geschäfte setzen diese Tapeten gerne ein“, sagt Innenarchitektin Weißer. Im privaten Bereich entschieden sich viele vor allem für große Muster. Als Alternative zu Bildern wird dann beispielsweise nur eine Wand mit einer Tapete beklebt. Die Berliner Firma Extratapete etwa hat dafür vor allem Tapeten im Sechziger/Siebziger-Jahre-Retrolook im Repertoire.

Bei individuell bedruckten Badezimmerfliesen und Türen ist das nicht so einfach – das Prinzip aber ist dasselbe. „Durch ein neues Verfahren können wir Fotos auf Fliesen brennen“, erklärt Hans Welter, Geschäftsführer der Firma Cero Keramik in Neuss. Dank der Technik sei es mittlerweile möglich, die Bilder farbecht auf die Fliesen zu bekommen. Einige ließen sich ein Landhaus über die Badewanne fliesen, andere das eigene Konterfei oder das der Liebsten. Die Fotofliesen sind in sechs verschiedenen Größen zu bekommen.

Gestaltung auf den Raum abstimmen

Und wo früher auf Türen ein Standard-Poster hing, sind jetzt ebenfalls individuelle Motive möglich. Der Türenhersteller Dextüra aus Bocholt bietet mit seiner Serie AvantArt die Möglichkeit, jedes x-beliebige Foto, Bild oder Logo auf eine Tür zu drucken. Ob das selbstgemalte Bild der Tochter oder der Lieblingsfußballverein des Sohnes, jede Tür kann auf das entsprechende Zimmer hinweisen.

„Ganz individuelle Türen, Fliesen und Tapeten passen allerdings nicht in jeden Raum“, warnt Innenarchitektin Weißer. Zwar gelte längst nicht mehr die Devise, kleine Räume am besten schlicht und hell zu gestalten. Doch gerade bei Badfliesen müsse man bedenken, dass man den Platz noch für Regale oder Handtuchhalter benötigt. Daher sollte man genau überlegen, wie die Wand gestaltet wird. Vor allem mit Fotos könne das heikel werden, wenn der Liebste noch neben dem Spiegel hängt, aber längst nicht mehr in die Wohnung kommt.

Britta Schmeis, gms

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