Diverses Jetzt geht’s an Ihr Privatvermögen

Top-Verdiener müssen sich auf schärfere Kontrollen durch das Finanzamt einstellen. Welche privaten Vermögen und Einkommen die Steuerprüfer ausforschen wollen.

Zahlen Unternehmer, GmbH-Chefs, Top-Manager und
Geldbesitzer in Deutschland zu wenig Steuern? „Zweifellos“,
sagt Professor Dieter Engels, Präsident des
Bundesrechnungshofs in Bonn. „Im Schnitt müssten sie pro
Kopf 135.000 Euro mehr ans Finanzamt überweisen.“

Er fordert deshalb von der Finanzverwaltung schärfere
Kontrollen bei den sogenannten Einkommensmillionären zu
Hause.

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Das heißt: Die Betriebsprüfer sollen künftig systematisch
ausschwärmen und die privaten Einkommens- und
Vermögensverhältnisse lückenlos unter die Lupe nehmen. Ein
Blick in die Statistik zeigt: Schon heute bekommt jeder
Zwanzigste unter den Top-Verdienern Besuch vom Finanzamt.

Oft mit teuren Folgen. Mieterträge, Kapitaleinkünfte,
Schenkungen oder Schwarzgeld heißen die steuerträchtigen
Prüfungsfelder. Im Gepäck haben die Finanzamtsspäher
Kontrollmitteilungen aller Art. Etwa zu Kapitaleinkünften, denn
nur noch wenige Finanzplätze verbuchen Zinsgutschriften
diskret. Aber auch zu Nebeneinkünften, Erbschaften oder
Verträgen mit Familienangehörigen.

Hinzu kommen Kontoabfragen bei den Banken,
Kontenscreenings beim Verdacht auf Geldwäsche und
Internetkontrollen bei der Jagd nach Schwarzgeld. „Tatsächlich
wird das Späharsenal der Finanzverwaltung immer perfekter“,
bestätigt Steuerberaterin Saskia Bonenberger von Rödl &
Partner in Nürnberg. impulse zeigt, worauf es bei der
Betriebsprüfung ankommt und wo die Beamten nachhaken.

Besserverdiener im Visier

Wer mehr als 500.000 Euro im Jahr an Einkommen (Summe
der positiven Einkünfte) einstreicht, erfreut sich besonderer
Aufmerksamkeit. Finanzamtsjargon: alles „Fälle mit
bedeutenden Einkünften (bE)“. Zuständig für die vermögende
Kundschaft sind die Großbetriebsprüfer – in der Regel
ausgewiesene Spezialisten auch für komplizierte Fälle.

Allerdings: Das Finanzamt schickt nicht sofort seine Experten.
Vielmehr beginnt die Betriebsprüfung der sogenannten
Besserverdiener bereits mit der Abgabe der Steuererklärung. So
lautet die klare Anweisung aus den meisten
Oberfinanzdirektionen an die Beamten in den
Veranlagungsstellen. Die sollen sofort erste
Plausibilitätsrechnungen anstellen: Je höher das laufende
Einkommen ist, desto kräftiger müssen Vermögen und
Kapitalerträge Jahr für Jahr wachsen. Oder sie fragen nach,
woher das Geld stammt, wenn die Familie ein repräsentatives
Eigenheim weitgehend bar bezahlt. Stoßen die Beamten auf
Ungereimtheiten, machen sie Meldung an die
Betriebsprüfungsstelle, und die Experten rücken aus. Freilich
mit Voranmeldung.

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Thema.

Sobald die Prüfungsanordnung ins Haus flattert, beginnen
Einkommensmillionäre mit der Gegenstrategie. So sorgen sie
dafür, dass die Beamten das Privathaus erst gar nicht betreten
und dadurch etwa Familienangehörige oder Hausangestellte in
Verlegenheit bringen. Es genügt ein formloser Antrag, um die
Betriebsprüfung in die Räume des Steuerberaters zu verlegen.

Meist kein Problem. Expertin Bonenberger: „Die Beamten
spielen durchweg mit. Denn sie wissen den kompetenten
Ansprechpartner zu schätzen.“

Teil zwei der Gegenstrategie heißt Selbstkontrolle. Die Prüfer
tauchen meist erst drei bis vier Wochen nach der
Prüfungsanordnung auf. Zeit genug, um die private
Buchführung auf Ungereimtheiten zu prüfen. Und zu
überlegen, welche Verträge, Rechnungen oder Quittungen man
bereithält. Anders als bei der Firmenbuchführung gilt: „Private
Belege braucht niemand aufzubewahren“,
so der Bonner Steueranwalt Carsten Randt von Flick Gocke
Schaumburg.

Wohin mit Spekulationsgewinn

Im dritten Teil der Gegenstrategie spielen
Einkommensmillionäre auf Zeit. Reicht sie nicht aus, um die
Prüfung optimal vorzubereiten, dann stellt man einfach einen
Antrag auf Terminaufschub. Dafür braucht man gute Gründe.
Anstehender Urlaub, längere Geschäftsreise oder Krankheit sind
überzeugende Argumente. Auf diese Weise lässt sich mit dem
Berater oder Anwalt alles in Ruhe durchsprechen – bis hin zu
einer strafbefreienden Selbstanzeige. Dazu reicht es, eine
korrigierte Steuererklärung abzugeben.

Steuerexperte Randt: „Das funktioniert freilich nur so lange, bis
die Beamten mit der Prüfung begonnen haben.“
Geht es um Einkünfte, bei denen unklar ist, ob sie überhaupt
steuerpflichtig sind, nutzen vermögende Anleger einen
Spezialkniff: Sie deklarieren die Einkünfte nicht auf dem
Steuerformular selbst, sondern auf einem separaten Blatt. Zum
Beispiel Spekulationsgewinne oder Erträge aus innovativen
Finanzanlagen.

Ignorieren die Beamten solche Infos, haben die Anleger
Rechtssicherheit. Denn nach einem Monat ist der
Steuerbescheid rechtskräftig. Bonenberger: „Und die
Finanzämter dürfen dann nichts mehr ändern.“

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