Diverses Jetzt schenken oder abwarten?

Das Bundesverfassungsgericht kippt die alte Erbschaftsteuer und diktiert neue Regeln.

Das Bundesverfassungsgericht macht Erben und Verschenken
teurer. Somit liegen Unternehmer und private
Immobilieneigner goldrichtig, die – wie von impulse empfohlen
(impulse 8/2006) – Vermögen an Kinder oder Enkel
weitergereicht haben. Und massiv Schenkungsteuer sparten.

Wer bislang zögerte, bekommt jedoch eine zweite Chance.
Unternehmerfamilien können die derzeit günstigen
Steuerkonditionen so lange nutzen, bis ein komplett neues
Recht installiert ist. Spätestens bis zum 31. Dezember 2008. So
die Vorgaben aus Karlsruhe (Aktenzeichen ­
1 BvL 10/02).

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Geht es um privates Immobilienvermögen, sollten Familien
nicht mehr lange warten. „Das kostet demnächst in jedem Fall
deutlich mehr“, erwartet der Düsseldorfer Steueranwalt
Matthias Söffing. Bei Betriebsvermögen fällt die Enscheidung
schwerer. Zwar steigt auch hier die Steuer, wenn die Eltern den
Betrieb auf den Nachfolger übertragen. Doch Berlin stellt in
Aussicht, dass die Abgaben gestundet und schließlich komplett
gestrichen werden. Freilich nur dann, wenn Sohn oder Tochter
die Firma zehn Jahre fortführen. In wirtschaftlich bewegten
Zeiten ein großes Risiko. Fazit von Experte Söffing: „Oft wird es
sich lohnen, geplante Nachfolgeregelungen jetzt
durchzuziehen.“ Dabei können Familien auf bewährte
Sparmodelle zurückgreifen.

Keine Frage – was die Karlsruher Richter dem Gesetzgeber
jüngst ins Pflichtenheft diktiert haben, ist ein Schlag ins Kontor:
weg mit sämtlichen Vergünstigungen bei der Bewertung von
Betriebs- und Grundvermögen. Maßgebend ist künftig einzig
und allein der volle Marktwert. Davon zieht das Finanzamt
bislang bei Immobilien durchweg nur 40 bis 60 Prozent heran.
Und beim Übertragen von Firmen oder Anteilen rechnen die
Beamten noch mit den niedrigen Zahlen aus der Steuerbilanz –
ein Vorteil von 30 bis 70 Prozent.

Betriebsvermögen steuerfrei

Das bedeutet allerdings nicht, dass Schenken und Vererben ab
2009 doppelt so teuer wird. Denn der Gesetzgeber darf
Vermögen bei der Steuer schonen, wenn es das Gemeinwohl
gebietet. So die Karlsruher Richter. „Wer Wohnraum oder
Arbeitsplätze sichert, kann mit einem Stück Steuerentlastung
rechnen“, erwartet Steueranwalt Ulrich Derlien von Peters,
Schönberger & Partner in München.

Auf neue Steuerprivilegien sollten indes Inhaber kleiner und
mittlerer Firmen nicht warten. Denn sie können den Betrieb
jetzt noch komplett steuerfrei in der Familie weitergeben. Dank
altem Extra-Freibetrag und Bewertungsabschlag. Das betrifft
Unternehmen mit rund 550.000 Euro Eigenkapital. Die stehen
im Schnitt für fünf Millionen Euro Bilanzsumme. Und oft 50
Millionen Euro Jahresumsatz im Einzelhandel oder 20 Millionen
Umsatz in Industrie und Dienstleistung.

Die Gefahr, dass Berlin einen Strich durch die
Steuersparrechnung macht, ist gering. Das neue
Erbschaftsteuerrecht soll nicht rückwirkend, sondern nur für die
Zukunft gelten. Anwalt Derlien: „Das verlangt Karlsruhe mit
allem Nachdruck.“

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