Diverses Jetzt schenken. Und sparen

Firmenchefs sollten handeln, bevor Politik und Bundesverfassungsgericht lukrative Steuergestaltungen kippen.

Alles richtig gemacht, praktisch wie im Lehrbuch: Seit gut einem Jahr ist Alexander Gerlach, 31, neben seinem Vater Karl-Heinz Geschäftsführer der Korrodin GmbH & Co KG – ein Groß- und Außenhandelsunternehmen für Verbindungs­elemente im fränkischen Schwabach. Zuvor hatte der Vater dem Sohn KG-Anteile geschenkt. „Natürlich unter Ausnutzung der steuerlichen Freibeträge“, freut sich der Junior. Was so simpel klingt, hat freilich insgesamt sieben Jahre gedauert. Von ersten Ideen für Nachfolgeregelungen bis hin zum Abschluss des Geschäfts­führervertrags.

So viel Zeit bleibt Unternehmern und vermögenden Privatleuten nicht mehr, die Betriebs- oder Grundvermögen zu Top-Steuerkonditionen an die nächste Generation weiterreichen wollen. Noch in diesem Jahr wird das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob die Steuerprivilegien mit dem Grundgesetz in Einklang stehen. Das betrifft Extra-Freibetrag und spezielle Steuerwerte für Firma und Immobilien.

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Der Richterspruch verheißt nichts Erfreuliches. „Gut möglich, dass Karlsruhe den Gesetzgeber auffordert, bereits per 1. Januar 2006 neue Bewertungsregeln zu installieren“, fürchtet Christian Rödl, Steuerchef der Kanzlei Rödl & Partner in Nürnberg, „und dann wird’s teuer.“

Ob die neuen Normen tatsächlich allesamt ungünstiger sind, ist freilich noch nicht ausgemacht. Denn seit dem Job-Gipfel ist ein Gesetz in der Berliner Pipeline, das Erben und Verschenken von Firmenvermögen komplett steuerfrei stellt.

Seitdem sind Unternehmerfamilien und ihre Berater in der Zwickmühle: abwarten oder zügig disponieren? Keine Frage, wenn es darum geht, private Immobilien mit kräftigen Steuerrabatten an Sohn, Tochter oder Enkel weiterzugeben. Denn die Steuerwerte für Häuser und Wohnungen, also die Bemessungsgrundlage für die Steuer, wird nach dem Karlsruher Urteil kräftig steigen. Experte Rödl: „Wir empfehlen deshalb, ohnehin geplante Schenkungen jetzt vorzuziehen.“

Will die Familie indes die Firma oder Anteile daran an die Nachfolger weiterreichen, muss sie abwägen: jetzt übertragen und garantiert sparen oder auf bessere Zeiten hoffen? „Hier gibt es leider kein Patentrezept“, sagt Hanno Berger, Anwalt bei der Kanzlei Dewey Ballantine in Frankfurt.

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Das Sparmodell par excellence für Familien mit größerem Grundvermögen ist eine separate Vermögensverwaltungsgesellschaft. Dazu gründen die Eltern eine GmbH & Co KG und bringen dort Grundstücke, Mietshäuser oder Eigentumswohnungen ein – mitsamt den darauf lastenden Hypotheken. Anschließend schenken sie den Kindern Firmenanteile – mit kräftigem Steuerrabatt. Die Familie profitiert von 225.000 Euro Extra-Freibetrag und 35 Prozent pauschalem Wertabschlag.

Und was die Sache richtig rund macht: Immobilien zählen für die Steuer nur mit dem 12,5fachen Wert der Jahresmiete – minus Altersabschlag von maximal 25 Prozent. Unterm Strich wird meist nur auf 50 bis 60 Prozent des Marktwerts Schenkungsteuer fällig. Damit nicht genug. Von den niedrigen Steuerwerten sind auch noch die Immobiliendarlehen komplett abziehbar. „Ein richtiger Steuerturbo“, urteilt Berger.

Diese findige Gestaltung sorgt für kräftige Steuerausfälle bei Bund und Ländern. Deshalb ist das Modell GmbH & Co KG nicht nur durch Karlsruhe gefährdet. Es steht ohnehin auf der Abschussliste von Politikern aller Coleur obenan (impulse 5/2005). Dazu hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch einen Gesetzentwurf in Berlin auf den Weg gebracht. Dass er nicht verabschiedet wurde, liegt nur an der vorgezogenen Bundestagswahl. Jetzt geht es womöglich schnell, denn alle Parteien sind sich einig. Deshalb ist hier für Steuersparer besondere Eile geboten.

Die niedrigen Steuerwerte für Immobilien können natürlich auch Eltern nutzen, die nicht extra eine Firma für das Grundvermögen installieren wollen. Weil etwa nur einzelne Grundstücke an den Nachwuchs übergehen sollen. In Zahlen: Derzeit ist es durchaus noch möglich, ein Haus im Wert von rund 800.000 Euro steuerfrei an die Kinder zu übertragen. Denn davon sind eben oft nur 400.000 Euro steuerpflichtig. Die persönlichen Freibeträge der Eltern kom­men noch
hinzu. Das sind je 205.000 Euro. Es bleiben also weitere 410.000 Euro von der Steuer verschont.

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Diese Freibeträge kommen bei Firmenschenkungen on top. Ob es für Unternehmer allerdings richtig ist, jetzt Kinder per Schenkung an der Firma zu beteiligen, lässt sich nicht generell beantworten. Grund ist das beim Job-Gipfel im Frühjahr vereinbarte Gesetz zur Unternehmensnachfolge, das aber wegen der vorzeitigen Bundestagswahl auf Eis liegt.

Hier soll der Nachfolger die Firma steuerfrei bekommen, muss sie allerdings zehn Jahre weiterführen. Wer vorher das Handtuch wirft, zahlt Schenkungsteuer nach – für jedes Jahr ein Zehntel. „Ein ideales Modell, um die Existenz mittelständischer Firmen zu garantieren“, urteilt Peer-Robin Paulus von der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer. Also doch lieber abwarten? „Kommt auf die Beträge an“, sagt Berater Rödl. Typische Mittelständler wie etwa die Firma Korrodin sollten sich die derzeitigen Vorteile sichern.

Denn Firmenanteile gehen zum Bilanzwert über, abgespeckt um 225.000 Euro Freibetrag und 35 Prozent Wertabschlag. Plus persönliche Freibeträge. Steuerlast meist gegen null. Geht es indes um Millionenbeträge, rät der Fachmann zum Abwarten. „Allerdings mit fertigem Konzept in der Schublade, um auf neue Gesetze schnell reagieren zu können.“

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