Diverses Jobabbau ist keine Schande

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

In 2006 wird die deutsche Wirtschaft wieder wachsen. Darin sind sich die meisten Experten einig. Und wecken damit zugleich falsche Hoffnungen. Denn die breite Masse geht davon aus, dass neues Wachstum auch neue Arbeitsplätze bringt.

Doch diese These ist grundfalsch. Neue Arbeitsplätze wird es nicht geben. Im Gegenteil: Wir können froh sein, wenn dieser Aufschwung reicht, um auf dem jetzigen Niveau an Erwerbslosigkeit zu verharren.

Die meisten Unternehmer verhehlen nicht, dass sie derzeit gute Geschäfte machen. Dass dabei Arbeitsplätze in der Regel nur außerhalb Deutschlands entstehen, dazu bekennen sie sich meist nur hinter vorgehaltener Hand. Und parieren lästige Nachfragen mit dem Hinweis, dass sie in Deutschland zumindest keine Jobs abbauen. Denn seit Bestehen der Bun­desrepublik gibt es das ungeschrie­bene Gesetz, dass unternehmerisch erfolgreich nur sein darf, wer dabei ordentlich Arbeitsplätze schafft. Die Vorstellung, dass ein Unternehmer nur mit ein paar Dutzend Beschäftigten Milliardenumsätze macht, gilt per se als unanständig.

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Genau das ist aber – und man mag das bedauern – in einer hoch technisierten Welt zunehmend weniger die Ausnahme als die Regel. Und die Globalisierung forciert diese Entwicklung. Länder oder Unternehmen, die sich von diesem Prozess abkoppeln wollen, verlieren nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch ihren Wohlstand.

So weit ist es in Deutschland noch nicht gekommen. Dank der Leistungskraft von über drei Millionen Unternehmern sind wir nach wie vor eins der wohlhabendsten Länder der Welt.

Dass sie diesen Wohlstand schaffen, darauf sollten Deutschlands Unternehmer stolz sein. Und aufhören, sich ständig daran messen zu lassen, wie viele Arbeitsplätze sie denn geschaffen haben. Um es erneut und in aller Deutlichkeit zu sagen: Unternehmer haben nur eine einzige Aufgabe, nämlich Gewinne zu erwirtschaften. Arbeitsplätze sind dafür nur Mittel zum Zweck.

Wer dies als unmenschlich und zynisch brandmarkt, hat das Grundgesetz der Ökonomie nicht verstanden. Wer diesen Umstand gar sehenden Auges ignoriert, ist der eigentliche Zyniker, denn er schickt eine Gesellschaft in die Armut.

Auch viele Unternehmer müssen deshalb umdenken. Nicht wenige sehen sich bis heute in der Rolle des Patriarchen, dessen Lebenssinn es ist, den Menschen Brot und Arbeit zu geben. Motto: Solange wir noch eine schwarze Null zu Wege bringen, wird niemand entlassen. Chefs, die daran heute festhalten, laufen Gefahr, an ihrem Selbstbild zu scheitern.

Wer Deutschland etwas Gutes tun will – gleich ob Unternehmer oder Politiker -, muss erkennen: Jobs abzubauen ist keine Schande. Als Unternehmer der Gesellschaft dauerhaft keinen Gewinn abzuliefern schon.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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