Diverses Jobcenter im Abschwung

Ursula Weidenfeld: impulse-Chefredakteurin

Ursula Weidenfeld: impulse-Chefredakteurin

Arbeitsexperten, Juristen und Ministerialbeamte werden heute wieder einmal zusammentreffen, um herauszufinden, wie künftig am besten Arbeit vermittelt werden kann. Doch im Kern geht es nicht um die Frage, wie die Arbeitsvermittlung effizienter, schneller und genauer wird. Es geht darum, wer künftig Einfluss auf die Arbeitsvermittlung von Langzeitarbeitslosen haben wird: die Arbeitsagenturen oder die Städte und Gemeinden.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Herbst geurteilt, dass die heute oft geübte Praxis der gemeinsamen Aufgabenwahrnehmung verfassungswidrig ist. In so organisierten Jobcentern hatten sich Arbeitsagentur und Kommune gemeinsam um die Langzeitarbeitslosen gekümmert. Abgesehen davon, dass es dabei zu verfassungswidrigen Vermischungen von Aufgaben kam, funktionierten diese Arbeitsgemeinschaften nicht. Arbeitsagentur-Chef Frank Weise nennt die Kooperation inzwischen sogar „eine Katastrophe“.

Zu Recht. Denn nicht die Arbeitslosen und die Firmen, die offene Stellen besetzen wollten, standen in den ersten Jahren dieser Vermittlungsagenturen vorne, sondern die Bediensteten selbst. Sie konnten sich nicht über Briefköpfe, Personalvertretungen und Kompetenzen verständigen und versäumten es deshalb oft, sich um die besonders schwer Vermittelbaren auf dem Arbeitsmarkt zu kümmern. Eine Vermittlungsquote unter Langzeitarbeitslosen von gerade einmal vier Prozent in den ersten Arbeitsmarkt – viel schlechter waren auch die guten alten Arbeitsämter nicht. Drei Jahre Aufschwung wurden so verpasst. Die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, wächst erst jetzt. Wieder einmal ausgerechnet vor dem Abschwung.

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