Diverses Jürgen Heraeus ist neuer Unicef-Chef

Jürgen Heraeus: Neuer Unicef-Vorstandsvorsitzender

Jürgen Heraeus: Neuer Unicef-Vorstandsvorsitzender© dpa

Der hessische Unternehmer Jürgen Heraeus soll Unicef Deutschland aus der Krise führen: Der Vorstand des Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen - das zuletzt wegen Verschwendungsvorwürfen und verschwiegener Provisionen Schlagzeilen machte - wählte Heraeus am Freitag an seine Spitze. Eine erfolgsversprechende Entscheidung.

„Wir begreifen Fehler als Chance für Reformen“, sagte der 71-jährige Jürgen Heraeus nach seiner Wahl. Und: Das Ziel sei, Unicef transparenter zu machen. So sollen etwa die Finanzen der Hilfsorganisation in den Geschäftsberichten ausführlicher dargestellt werden.

Mit Veränderungen kennt sich der 1936 in Hanau geborene Unternehmer aus: Heraeus leitete 17 Jahre die Geschicke des Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus Holding GmbH – eines der größten Familienkonzerne Deutschlands. Wegen seiner herausragenden Leistung bei der Unternehmensentwicklung und der Nachfolgeregelung erhielt Heraeus vergangenen Herbst die Auszeichnung „Familienunternehmer des Jahres 2007“ – der Preis wird jährlich von impulse und der Intes Akademie jährlich vergeben wird. „Jürgen Heraeus verkörpert Familienunternehmertum vom Feinsten. Er ist ein sanfter Patriarch, der seine Rolle als Familienoberhaupt ebenso überzeugend ausfüllt wie den Aufsichtsratsvorsitz eines weltweit agierenden Familienkonzerns“, hieß es in der Begründung der Jury.

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Unter der Leitung des 71-Jährigen hat sich der Gesellschafter-Clan auf eine schriftliche Family Governance geeinigt, die auch regelt, welche Positionen Familienmitglieder im Konzern übernehmen dürfen. Auf Heraeus‘ Initiative wurde außerdem im Jahr 1995 die Einhorn Vermögensgesellschaft gegründet, in die alle Familiengesellschafter 90 Prozent ihrer Anteile einbrachten.

Die Firma

Gesellschafter-Eigentümer der Heraeus-Gruppe sind derzeit 188 Familienmitglieder. Heraeus und seine Geschwister besitzen knapp 25 Prozent der Firmenanteile. Heraeus selbst ist 2000 aus dem Holding-Vorstand ausgetreten – und hat den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Mit seinem Schwiegersohn Jan Rinnert ist inzwischen die fünfte Generation der Familie in der Geschäftsführung tätig.

In mehr als hundert Gesellschaften produziert und handelt Heraeus weltweit mit hochwertigen Werkstoffen. Die fünf Geschäftsfelder sind Edelmetalle, Sensoren, Dentalwerkstoffe, Quarzglas und Speziallichtquellen. Die Kundenliste reicht von der Automobil- über die Luftfahrt- bis zur Medizinbranche. 2006 erwirtschafteten die 11 000 Mitarbeiter rund 12 Milliarden Euro. Dabei setzt das Unternehmen ein Fünftel des Geschäfts in Deutschland um. Der Brutto-Cashflow : 318 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei 53 Prozent.

Den Grundstein für die Erfolgsgeschichte legte 1851 der Apotheker Wilhelm Carl Heraeus. Er entwickelte ein Verfahren, mit dem sich das Edelmetall Platin im industriellen Maßstab schmelzen lässt. Der 1936 geborene Jürgen Heraeus tritt 1964 in das Unternehmen ein und übernimmt 1983 den Vorstandsvorsitz in vierter Generation. 1985 gründet er die Heraeus Holding, unter der die Geschäftsbereiche selbständig arbeiten.

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