Diverses Kandidatenbörse

Gute Azubis gesucht? Clevere Firmenchefs engagieren sich an Schulen und lernen so die bes­ten Kandidaten kennen.

Eigentlich wollte er nur etwas Gutes tun, erinnert sich Ansgar Fulland, Chef der Essener Internet­agentur Trafo2. „Die Suche nach einem Azubi war für uns kein Thema“, so der Unternehmer. Doch das von ihm unterstützte Projekt, eine von Schülern programmierte Online-Lehrstellenbörse, begeisterte ihn genauso wie die Leistung von Benedikt Müller, einem der Pennäler. Als der nach einem Ausbildungsplatz fragte, sagte Fulland prompt zu.

Engagement, Leistungsbereitschaft, soziales Verhalten und handwerkliches Geschick – alles wichtige Eigenschaften, die Unternehmer von ihren Azubis verlangen. Ein Zeugnis aber verrät darüber kaum etwas. Wer als Firmenchef Schulprojekte unterstützt, sitzt dagegen direkt an der Quelle: Er fischt sich die für ihn Bes­ten heraus und erspart sich so kostspielige Fehlbesetzungen. Allerdings: Kooperationen mit Schulen haben ihre Tücken. Wer aber die wichtigsten Spielregeln beachtet, meistert auch diese Aufgabe.

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Unerwartete Leistungen

Solche Aktionen mit Schulen haben den besonderen Reiz, dass sie oft ungeahnte Talente zutage fördern. Anders als beim obligatorischen Betriebs­praktikum han­delt es sich nicht um Pflichtveranstaltungen, sondern um ein freiwilliges Engagement, für das die Azubis in spe ihre Freizeit opfern – da zeigt sich Einsatzwille. „Die Jugendlichen sind bei diesen An­geboten oft Feuer und Flamme“, weiß Projektkoordinator Marc Steinert von der Initiative Schule-Wirtschaft-Arbeitsmarkt in Essen. „Auch Schüler, die im Unterricht unauffällig oder lustlos sind, zeigen dabei unerwartete Motivation oder soziale Kompetenz.“

Wer solche verborgenen Schätze heben will, muss jedoch erst einmal die Ärmel hochkrempeln. Ein kurzes Hallo sagen und den besten Schüler mitnehmen, so einfach funktioniert es nicht. Vor allem in der Startphase bedeuten die Projekte Mehrarbeit für den Firmenchef. Dann gilt es, mit der Schulleitung und den Lehrern die Rahmenbedingungen wie Inhalt, Ziele und Umfang der Aktion abzustimmen.

Das ist – wie bei jeder anderen neuen Zusammenarbeit auch – anfangs zeitaufwendig. Die Beteilig­ten müssen sich erst einmal kennen lernen. „Ist später alles eingespielt, sind auch jahrelange Kooperationen ohne großen Aufwand möglich“, sagt Steinert. Er selbst hat in den vergangenen fünf Jahren rund 40 Projekte organisiert.

Auf Erfahrung bauen

Bei der Auswahl möglichen Engagements gilt: Das Projekt sollte zu den Anforderungen im Unternehmen passen. Die Palette reicht von der Umgestaltung des Schulhofs bis zur Unterstützung bei der Produktion von Fernsehbeiträgen für den Lokalsender. Alternativ zu einer solchen neu aufgezogenen Einzelaktion können Firmenchefs auch in bestehende Angebote einsteigen. Etwa in das Projekt Junior, das seit 1994 vom Ins­titut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) durchgeführt wird und das Ver­ständnis für ökonomische Zusammenhänge fördert.

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Dabei entwickeln Schüler individuelle Geschäftsideen und gründen kleine Firmen, die nach einem Jahr wieder aufgelöst werden. Die Schunk- Gruppe in Heuchelheim bei Gießen unterstützt solche Juniorunternehmen: Die Schüler erfanden beispielsweise ein Gesellschaftsspiel über die Stadt Gießen und gewannen damit den Junior-Landeswettbewerb.

Für die Firmenleitung sind diese Projekte inzwischen ein wichtiges Standbein bei der Suche nach dem passenden Nachwuchs – neben den klassischen Wegen wie Bewerbung oder Praktikum. „Wir stellen etwa 60 Azubis pro Jahr ein und testen dafür 600 bis 700 Kandidaten“, sagt Geschäftsführer Dagobert Kotzur. „Trotzdem können nicht immer alle Stellen besetzt werden, deshalb arbeiten wir eng mit den Schulen zusammen und engagieren uns in verschiedenen Projekten.“

Kosten im Griff

Den ersten Zugriff auf die besten Azubis gibt es natürlich nicht umsonst. Allerdings hält sich der Aufwand in Grenzen. So stellte Trafo2 den Teilnehmern zwei Arbeitsplätze sowie Rechner zur Verfügung. Mit Planung und Unterstützung investierte das Unternehmen rund acht bis zehn Arbeitsstunden pro Monat. „Am teuersten waren dabei die Getränke“, so Firmenchef Fulland. Grundsätzlich muss auch nicht die beste Fachkraft des Hauses die Schüler betreuen.

Wichtig ist vielmehr, dass der zuständige Mitarbeiter Spaß an der Sache hat. Bei der Internetagentur etwa betreut Azubi Benedikt das aktuelle Schulprojekt des Unternehmens. „Ich kenne jetzt beide Seiten, weiß, worauf es der Firma ankommt – und einen Draht zu den Jugendlichen habe ich auch“, sagt der 21-Jährige.

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