Diverses Karstadt-Lieferanten sollen bluten

Mindestens drei Prozent Nachlass von den Zulieferern: Max Azria geht mit sehr konkreten Vorstellungen in die geplante Umwälzung des Karstadt-Kaufhausangebots. Die Kette will er wieder auf die "Höhe der Zeit" führen.

Nicolas Berggruens Kompagnon beim Karstadt-Kauf, der Textilunternehmer Max Azria, fordert Preiszugeständnisse von Lieferanten und plant eine umfangreiche Neupositionierung des Karstadt-Sortiments.

Im Interview stellte der französisch-amerikanische Einzelhandelsexperte erstmals seine Pläne für die deutsche Kaufhauskette vor. Einen Kernpunkt der Karstadt-Sanierung sieht Azria in niedrigeren Einkaufspreisen. So erwartet er von allen Lieferanten, etwas zu Karstadts „Kampf ums Überleben“ beizutragen. „Ich verlange nicht viel, aber drei Prozent müssen es schon sein.“

Anzeige

Kommt der Karstadt-Kauf zustande, wird Azria 20 Prozent an Karstadt halten und Berggruen die restlichen 80 Prozent. Zwar hat Berggruen den Vertrag bereits unterschrieben, rechtskräftig wird er jedoch erst, wenn sich der Investor und Azria mit dem Vermieterkonsortium Highstreet auf niedrigere Mieten einigen können.

Derzeit laufen hierzu Verhandlungen in London zwischen Vertretern Berggruens und Azrias sowie dem Highstreet-Konsortium, dem zwei Drittel der 120 Karstadt-Häuser gehören. Azria soll nach Abschluss des Kaufs die operative Führung bei Karstadt mitübernehmen.

Vor einer Woche besuchte Azria in Essen, Düsseldorf und Berlin insgesamt vier Karstadt-Filialen, darunter auch das Flaggschiff KaDeWe. Danach sehe er die Zukunft von Karstadt „sehr optimistisch“. Würden die Mieten entsprechend gesenkt, schätzt er die Überlebenschancen für den Einzelhändler auf mehr als 90 Prozent. Wie auch Berggruen schließt Azria Entlassungen und Filialschließungen aus. „In meinen 40 Jahren im Einzelhandel habe ich niemanden feuern oder auch nur ein Geschäft schließen müssen.“

Für das Karstadt-Textilsortiment sieht Azria noch weiteres Einsparpotenzial. Durch einen gemeinsamen Einkauf könne man hier fünf bis zehn Prozent günstigere Preise erziehlen. Azria betreibt weltweit etwa 1000 Modeläden, mit denen er einen Umsatz von etwa 2 Milliarden Dollar macht. In Deutschland ist der Unternehmer bislang erst mit zehn Geschäften der Marke Donaldson vertreten, die er vor knapp einem Jahr übernommen hatte.

Revolution bei Schuhen nötig

Weiterhin fordert Azria mehr „Klarheit im Sortiment“ bei Karstadt. Um dies zu erreichen, werde man ein Shop-in-Shop-Konzept einführen, bei dem kleine Bereiche für bestimmte Warenangebote geschaffen werden. Angesprochen auf das Erscheinungsbild von Karstadt, sagte Azria: „Es muss viel getan werden.“ Weiter sprach er von „signifikanten Investments“, ohne aber eine Summe zu nennen.

Einzelne Segmente wie Sport hält der Unternehmer für hervorragend positioniert, während bei Schuhen „eine Revolution“ nötig sei. Insgesamt will Azria bis zu 35 Prozent des Produktangebots verändern. Kommt es zur Übernahme von Karstadt, will er zwei Monate durch Deutschland reisen. „Ich werde mir jede einzelne Filiale genau anschauen, um in der Umgestaltung auf die unterschiedliche Größe und Umgebung einzugehen“, sagt Azria.

Ziel sei, „Karstadt auf die Höhe der Zeit“ zu bringen. Die Mode müsse verjüngt werden. „Wir müssen die 35- bis 40-Jährigen ansprechen“, forderte Azria. Derzeit richtet sich die Warenhauskette mit ihren Kleidern an die 50-jährige Frau. Der Modespezialist will dabei seine langjährigen Kontakte in der Branche nutzen, um neue Marken einzuführen, darunter auch einige seiner 21 eigenen. Derzeit wird BCBG Max Azria bereits im KaDeWe verkauft, vorgesehen sei eine Ausdehnung auf zehn Tophäuser von Karstadt. Von August an wird Azrias Freizeitmodelabel Manoukian in 16 Filialen verkauft.

Azria gab sich kämpferisch, was sein Investment in die fast 120 Jahre alte Warenhauskette angeht: „Ich arbeite Tag und Nacht daran sicherzustellen, dass es dieses wunderbare Unternehmen auch die nächsten 120 Jahre noch gibt.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...