Diverses Kaufzurückhaltung hält an

Der deutsche Einzelhandel kommt nicht aus der Flaute. Die Branche setzte 2,4 Prozent weniger um als vor einem Jahr. HDE befürchtet Pleitewelle.

Die deutschen Händler leiden weiter unter der
Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Auch im Juli gelang es dem
Einzelhandel daher nicht, aus der seit Dezember dauernden Flaute
herauszukommen. Die Branche setzte 2,4 Prozent weniger um als vor
einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in
Wiesbaden mit. Dabei hatte der Juli 2002 einen Verkaufstag mehr als
im Vorjahr.

Damit summiert sich das Minus für die Einzelhändler in den ersten
sieben Monaten auf 2,5 Prozent. Da die Statistiker in ihre
Kalkulation auch Apotheken und Brennstoffhändler miteinbeziehen,
fallen ihre Zahlen immer besser aus als die Angaben des
Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels. Dieser hatte für das
erste Halbjahr einen Rückgang von 4,7 Prozent errechnet.

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Nur der Versandhandel und die Bekleidungs-, Textil- sowie
Schuhgeschäfte setzten sich im Juli vom Negativtrend der Branche ab.
Der Versandhandel erzielte ein Umsatzplus von 10,9 Prozent. Die
Anbieter von Kleidung, Schuhen oder Textilien legten geringfügig um
1,1 Prozent zu.

Bei allen anderen Händlern klingelte weniger Geld in den Kassen.
Selbst bei den Kosmetikverkäufern und Apotheken gab es ein Minus von
1,2 Prozent. In den Vormonaten hatten sie sich noch über Zuwachs bei
den Verkaufszahlen freuen können. Am größten waren die Einbrüche bei
den Delikatessgeschäften (-4,7 Prozent) und der sonstige
Facheinzelhandel mit Büchern, Schmuck oder Sportartikeln (-4,6).

Über die deutsche Einzelhandelsbranche rollt nach Angaben des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zufolge
die größte Pleitewelle der Nachkriegszeit. Nach 4200 Insolvenzen von
Handelsunternehmen im ersten Halbjahr 2002 werden für das Gesamtjahr
über 8000 Firmenpleiten befürchtet. Einschließlich Geschäftsaufgaben
würden in diesem Jahr bundesweit etwa 25 000 Unternehmen ihre Türen
für immer abschließen. Besonders hart von der Pleitewelle seien die
neuen Bundesländer mit der Zunahme der Handelsinsolvenzen von knapp
60 Prozent im Zeitraum Januar bis Ende Juni 2002 betroffen. Neben
Fachhändlern müssten auch Filialbetriebe aufgeben. Zum Jahresanfang
gab es noch 430 000 Unternehmen mit 2,83 Millionen Mitarbeitern.

„Die Verbraucher zeigen sich beim Einkauf so zurückhaltend wie
noch nie“, schilderte Franzen. Dezember 2001 hinzugerechnet lägen die
Umsätze acht Mal in Folge unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Das
habe es noch nie gegeben. Für das nächste Jahr hofft der Verband auf
einen kleines Umsatzplus.

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