Diverses KfW-Krise: Ein Job für die Kanzlerin

Dirk Horstkötter: Ressortleiter Politik

Dirk Horstkötter: Ressortleiter Politik

Der mittägliche Kommentar auf impulse.de zu aktuellen Themen rund um den Mittelstand. Heute: Dirk Horstkötter, Ressortleiter Politik, über den Rücktritt der Chefbankerin Ingrid Matthäus-Maier, der für die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau auch eine Chance wäre, zweifelhafte Strukturen zu verändern.

Warum hat Ingrid Matthäus-Maier als Chefin der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das Handtuch geworfen? Die Milliardenverluste bei der Banktochter IKB können es nicht sein. Die Zockereien sind von anderen begangen und unzureichend kontrolliert worden. In Wahrheit hat sie kapituliert vor Pistoleros und Revolverhelden aus dem politischen Berlin. Ort des Geschehens ist der Verwaltungsrat der Bank. Hier soll eigentlich konstruktiv gearbeitet und beaufsichtigt werden – doch eine Horde von 37 Männern und Frauen setzte mit Beginn der Finanzkrise einfach mal gleich die Vorstandssprecherin unter Dauerfeuer.

Die Konstruktionsmängel der KfW werden nun offensichtlich. Nach außen soll die Bank mitspielen im internationalen Finanzkonzert und jetzt, in stürmischen Zeiten, routiniert Kurs halten. Aber innen gibt ein zweifelhaftes Kontrollgremium vermeintlich kluge Anweisungen. Im 37er-Kreis sitzen sieben Bundesminister, Bundestagsabgeordnete, Ministerpräsidenten, Gewerkschafter und Wirtschaftsfunktionäre – und jeder krakeelt anders. Hinzu kommt: Nicht einmal die Chefrolle ist klar besetzt. Wirtschafts- und Finanzminister wechseln sich als Oberaufseher jedes Jahr ab. Wer weiß, wie sich die beiden Häuser bekriegen, der ahnt, welchen Höllenritt der KfW-Vorstand mitmachen musste.

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Der Wechsel an der KfW-Spitze bietet nun die Chance, professionelle Strukturen auch in der Aufsicht zu etablieren. Die Herren Steinbrück oder Glos darf man das natürlich nicht entscheiden lassen – sie sind befangen. Vielmehr müsste die Kanzlerin ihre Richtlinienkompetenz ausspielen und den Weg auch für einen organisatorischen Neuanfang der KfW frei machen. Das wäre mal eine neue Disziplin für Angela Merkel. Dass sie das Aussitzen und Wegducken beherrscht, hat sie in den vergangenen Monaten leider zu häufig bewiesen.

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