Diverses Köhlers gefährlicher Vorschlag

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Deutschland braucht einen neuen Geist des Miteinanders, findet Bundespräsident Horst Köhler. Konkret warb das Staatsoberhaupt für Lohnerhöhungen und dafür, dass Arbeitnehmer künftig stärker am Erfolg der Unternehmen beteiligt werden. Warum diese staatlich verordnete Gerechtigkeit aber nicht funktioniert, zeigt der stellvertretende impulse-Chefredakteur Gerd Kühlhorn.

Politik kann auch in der Demokratie eine gefährliche Sache sein, und zwar gerade dann, wenn sie sich den Anschein gibt, für mehr Gerechtigkeit sorgen zu wollen. Ein Beispiel dafür ist die jüngste Empfehlung von Bundespräsident Horst Köhler an die Unternehmer, die doch bitte ihre Mitarbeiter künftig stärker an den Gewinnen beteiligen sollen.

Da quillt so viel Gutmenschentum hervor, dass jede Kritik im Keim erstickt wird. Und so fehlt es denn auch nicht an Beifall für Köhler, aus der Wirtschaft ebenso wie von den Gewerkschaften. Wie schon 2006, als er mit dem gleichen Vorschlag aus der Klamottenkiste der Sozialreformer an die Öffentlichkeit ging. Und wie so oft bei ökonomischen Grundsatzfragen, so gilt auch für dieses Thema: Es braucht kein Studium der Volkswirtschaft, sondern nur ein wenig gesunden Menschenverstand, um das Absurde dieser Idee zu erkennen. Mal angenommen, die Mitarbeiter von Opel wären an Gewinnen und an Kapital des Unternehmens beteiligt gewesen, wie stünden sie jetzt da: Zusätzlich zu dem drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze hätte sie Einkommensverzichte hinnehmen müssen – in Erwartung von Gewinnen, die dann aber ausbleiben. Und obendrein wäre ihre private Altersvorsorge, so sie auf Belegschaftsaktien aufbaut, im Wert drastisch gesunken. Gewinn- und Kapitalbeteiligung bedeutet in Krisenzeiten für die meisten Arbeitnehmer einen doppelten oder gar dreifachen finanziellen Schaden.

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Beteiligungsmodelle mögen individuell Sinn machen, dies muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. Dass die Gesamtzahl solcher Modelle nicht rapide wächst, hat einen guten Grund. Wer eine Beteiligung am Gewinn anstrebt, muss auch bereit sein, seinen Teil am unternehmerischen Risiko zu tragen. Dies möchte die überwiegende Zahl der Beschäftigten nicht. Und sie beweisen damit mehr ökonomischen Sachverstand als der in diesem Fach ausgebildete Bundespräsident. Denn Tarifverträge und Arbeitsrecht garantieren jedem Mitarbeiter ein risikofreies Einkommen. Wer den über 30 Millionen abhängig Beschäftigten diese Sicherheit nehmen will, erweist einer wie auch immer zu definierenden Gerechtigkeit der Einkommensverteilung einen Bärendienst – den die vorgeblichen Nutznießer teuer bezahlen müssten.

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