Diverses Konjunktur: Stimmung schlechter als die Lage

Reinhard Klimasch: Ressortleiter Steuer

Reinhard Klimasch: Ressortleiter Steuer© Florian Schwinge

Echte Krise oder kurze Schwächephase - wenn es um die Entwicklung der deutschen Wirtschaft geht, sind sich Experten und Beobachter uneinig. Festeht, dass der Abschwung inzwischen auch Deutschland erfasst hat. Von Krise kann aber keine Rede sein, sagt impulse-Redakteur Reinhard Klimasch - und warnt Politiker und Unternehmer vor blindem Aktionismus.

Vor wenigen Monaten war es genau umgekehrt: damals war die Stimmung besser als die Lage. Die Wirtschaft schien glänzend dazustehen. Weder Finanzkrise noch drohende US-Rezession schienen ihr etwas anhaben zu können. Ökonomen korrigierten ihre Wachstumsprognosen nach oben. Doch kaum schwächeln Auftragseingang und Industrieproduktion geht die Angst vor einer Rezession um. Typisch, möchte man sagen: Wir rutschen mal wieder vom übertriebenen Optimismus in einen nicht nachvollziehbaren Pessimismus. Ein Blick auf die Fakten erleichtert die Einschätzung.

Erstens: Die gesamtwirtschaftliche Leistung ist gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent gesunken, gegenüber dem Vorjahr aber um 1,7 Prozent gestiegen. Insgesamt wächst die Wirtschaft 2008 um 1,5 bis 2 Prozent. Zweitens: Die Preise für Öl, Agrarrohstoffe und Edelmetalle sind rasant auf Talfahrt. Das entlastet Unternehmen und private Haushalte spürbar. Und die Notenbanken können die Zinsschraube demnächst wieder nach unten drehen. Drittens: Die Kapazitäten der Firmen sind mit 86 Prozent bestens ausgelastet. Die Exporte werden im nächsten Jahr um sechs Prozent zulegen – kaum weniger als in diesem Jahr. Viertens: Die Arbeitslosenzahlen sinken weiter. Der Mittelstand – so die Dresdner Bank – schafft 2008 und 2009 über 400.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs. Heißt: Wir steuern allenfalls auf eine Konjunkturdelle zu.

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Von Krise kann keine Rede sein. Kein Grund für Firmen, die Vertriebs- und Marketingleute nach Hause zu schicken. Kein Grund für Konsumenten, den geplanten Autokauf auf die ganz lange Bank zu schieben. Und die Politik? Berlin sollte uns nicht mit Steuerschecks beglücken, sondern wieder an den Wachstumsfundamenten arbeiten: kalte Progression bei der Steuer abschaffen und Lohnnebenkosten senken – durch Entschlackung der Sozialversicherung von überflüssigen Leistungen.

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