Diverses Kontodaten zum Schnäppchenpreis

Was ist eigentlich ein Satz Kundendaten wert? 100 Euro, vielleicht 1000? Oder mehr? Und wie schwierig ist es eigentlich, an sensible Daten zu kommen? Um Preise, aber auch das Ausmaß des Datenhandels festzustellen, haben Verbracherschützer undercover ermittelt - mit einem erschreckenden Ergebnis.

Sechs Millionen Datensätze kosten gerade mal 850 Euro – unter Hand versteht sich. Im Internet. Das ist das Ergebnis der Unterhändler, die der Verbraucherzentrale Bundesverband auf Einkaufstour geschickt hat. So wollten sie testen, wie der Handel mit sensiblen Daten funktioniert. Die Ausbeute: zwei CDs und eine DVD mit den persönlichen Daten von sechs Millionen Bundesbürgern – bei vier Millionen Datensätzen inklusive der Kontoverbindungen. Und das alles in weniger als zwei Tagen.

Die Daten kamen teilweise von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL), aber auch von der Norddeutschen Klassenlotterie (NKL), aus Gewinnspielen, aus Handyverträgen und sogar von karitativen Spendensammlern, erklärte Chef-Verbraucherschützer Gerd Billen. Wer sie in den Handel gebracht hat, ist unklar.

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„Lächerliche Preise“

850 Euro für sechs Millionen Datensätze – „das ist ein lächerlich niedriger Preis“, sagt ein ehemaliger Vertriebsmanager. Marktüblich seien etwa 150 Euro für 1000 vorsortierte reine Postadressen, 1000 „saubere“ Telefonnummern mit der Einwilligung zum Bewerben kosteten etwa 600 Euro. „Der Erfahrung nach betreiben vor allem der werbende Buch- und Zeitschriftenhandel, Lotterien und Händler von Nahrungsergänzungsmitteln mit solchen Nummern kalte Akquise“, sagt er. Der Geschäftsführer eines legalen Anbieters beklagt: „Wir haben dadurch, dass wir nur die gesetzeskonformen Daten bieten, schon Kunden verloren.“

„Wir sind wohl nicht der einzige Aufkäufer“, vermutet Billen. Anders sei der Discount-Preis nicht zu erklären. „Wir vermuten, dass diese Daten schon länger kursieren und nur zusammengefasst wurden.“ Neben dem Graumarkt für Daten, auf dem die Undercover-Käufer unterwegs waren, werden personenbezogene Daten auch offiziell gehandelt; allerdings zu sehr viel höheren Preisen. „Der schwunghafte Handel mit personenbezogenen Daten ist ein Gau für den Verbraucherschutz in Deutschland“, sagte Billen.

Daten dürfen nur vermietet werden

Der Markt ist trotz der Zuwächse ungemütlich geworden. „Bei sehr vielen Unternehmen war es so, dass die Menge der verkauften Daten vor Qualität ging“, sagt ein Insider. „Letztendlich hat man sich als Lieferant eine Unterschrift über die Einhaltung des Datenschutzes geholt und sich dann ganz schnell umgedreht.“

So sei bekannt gewesen, dass einige Kunden die Daten illegal mit dem Telefonbuch abgeglichen und die gewonnenen Nummern später für die Kaltakquise eingesetzt haben. „Da hatte jeder auf die eine oder andere Art seine Leichen im Keller.“ Denn eigentlich werden die Daten nur vermietet und müssen nach einer Werbeaktion wieder gelöscht werden. Der Kunde bekommt nur die Daten der Leute, die sich für sein Angebot interessieren. Die darf er in seine Datenbank aufnehmen.

Aufgrund des Preisdrucks haben zudem viele große Anbieter aufgehört, eigene detaillierte und saubere Daten zu erheben, und sich auf das Adressenbroking spezialisiert. Sie makeln mit Kundenkarteien von anderen Unternehmen wie Versandhäusern, Zeitungsverlagen und Lotterieanbietern. Derzeit müssen Kunden bei Angabe ihrer Daten beim Bereitsteller ausdrücklich widersprechen, wenn sie nicht möchten, dass ihre Daten weiterverwendet werden.

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