Diverses Krankentagegeld: Was Unternehmer künftig beachten müssen

Ab dem 1. Januar 2009 erhalten freiwillig gesetzlich versicherte Unternehmer und Freiberufler kein Krankentagegeld mehr von ihrer Krankenkasse. Um keine Lücke bei der Absicherung entstehen zu lassen, sollten sie Zusatzpolicen abschließen. Dabei haben sie die Qual der Wahl.

Private Krankentagegeldversicherungen punkten bei der Flexibilität. Für Unternehmer mit Vorerkrankungen sind dagegen die Wahltarife der gesetzlichen Kassen empfehlenswert.
Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) rät, Prämien und Versicherungsleistungen genau zu prüfen und zu vergleichen. „Hierbei muss berücksichtigt werden, inwieweit eine eventuell vorhandene Berufsausfallversicherung das Krankheitsrisiko bereits abdeckt“, sagt BFB-Präsident Ulrich Oesingmann.

Prämie: „Die Tarife der privaten Krankenversicherer sind in der Regel preiswerter“, sagt Jan Rossen vom Versicherungsmakler Gossler, Gobert & Wolters. Deshalb empfielt er seinen Kunden den Abschluss einer privaten Krankentagegeldversicherung. Ein 40-jähriger Mann, der ab dem 22.Tag Krankentagegeld wünscht, zahlt für 90 Euro Krankentagegeld monatlich ohne Risikozuschläge 56,88 Euro beim privaten Versicherer Alte Oldenburger. Bei der DAK muss er dagegen für 82 Euro Krankentagegeld 111,70 Euro auf den Tisch legen.

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Höhe: Die Höhe des Krankentagegelds sollte sich am Einkommen orientieren. „Wer viel verdient, steht bei einem gesetzlichen Versicherer vor dem Problem, dass Krankentagegeld oft nur bis zu einer bestimmten Höhe möglich ist“, erklärt Versicherungsexpertin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Beim gesetzlichen Krankenversicherer Barmer erhält auch ein gut verdienender Kunde nur maximal 85,75 Euro Tagegeld pro Krankheitstag, da er nur 70 Prozent des Arbeitseinkommens bis maximal zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 3.675 Euro absichern kann. Bei privaten Versicherern lässt sich eine größere Summe vereinbaren. „Das Krankentagegeld darf aber nicht höher als das Nettoeinkommen ausfallen“, erklärt Weidenbach. Das würde gegen das sogenannte Bereicherungsverbot verstoßen: Krank sein würde sich für den Selbstständigen dann stärker lohnen als zu arbeiten.

Beginn der Zahlung: Jeder Selbstständige muss für sich selbst entscheiden, wie lange er es im Krankheitsfall ohne Einkommen aushalten kann. „Ein Jungunternehmer verfügt wahrscheinlich nicht über ein großes Finanzpolster“, erklärt Weidenbach. Er wird relativ früh Krankentagegeld wünschen. „Ein gestandener Unternehmer hält es dagegen länger aus“, sagt Weidenbach. Bei privaten Versicherern kann der Selbstständige schon ab der ersten Woche der Krankheit Tagegeld erhalten. Bei den meisten Wahltarifen der gesetzlichen Anbieter gibt es dagegen Krankentagegeld frühestens ab dem 15. Tag. Darüber hinaus haben die Kassen oft nur wenige „Starttermine“ für das Krankentagegeld im Programm, etwa den 15.Tag oder den 43. Tag, während der Selbstständige bei den privaten Anbietern frei wählen kann.

Dauer der Zahlung: Auch die Dauer des Krankentagegeldbezugs ist bei gesetzlichen häufig beschränkt, in der Regel auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Private Anbieter kennen solche Einschränkungen in der Regel nicht.

Fußangeln: „Mit der Entscheidung für einen Wahltarif binden sich die Selbstständigen für drei Jahre an ihre Krankenkasse“, erklärt Versicherungsmakler Rossen. Das Problem: Wenn die Kasse mit den Zahlungen, die sie ab Januar aus dem Gesundheitsfonds erhält, nicht auskommt und muss sie Zusatzbeiträge von ihren Kunden erheben. Der Unternehmer kann dann nicht mehr den Versicherer wechseln. Selbstständigen, die schon Vorerkrankungen haben, bleibt trotzdem oft nur der Abschluss eines Wahltarifes. Denn sie laufen Gefahr, durch die Gesundheitsprüfung der privaten Versicherer zu fallen. Dann werden Risikozuschläge fällig. Bei einer Herzschädigung kann sich die Prämie leicht verfünffachen. Oder der Versicherer lehnt den Kunden gleich ganz ab. Makler Rossen empfiehlt den Selbstständigen, Probeanträge zu stellen, um die Versicherbarkeit zu prüfen. Die Gesundheitsfragen sollte der Unternehmer peinlich genau beantworten, rät Verbraucherschützerin Weidenbach. „Ansonsten kann die Versicherung die Zahlung verweigern“, sagt sie.

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