Diverses Kreativ, effektiv, außergewöhnlich – die Ausbildungsasse 2008

© Thomas Rosenthal

Handeln statt Verhandeln: Wie einfach der Weg zur Bildungsrepublik sein kann, beweisen die Sieger des Förderpreises "Ausbildungsass 2008". Mit zum Teil außergewöhnlichen Konzepten verbessern sie die deutsche Ausbildungssituation. 150 Ausbilder hatten sich beworben. Ausgezeichnet wurden am Ende zehn.

Feierliche Preisverleihung: Im Haus der Deutschen Wirtschaft ist am Mittwoch zum zwölften Mal der Förderpreis „Ausbildungs-Ass“ verliehen worden. Damit ehren die Wirtschaftsjunioren sowie die Junioren des Handwerks gemeinsam mit den Inter-Versicherungen und impulse Unternehmen und Einrichtungen, sich in der dualen Ausbildung besonders engagieren. „Wir wollen zeigen, wie sich Unternehmen und Initiativen schon jetzt engagieren, um das auszugleichen, was im Schulsystem derzeit schief läuft“, sagte Anja Kapfer, Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren. Und: „Auch in diesem Jahr haben wir dafür herausragende Beispiele gefunden.“

In den drei Kategorien „Industrie, Handel, Dienstleistungen“, „Handwerk“ und „Ausbildungsinitiativen“ wurden jeweils drei Betriebe und Initiativen mit dem goldenen, silbernen und bronzefarbenen Ausbildungs-Ass ausgezeichnet. In der Kategorie „Handwerk“ wurde zudem ein Sonderpreis verliehen.

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Der 1. Platz in der Kategorie „Industrie, Handel, Dienstleistungen“ war für die Jury eine sehr klare Entscheidung: Die SBS-Feintechnik GmbH & Co. KG aus Schonach im Schwarzwald überzeugte nicht nur durch eine hohe Ausbildungsquote. Das Unternehmen beschäftigt 320 Mitarbeiter, 36 davon sind derzeit in der Ausbildung. Ausschlaggebend waren aber letztendlich die vielen kreativen Projekte. Highlight war aus Sicht der Jury das Projekt „Happy Sheep“, bei dem die Auszubildenden die Verantwortung für sechs Schafe übernommen haben: vom Bau des Stalls über den Hirtendienst, die Versorgung der Tiere, das Scheren der Schafe und das Spinnen bis hin zur Weiterverarbeitung der Wolle. „Back to the rules“, so das Motto des Projekts. Als Kontrast zum Alltag lernen die Jugendlichen, im Umgang in und mit der Natur Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten.

Für ihren gesellschaftlich orientierten Ansatz erhält die Aesculap AG in Tuttlingen den 2. Platz in dieser Kategorie. Zehn der rund 60 zu vergebenden Ausbildungsplätze pro Jahr werden am Standort im südlichen Baden-Württemberg an Jugendliche vergeben, die aufgrund ihrer Zeugnisse sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Neben der Ausbildung unterstützt das Unternehmen sie dabei, bestehende Defizite auszugleichen.

Bronze ging an den Berliner Internetdienstleister Strato AG, der auf eine intensive Begleitung der Auszubildenden setzt: Nach jedem Ausbildungsabschnitt bekommen die Auszubildenden ein detailliertes Feedback über ihre Leistung und ihr Sozialverhalten. Darüber hinaus fördert der zweitgrößte europäische Webhoster die Selbständigkeit seiner Azubis: In Eigenregie darf der Nachwuchs die Strato AG auf Messeauftritten, in Schulen und auf ihrer eigenen Homepage repräsentieren. Gemeinsame Freizeitaktivitäten und die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren, runden das Bild ab.

Kategorie Handwerk: Ausbildungsass geht an Fleischerei, Friseursalon und Bäckerei

Den 1. Preis in der Kategorie „Handwerk“ erhält die Fleischerei Richter im sächsischen Oederan. Der Jury gefiel die außergewöhnliche Förderung der Jugendlichen während ihrer Ausbildung. So fördert das mittelständische Unternehmen vor allem einen guten Umgang mit Kunden. In zusätzlichen Schulungen und Trainingsangeboten werden neue Lehrmethoden angewendet, die über die üblichen Ausbildungsinhalte hinausgehen. Und mit zahlreichen kreativen Aktionen werden sie zu Hochleistungen motiviert. Ein Beispiel: Mit dem weltgrößten Firmenlogo aus Wurst- und Fleischprodukten haben es die Azubis ins Guinessbuch der Rekorde geschafft.

Platz zwei ging an den Friseursalon „Intercoiffure Thoma“ aus Bad Kissingen – aufgrund des Engagements im Bereich der Vermittlung sozialer Kompetenzen. Auch hier wird großen Wert auf die Entwicklung einer besonderen Sensibilität im Umgang mit den Kunden gelegt. Von den 16 Mitarbeitern sind zurzeit sechs in der Ausbildung.

Den 3. Preis in der Kategorie „Handwerk“ erhielt die K & U Bäckerei aus Neuenburg . Nicht nur die hohe Anzahl an Auszubildenden überzeugte die Jury. Aktuell bildet die Bäckerei 350 Azubis aus. Auch die Vielfalt der Berufsaussichten sowie ein überdurchschnittlich schneller Ausbau von weiteren Ausbildungsplätzen trugen zur Entscheidung der Jury bei. So bietet die Bäckerei die Ausbildung zum Bäcker, zum Konditor, zum Fachverkäufer und zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik an: Außerdem wurde ein „Kompetenzteam Ausbildung“ ins Leben gerufen, das in den vergangenen zehn Monaten verschiedene Projekte zur Verbesserung der Ausbildung entwickelt hat. Ein weitere Pluspunkt für die Bewertung war die Tatsache, dass die Bäckerei jeden Bewerber unabhängig von den Bewerbungsunterlagen einlädt, um das verborgene Potential zu erkennen und zu fördern. Auch junge Menschen mit wenig überzeugenden Zeugnissen erhalten so eine Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Westfälische Hauptschule hat beste Ausbildungsinitiative

Den 1. Preis in der Kategorie „Ausbildungsinitiative“ erhält die August-Claas-Schule im westfälischen Harsewinkel. Beeindruckt hat die Jury die Berufswahl-AG, in der sich die Jugendlichen in freiwilligen Unterrichtsstunden auf Bewerbungsverfahren vorbereiten und unterschiedliche Berufe und Unternehmen kennen lernen können. Besonders positiv ist auch die enge Kooperation der Ganztagsschule mit ortsansässigen Unternehmen. Außerdem legt Schuldirektor Hermann Hecker großen Wert auf Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Einsatzbereitschaft. „Über solche oft als Sekundärtugenden abgewerteten Kompetenzen diskutieren wir nicht. Wir führen sie aus“, sagte er bei der Preisverleihung.

Der 2. Preis in dieser Kategorie ging an die Defacto-Stifttung aus Erlangen: Sie überzeugte mit ihrem Projekt „Hauptschul-Power“, das ein hochaktuelles Problem lösen soll: die mangelnde Wertschätzung der Hauptschüler, die sich wiederum oft negativ auf das Selbstbewusstsein der Jugendlichen auswirkt. Das Erlanger Projekt versucht dagegen, Hauptschülern eine klare Ausbildungsperspektive zu geben. An acht Wochenenden finden Trainingseinheiten zur Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Einsatzbereitschaft statt. Zusätzlich gibt es Seminare zur Berufsorientierung mit Besuchen in verschiedenen Unternehmen. Am Ende erhalten die Jugendlichen das „Hauptschul-Power-Diplom“, das sie ihrer Bewerbung beilegen können.

Die Handwerkskammer Cottbus erhielt für ihre Ausbildungsinitiative schließlich den 3. Preis : Mit dem Projekt „Handwerk trifft Schule“ habe die Handwerkskammer ein einfaches, überzeugendes und übertragbares Konzept geschaffen, so die Begründung der Jury. Ziel des Projekt ist es, ausreichend Nachwuchs für das Handwerk zu gewinnen. Dafür gehen Handwerksmeister, Gesellen und Lehrlinge an Schulen und stehen Jugendlichen Rede und Antwort. In acht Schulen des Kammerbezirks wurde das Projekt bereits durchgeführt.

Sonderpreis:

Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Jury wieder einen Sonderpreis vergeben: diesmal in der Kategorie „Handwerk“. Ausgezeichnet wurde die Tischlerei und Schneiderei „Fördern durch Spielmittel – Spielzeug für behinderte Kinder e.V.“ aus Berlin. Der Verein ermöglicht junge Menschen mit
Behinderung eine Ausbildung – und bereitet sie so auf den Arbeitsmarkt vor. Derzeit werden fünf junge Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ausgebildet werden. Darüber hinaus können Jugendliche mit geistiger Behinderung im Rahmen eines einjährigen Praktikums verschiedene handwerkliche Tätigkeiten erlernen und so ihre Begabungen herausfinden.

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