Diverses Kreativer Schlagabtausch

Auf der imm cologne 2006 ist vieles anders als in den vergangenen Jahren. Die internationale Leitmesse für Möbel und Einrichten findet erstmals in den neuen Hallen der Kölnmesse statt. Auch bei den "ideal houses" gibt es Neuerungen: Im Rahmen des frisch angelaufenen Kreativ-Wettbewerbs "ideal houses cologne 2006" treten drei Jung-Designer gemeinsam gegen einen anderen Produktschöpfer an - gegen niemand Geringeres als Dieter Rams, den ehemaligen Chefdesigner von Braun und Legendes des technischen Minimalismus.

Sowohl die Dreiergruppe als auch Dieter Rams werden jeweils eines der beiden „ideal house“ gestalten. Und ihre persönliche Idealvorstellung davon präsentieren, wie die Menschen in der Zukunft wohnen werden.

Besucher der imm cologne können diese Wohnentwürfe in einem besonderen Ausstellungsareal inmitten der regulären Messe bewundern und sich ihre eigene Meinung bilden. Die drei Jungdesigner, die für diese Aufgabe sorgfältig ausgewählt wurden, bilden einen repräsentativen Querschnitt der prägendsten gegenwärtigen Designströmungen.

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Mit dabei ist Joris Laarman (26) aus Utrecht. Er hat bereits auf der imm cologne 2004 von sich reden gemacht. Damals nahm er an dem internationalen Nachwuchswettbewerb „inspired by cologne“ teil und wurde von der Jury des interior innovation award zu einem der Nachwuchsdesigner der imm cologne 2004 gekürt. Die Liebe zum Detail ist es, die sich in seinen Designs finden lässt.

Schnörkel und Verzweigungen wirken immer auch ein wenig verspielt, lassen aber nie die Funktion des Objektes vergessen. Laarman hat an der renommierten Design Academy Eindhoven studiert und seit seinem Abschluss im Juni 2003 bereits an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Messen teilgenommen.

Den Funktionen seiner Objekte misst auch Stefan Diez (33) eine zentrale Rolle in seiner Arbeit bei. Der Münchner gilt als die jüngste deutsche Designhoffnung. Seine Gegenstände sprechen eine klare Formensprache. Egal ob er ein Kochgeschirr für Rosenthal entwirft, Sessel und Sofas für Elmar Flötotto entwickelt oder für Authentics Regale und einen Seifenspender kreiert – Diez schafft Alltagsgegenstände, denen man sofort ihre Funktion ansieht, die aber gleichzeitig einen Moment des Ungewöhnlichen schaffen und darüber die Sinne ansprechen. Nach seiner Ausbildung als Industriedesigner arbeitete er unter anderem im Designbüro von Konstantin Grcic, dessen Arbeitsweise ihn stark beeinflusst hat. In seinem eigenen Studio in München entstehen heute neue Ideen für Möbel, Porzellan und Haushaltsgegenstände.

Dritte im Bunde ist die Kopenhagenerin Astrid Krogh (37), die das Team als Spezialistin für Textilien und Wanddekorationen komplettiert. Die meisten ihrer Entwürfe ähneln großen, strahlenden Kaleidoskopen, die ihre Wirkung durch eine gewagte Kombination von künstlichen Lichtquellen, Tageslicht und Industriewerkstoffen beziehen. Krogh ist fasziniert von Mustern und lässt die Betrachter an dieser Faszination teilhaben.

Dabei sind ihre Muster – ähnlich wie in einem Kaleidoskop – nicht statisch, sondern variieren durch das jeweilige Zusammenspiel von Beleuchtung und Materialien. Für den Betrachter ändert sich der Eindruck ihrer Dekorationen oft schon alleine dadurch, dass er sich bewegt und einen anderen Blickwinkel einnimmt. Krogh genoss ihre Ausbildung an der renommierten Dänischen Design-Schule in Kopenhagen, die sie 1997 als Textildesignerin verließ. Seitdem hat sie ihre Kreationen in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, unter anderem in Peking, Tokio, New York und Toronto.

Gemeinsam fordern die drei Jungdesigner einen der Altmeister des Industriedesigns heraus. Dieter Rams (72), bis 1995 Leiter der Abteilung Produkt-Design der Braun AG, hat Maßstäbe gesetzt, die gerade heute wieder starken Einfluss auf die internationale Designszene haben. Er gilt als Legende des technischen Minimalismus. Seit fast einem halben Jahrhundert hat Rams mehr als 500 Produkte gestaltet oder verantwortet. Sein simples wie gleichermaßen greifbares Motto lautet „Weniger, aber besser“.

Dieter Rams‘ Design-Verständnis ist Ausdruck eines schlichten Funktionalismus: weniger Dekoration, aber ästhetischer; weniger Farbe, aber wirkungsvoller; weniger Funktionen, aber ergonomischer; weniger Materialien, aber länger nutzbar.

Er ist vielfach international für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden, unter anderem hat er 1996 die „World Design Medal“ der Industrial Designer Society of America erhalten. Zahlreiche Museen auf der ganzen Welt zeigen von ihm geschaffene Produkte als ständige Exponate, so das Museum of Modern Art in New York, das Werkbund Archiv in Berlin und das Victoria & Albert Museum in London.

Der frisch angelaufene Wettbewerb ideal houses cologne 2006 verursacht schon jetzt zahlreiche Diskussionen. Auf der imm Cologne wird sich zeigen, wer die innovativeren Ideen für das Wohnen von morgen hat. Haben die jungen Shooting-Stars die am besten in die Zukunft weisenden Konzepte oder wird einmal mehr eine etablierte Design-Legende die Maßstäbe für die kommende Gestaltung von Wohnräumen setzen? Das Publikum der imm cologne 2006 wird diese Frage entscheiden.

ideal house, Halle 11.3

Die Fachmesse imm Cologne 2006 findet vom 16. bis 20. Januar 2006 jeweils von 9 bis 18 Uhr in Köln statt. Publikumstage sind am 21. und 22. Januar 2006, ebenfalls von 9 bis 18 Uhr.

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