Diverses Krise im Einzelhandel spitzt sich zu

Der deutsche Einzelhandel rechnet angesichts der anhaltenden Absatzkrise mit einem weiteren Anstieg der Firmenpleiten in der Branche.

Der deutsche Einzelhandel rechnet angesichts der
anhaltenden Absatzkrise mit einem weiteren Anstieg der Firmenpleiten
in der Branche. Die Umsatzeinbußen aus dem ersten Halbjahr könnten
auch in der zweiten Jahreshälfte nicht wieder aufgeholt werden, so
dass für 2002 mit einem Minus gerechnet werden müsse, sagte der
Präsident des Handelsverbandes BAG, Walter Deuss, am Dienstag in
Berlin. Auf Grund der kritischen Situation dürften in diesem Jahr
10 000 weitere Einzelhändler aufgeben und so mehrere zehntausend Jobs
wegfallen.

Im ersten Quartal 2002 sei der Umsatz um real 4,5 Prozent
zurückgegangen. Auch für das erste Halbjahr seien Umsatzeinbußen in
dieser Größenordnung zu erwarten. Bisher seien die Firmenpleiten im
ostdeutschen Einzelhandel gegenüber dem 1. Halbjahr 2001 um rund 58
Prozent und im Westen um rund 33 Prozent gestiegen. Nicht mitgezählt
seien die Betriebe, die ohne Insolvenzverfahren geschlossen worden
seien. „Der Exitus des Mittelstandes beschleunigt sich“, sagte Deuss.

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Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erwartet für
2002 ein Umsatzminus von 2,75 Prozent und für 2003 ein Plus von 0,5
Prozent. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe
des Einzelhandels (BAG) vertritt vor allem Textil- und
Bekleidungsketten. Auf ihre Mitglieder entfallen etwa zehn Prozent
des gesamten Branchenumsatzes von zuletzt rund 378 Milliarden Euro.

Die schlechte Einzelhandelskonjunktur führt der BAG auf die
Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosigkeit sowie den „steigenden
Zugriff der öffentlichen Hände auf die privaten Haushaltsbudgets“
zurück. Die Konsumlust werde zudem durch Milliardenverluste kleiner
Anleger an den Börsen gebremst. Hinzu komme ein verändertes
Ausgabeverhalten der Verbraucher, die nur noch jeden dritten Euro im
Einzelhandel lassen. Dadurch gehe der Branche jährlich ein
Umsatzpotenzial von etwa sieben Milliarden Euro verloren. (dpa/bb)

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