Diverses Krisengespräch: Schaeffler bettelt um Staatshilfe

Gefahr im Verzug: Wegen der Finanz- und Autokrise wird die Conti-Übernahme durch Schaeffler zunehmend zur Gefahr für beide Unternehmen. Schaeffler und Conti sind mit insgesamt rund 22 Milliarden Euro verschuldet. Daher prescht die Chefin des hochverschuldeten Familienkonzerns jetzt bei der Regierung vor. Und gibt Interviews in der Boulevardpresse.

Großangelegte Offensive: Die fränkische Firmenchefin Maria-Elisabeth Schaeffler muss wegen der Probleme bei der milliardenschweren Übernahme des Autozulieferers Continental die Strategie ändern: Am Mittwochabend traf sich die fränkische Firmenchefin mit Vertretern von Bund und Ländern – und bettelte um staatliche Hilfe. Mit magerem Erfolg.

„Die Gespräche waren konstruktiv“, erklärte danach das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Bevor eine Entscheidung zu möglichen Staatshilfen gefällt wird, brauchen die Regierungsvertreter offenbar noch weitere Informationen: „Die beteiligten Unternehmen werden in den nächsten Wochen ein tragfähiges und zukunftsweisendes Konzept vorlegen, das mit den wichtigsten beteiligten Banken abgesprochen ist. Das ist eine Voraussetzung für weitere Verhandlungen mit Bund und Ländern unter der koordinierenden Federführung des Bundes“, teilte das Ministerium mit. Einzelheiten wurden nicht genannt.

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Steinbrück: Kein Geld für Schaeffler

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lehnt staatliche Hilfen für Schaeffler ab. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, in solchen Fällen einzugreifen, in denen unternehmerische Entscheidungen möglicherweise nicht durchdacht genug waren“, sagte er der „Berliner Zeitung“. „Wir können es doch keinem Menschen erklären, Unternehmen, hinter denen Milliarden-Vermögen stehen, mit Steuergeldern zu unterstützen.“ Auf die Frage, ob die Regierung einen Rettungsschirm über die Schaeffler-Gruppe spannen werde, sagte Steinbrück: „Ein ganz klares Nein.“

Der Autozulieferer wirbt in den Verhandlungen mit Bund und Ländern auch für einen direkten Einstieg des Staates. Schaeffler habe neben der Anfrage nach Krediten oder Bürgschaften eine Beteiligung des Bundes mit Conti-Aktien ins Spiel gebracht. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur dpa unter Berufung auf Branchenkreise.

Die Conti-Übernahme gefährdet beide Autozulieferer

Aus dem 100-Milliarden-Euro-Topf, den die Koalition mit dem zweiten Konjunkturpaket beschlossen hat, soll es nur Kredite und Bürgschaften für Unternehmen geben. Schaeffler sei darauf hingewiesen worden, dass eine direkte Finanzspritze des Staates wie im Fall Commerzbank an harte Auflagen gebunden wäre. So muss die Commerzbank für die Eigenkapitalhilfen des Bundes neun Prozent Zinsen zahlen. Dies setzte die EU-Kommission durch, die Wettbewerbsverzerrungen verhindern will.

Am Dienstag hatte Schaeffler bereits mit der Landesregierung in Bayern verhandelt. Konkrete Ergebnisse gab es nicht. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) betonte, Hilfen für die beiden Zulieferer könne es nur unter Federführung des Bundes geben. Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sagte, ein oder zwei Länder allein könnten die Sache nicht stemmen. Schaeffler und Conti haben zusammen über 200.000 Beschäftigte.

Schaeffler bleibt hart

Schaeffler selbst verteidigte die Übernahme erneut – und stellte eine Lösung der Krise in Aussicht. In einem Interview mit der „Bild“, das am Donnerstag erschien, sagte sie: Sie sehe nicht, dass sich die Firmengruppe mit dem Conti-Kauf verhoben habe. „Wir erleben die größte Finanzkrise seit Jahrzehnten, wir haben eine weltweite Rezession und Automobilkrise. Das Umfeld für alle Unternehmen hat sich dramatisch verändert. Das fordert uns jetzt, aber wir werden Lösungen finden“, sagte Schaeffler. Niemand habe die Finanzkrise und die drastischen Folgen für die gesamte Wirtschaft voraussehen können. Grund für all das: „Die Börse spielt verrückt“, so Schaeffler. Auf die Frage, warum der Deal nicht einfach abgeblasen werde, antwortet die Großaktionärin: „Das ist rechtlich gar nicht möglich“

Mit Interviews, in denen Fragen zur Fianzierung, Strategie, Perspektiven und Management beleuchtet werden könnten, hatte sich die Unternehmerin bisher zurückgehalten. Dass sie sich gerade jetzt öffentlich geäußert hat, lag an Artikeln in der Münchner „Abendzeitung“ (AZ) und der „Bild“: Sie hatten sich auf ein Foto von Frau Schaeffler gestürzt, dass am Wochenende im Nobelskiort Kitzbühl aufgenommen wurde. Darauf trägt die blonde Dame einen Pelzmantel. Das nahmen beide Zeitungen zum Anlass für Geschichten mit den Überschriften „Frau Milliardärin braucht Staatshilfe“ und „Milliardärin will an unser Steuergeld“.

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