Diverses Kühle Luft für heiße Öfen

Deutsche Mittelständler liefern der Welt Öko-Shrimps, kühle Luft für heiße Öfen, Menthol für Kaugummis und Siliziumwafer

Kommt vom Fjord

Weil die Kosten für Silizium zurzeit steigen wie Raketen, haben die Bayern die Produktionsanlagen für Siliziummetall in Holla, Norwegen, von der Fesil Group gekauft. Für 65 Mio. Euro. Viel Geld, aber die Anlage kann 50?000 Tonnen jährlich herstellen, also ein Drittel des Jahresbedarfs des Chemieunternehmens decken. Die Fabrik am Fjord gibt den Bayern mehr Unabhängigkeit vom galoppierenden Weltmarkt. Diverse Kartellbehörden haben bereits Ja gesagt, der Deal von Anfang Juni gilt jetzt. Wacker braucht Siliziummetall, um polykristallines Reinstsilizium herstellen zu können. Das wird für Chips und Wafer benötigt. In Deutschland baut Wacker gerade zwei Produktionsstätten aus. Der Weltmarkt braucht das Zeug.

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Hauch mich mal an

Damit alle noch mehr kauen: Bereits jetzt produziert keiner weltweit mehr synthetisches Menthol als die Holzmindener, und nun haben die noch begonnen, ihren Ableger in Bushy Park, South Carolina, zu vergrößern. Ab 2012 soll der doppelt so viel Geschmack ausspucken. Der Grund: Seit einiger Zeit steigt der Bedarf an künstlichem Menthol für Kaugummis, Süßigkeiten, Zahnpasten, Zigaretten um mehr als zehn Prozent pro Jahr. Der Geschmacksstoffhersteller, der 1,3 Mrd. Euro im vergangenen Jahr umgesetzt hat, arbeitet mit Lanxess, früher ein Teil von Bayer, zusammen. Die Chemiker haben angekündigt, deutlich mehr Vorprodukte, die Symrise zu Kaugummistandardgeschmack verarbeitet, herzustellen.

Für heiße Öfen

Es werden noch Autos gebaut in England, jedenfalls Teile dafür. Damit die Öfen der Ford-Tochter Getrag in Halewood, einem Stadtteil von Liverpool, Getriebeteile besser härten, bekommen sie jetzt Zu- und Abluftsysteme von Ventzki verpasst. Die Lüftung der Firma im schwäbischen Eislingen sorgt dafür, dass schneller und sicherer gearbeitet werden kann. Die Getriebeteile aus Metall werden von der Maschine in den Ofen geschoben und wieder herausgeholt. Bis zum Herbst soll die Tochter der Carl Stahl Gruppe die Anlage installieren. Sie beliefert Getrag schon seit Langem. Allein in dem großen Werk in der Slowakei sind 400 Geräte aus Schwaben im Einsatz. Der Auftrag von Getrag in England ist bisher der größte in diesem Jahr, Ventzki drückt mit ihm die Kurzarbeit der 21-Mann-Belegschaft auf null.

Test the East

Das Labor des Diagnostikdienstleisters Gemotest in Moskau wird verbessert. Es bekommt diesen Monat ein neues Mikrobiologiemodul, das dafür sorgen wird, dass im Labor ermittelte Daten schneller und besser verwendet werden. Die Russen wollen sich für den Wettbewerb in der russischen Hauptstadt rüsten. Dort gibt es viele Labore, an die Ärzte und Firmen Proben schicken können. Isoft ist eigentlich eine australische Firma und weltweit größter Anbieter von Software für Labore. Allerdings sind die holländische und die deutsche Tochter die Entwicklungsabteilungen. Große Standorte sind in Mannheim und in Bochum. Bereits 2008 hatte die Firma von Deutschland aus das Gemotest-Labor in Moskau mit neuer Technik ausgestattet.

Inderwäsche

Eine halbe Million Badteile kann Duravit bald in Tarapur, im indischen Bundesstaat Gujarat, produzieren. Das ist viel Keramik. Der indische Markt kann die brauchen, die Mittelschicht wächst und wäscht sich immer lieber in Designbädern. Die Geburtenrate ist hoch, es wird in Zukunft noch mehr saubere Inder geben. Das 170?000 Quadratmeter große Werk, das im September eröffnet, macht die Schwarzwälder zu lokalen Anbietern. Was ein Vorteil ist, zoll- und imagetechnisch. Seit 2003 haben die Beckenbauer einen Vertrieb in Indien, sie produzieren auch in Tunesien, Ägypten, China, Frankreich und der Türkei. 2009 war zwar Krisenjahr, aber Duravit investierte trotzdem. Vor Kurzem wurde die Firma von der EU-Kommission allerdings wegen Preisabsprachen zu 30 Mio. Euro Strafe verdonnert.

Die Guten Shrimps

Werden gern gegessen und sind ein Problem, so wie sie gezüchtet werden: Shrimps-Farmen in Asien verseuchen Wasser und Boden mit Chemikalien, Hormonen, Antibiotika. Nun kommen zwei aus Heiligenhaus, züchten in Chilaw, nördlich von Colombo in Sri Lanka, ehemals Rebellengebiet, auf ihrer Lanka-German-Aquaculture-Farm Bio-Shrimps: Nils Hausberg und Manuel Kollenberg haben ein Verfahren entwickelt, das auf liebe Art die Tiere groß werden lässt. Details zu Futterzusatzstoffen und Wasseraufbereitung bleiben geheim, die Verfahren sind geschützt. Köche loben die neuen Shrimps, die in Deutschland verkauft werden. Bald beginnt in Indien die Zucht nach dem Prinzip der Westfalen, die dort Systemlieferanten sind. In Malaysia soll bald eine Riesenaquafarm mit 25 Hektar Wasserfläche entstehen.

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