Diverses Kunst Macht Karriere!

Wie - Sie haben nur einen Kunstdruck von Dürers "Betenden Händen" im Büro hängen? Das kann ja nichts werden mit Ihrer Karriere! So ein kleines Bild und dann auch noch unecht! In Berlin können Sie sehen, wie die Herren aus Politik und Wirtschaft es machen.

Aber auch für Sie gibt es jetzt Rettung: Fahren Sie am Wochenende unbedingt nach Berlin und schauen Sie sich dort im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „Macht zeigen“ an. Am Beispiel von Politikern und Führungskräften aus der Wirtschaft wird vorgeführt mit welchen Bildern Sie ihre Freunde und Geschäftspartner beeindrucken können.

Klar ist natürlich von vorne herein: So richtig preisgünstig wird der Erwerb neuen Wandschmucks nicht. Einen akzeptablen Renoir oder Warhol gibt es erst ab eine Million aufwärts. Und nach oben hin sind ihren finanziellen Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Ciacomettis Bronzeplastik „L’Homme qui marche“ beispielsweise verscherbelte die Dresdner Bank vor wenigen Tagen für 75 Millionen Euro.

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Zuerst einmal sollten Sie analysieren was am besten zu Ihnen passt: Vielleicht die eher konservative Haltung der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich mit einem Porträt von Ex-Bundeskanzler und CDU-Ikone Konrad Adenauer ein Bild des Expressionisten Oskar Kokoscha ins Arbeitszimmer hängte. Oder doch eher ein wild gepinselter Baselitz, den sich Gerhard Schröder leistete – er hatte einen Bundesadler in Auftrag gegeben, der in der Baselitz-Variante eher in die Kategorie „Geier Sturzflug“ passt.

Der eher stylisch orientierte Außenminister Guido Westerwelle steht anscheinend auf die naturalistisch orientierte Leipziger Schule. Ganz besonders haben es ihm zwei blonde Jungs im Turndress, die Norbert Bisky gemalt hat, angetan. Der FDP-Politker bestellte sogar einen Fotografen der für die Nachwelt festhielt wie er das Bild in seinem Büro an die Wand nagelte.

Fast schwindlig wird einem bei einem Gemälde von Rainer Fetting, das der Berliner OB Klaus Wowereit im Arbeitszimmer hängen hat: Das extrem farbenfrohe Gemälde „Drummer und Gitarrist“ könnte auch jeden anderen Titel, zum Beispiel „Erbsensuppe auf Hawaihemd“ haben.

Hochrangige Wirtschaftslenker wie der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf E. Breuer lassen es da ruhiger angehen. Er posierte vor einem zwar abstrakten aber auch unspektakulären Farbgitter von Günther Förg. Einer seiner Vorgänger, Hermann Josef Abs, der über Jahrzehnte die Kunstabteilung des größten deutschen Bankhauses betreute, präsentierte sich neben einem Werk aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Die oben aufgeführte Auswahl jedoch ist nicht repräsentativ: Viele Politiker tendieren zu gegenständlicher Malerei, die meisten Manager bevorzugen anscheinend abstrakte Kunst.

Aufschlussreich ist eine Wand voller Porträtfotos von Führungskräften aus der Wirtschaft: Dort spielt die Farbe Rot die wichtigste Rolle.

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