Diverses Landtagswahl in Bayern – eine Valentinade

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Ende einer Ära: Nach mehr als 40 Jahren Alleinherrschaft verlor die CSU bei der Landtagswahl in Bayern die absolute Mehrheit - und die Folgen werden in ganz Deutschland zu spüren sein, prophezeit Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur.

Wie ein gewaltiger Gletscherabbruch fegte die Landtagswahl durch die bayerische Parteienszene, und weil die Geröllhalde an den Landesgrenzen nicht halt machte, zeigt jetzt das politische Landschaftsbild in ganz Deutschland gewaltige Verwüstungen.

Drei Anmerkungen zu einer Katastrophe, damit weitere nicht folgen:

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1. Nie wieder Große Koalition – denn natürlich war das Wahlergebnis in München vor allem eine Watsch`n für Merkel und Steinmeier. Huber und Beckstein allein konnten in so kurzer Zeit gar nicht so schlecht sein, um einen solchen Sturz ins Bodenlose zu bewirken. Entscheidender war: Die Leute haben es satt, wenn Politiker ihnen keine klare Position anbieten mögen, und selbst wenn sie eine hätten, dafür nicht zu kämpfen bereit wären.

2. Wie sehr muss man sich selbst belügen, um wie der bayerische SPD-Spitzenkandidat Maget als ein Sieger in alle Kameras zu lächeln – obwohl er gerade das historisch schlechteste Ergebnis seiner Partei zu verantworten hat. Ist es nicht schon eine Valentinade (oder eine Verunglimpfung der Wähler), wenn der gleiche verirrte Bayer indirekt den Anspruch aufs Amt des Ministerpräsidenten erhebt, an der Spitze einer Vier-Parteien-Koalition und gegen den Willen von 80 Prozent der Wähler? Und das alles noch mit Rückendeckung aus Berlin – ja wo san mer dann, im Musikantenstadl?

3. Jetzt klammeren sich die beleidigten Christsozialen an die Liberalen, und die wiederum haben nix dagegen, das Wirtschaftsministerium angetragen zu bekommen. Hallo, liebe CSU, wollen wir uns das Wahlergebnis nochmals ganz langsam anschauen: Freie Wähler und Grüne holten deutlich mehr Stimmen als die FDP. Die bürgerlichen Freien und die in Bayern nicht minder bürgerlichen Grünen schon jetzt als Koalitionspartner auszuschließen, zugunsten der alten Spezies von den Liberalen (man muss ja auch an Berlin denken) – das wird der CSU bei der nächsten Landtagwahl ein Ergebnis unter 40 Prozent bringen.

Schade für die Unternehmer, die ein weiteres Bundesland von ihrer Reformer-Liste streichen müssen.

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