Diverses Laufstege voller Überraschungen

Das Krawall-Genie John Galliano überrascht bei den Schauen in Paris immer wieder mit exzentrischen Mode-Kollektionen. Doch diesmal schickte er für Dior derart zahme Entwürfe über den Laufsteg, dass alle sich die Augen rieben. Unerwartet auch, dass Gaultier entgegen der Trend-Devise "ruhige Eleganz" äußerst sportliche Entwürfe bot.

Selbst im Publikum passierte Ungewöhnliches: Die gefürchtete US-„Vogue“-Chefin, Anna Wintour, übte sich im charmanten Dauerlächeln – vielleicht als Gegenpol zur unbarmherzigen Mode-Chefredakteurin in dem Film „Der Teufel trägt Prada“.

Fast brav zu nennende Kostüme in grau, creme oder oliv aus weichen Wollstoffen mit körniger Struktur machten bei Dior den Anfang: Schmale, teils kragenlose Jacken zierte ein Spitzeneinsatz mit Rosenmotiv. Dann kamen gewagtere Träger-Tops mit raffinierten Wickeleffekten zu superschmalen Hosen. Sanft wirken fließende Kleider mit schönen Drapierungen, die um den Körper gewickelt werden, besetzt mit kleinen Metallringen. Sanft sind auch die Farben mit goldig schimmerndem Grün, Rosé und Beige.

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„Rasiermesserscharfer“ Karl Lagerfeld

Als „rasiermesserscharf“ hatte Karl Lagerfeld seine Kollektion beschrieben. So zeigte er präzise geschnittene Entwürfe in monochromen Farben – Weiß, Schwarz, Anthrazit, Nachtblau und Aubergine. Extrem dünne Models kombinierten Hot Pants zu auf Figur geschnittenen Anzugjacken. Auch die leicht gebauschten Kleider reichten nur bis zum Oberschenkel. Kleine Plissierungen und elliptische Formen gaben dem Ganzen eine architektonische Form. Dennoch wirkten die Entwürfe, kombiniert zu Spitzenstrümpfen und hochhackigen Sandalen, mädchenhaft.

Hinreißend weiblich, sexy, doch niemals vulgär: So könnte man die Kollektion von Akris-Designer Albert Kriemler beschreiben. Er hatte sich von einem Badeanzug von Rudi Gernreich (1922-1985) inspirieren lassen, dessen Form er gekonnt variierte. „Alles dreht sich um Transparenz“, meinte Kriemler und schuf eine gekonnte Symbiose aus körpernahen Formen und Leichtigkeit. Strahlend weiße, knöchellange Zigarettenhosen, breite Ledergürtel und softe Voile-Blusen bestachen durch ihre Klarheit. Bei zarten Kurzkleidern aus Organza in haut oder schwarz wurde Linearität durch aufgesetzte Stoffquadrate und vertikale Nähte geschaffen.

Gaultier entführt ins Fitness-Studio

Jean Paul Gaultier feiert in diesem Jahr 30-jähriges Mode-Jubiläum und zeigte zu Beginn Höhepunkte seines Schaffens. Da kamen seine Corsagenkleider mit Raketenbusen, der Rock für den Mann oder das typische Marine-Ringelshirt. Viele Ideen hat dieser witzige Wirbelwind der Mode gebracht. In der kommenden Saison setzt er auf eine eigenwillige Interpretation von Sportkleidung.

Vor der Kulisse eines glitzernden Fitness-Raums ließ er schicke Turnkleider, Sportjacken, Jogginghosen und Shorts aufmarschieren, aus glänzender Seide in Apricot, Schokolade, Schwarz oder Grasgrün, bestickt, paillettenbesetzt und durchaus straßenfein. Zwischen den Models trat auch eine „Dicke“ auf: Im Baby Doll bewies sie, dass bei Gaultier niemand seinen Körper schinden muss, um schön zu sein.

(dpa)

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