Diverses Laurent Quintreau – Und morgen bin ich dran

Bei den elf Managern, die sich im Roman "Und morgen bin ich dran" zu einem zweistündigen Meeting treffen, geht es nur vordergründig darum, wer welche Aufträge ergattert oder welche Kunden verloren hat. Umso mehr achten die Anwesenden darauf, wen der Chef gerade auf dem Kieker hat und wer hofiert wird.

Der Franzose Laurent Quintreau
präsentiert alle elf Teilnehmer in inneren
Monologen und enttarnt sie als Menschen,
die sich der Karriere verschrieben
und dabei selbst verloren haben. Als Getriebene,
die um ihren Status bangen und
die Werkzeuge schärfen, um an den
Stühlen der Konkurrenten zu sägen.

Er
schreibt seinen Managern so manch
gestelzten
Gedanken zu, der von seiner
Unvertrautheit mit real existierenden
Führungskräften künden mag. Aber um
Authentizität geht es nicht, eher um Literatur
als höhere Wahrheit. Auch wenn
Quintreau es sich oft zu leicht macht:
Eben diese Banalität macht den Reiz seiner
Gedankenprotokolle aus. Aggression
trifft auf Angst, die innere Leere wird ersetzt
durch Gier. Sie haben sich
geopfert für Geld und Macht.

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Nun büßen
sie dafür im Limbus des Meetings. Limbus
ist der Teil der Hölle, in dem sich alle
Seelen aufhalten, die vom Himmel ausgeschlossen
sind. Sie leiden kaum, diese
Seelen. Wie auch – es passt so gar nicht
in ihr Selbstbild.

Und morgen bin ich dran. Das Meeting

Autor: Laurent Quintreau

Verlag: Unionsverlag, 192 Seiten

Preis: 16,90 Euro

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