Diverses Männerspielzeug

Das eigene Auto - kein Problem. Aber die eigene Automarke? Kaum machbar. Was es braucht, um aus einem utopischen Kleinjungentraum unternehmerische und fahrbare Realität werden zu lassen.

Herbert Funke und Philipp Will standen 1996 kurz vor ihrer Abschlussarbeit an der Kölner Fachhochschule für Fahrzeugtechnik. „Zum Zeitpunkt unserer Diplomarbeiten päsentierten andere Herstellern kompakte Sportwagen, die entweder leistungsstark, aber viel zu schwer, oder schön leicht, aber leistungsschwach waren“, erinnert sich Funke. Die Diplomanden entwickelten einen ultra­leichten Alu-Hohlkammer-Rahmen, der Designer Olaf Schweizer lieferte das 18 Kilo leichte Kohlefaserkleid dazu. Leben wird den Yes!-Mobilen eingehaucht von Großserientechnik aus dem VW-Regal. Zeitgleich tüftelten Funke und Will ein passendes Unternehmenskonzept. Die automobilen Musketiere nannten ihr Werk Young Engineers Sportscar, kurz Yes.

Es kam die IAA 1999 in Frankfurt: ein Riesenerfolg. Das Duo gründete die Funke & Will AG in Großenhain bei Dresden. Und lieferte im September 2001 das erste Kundenfahrzeug aus. Mit der neuen Version des Yes!-Roadsters, einem 255-PS-Kraftpaket mit einem Hauch von Luxus, erwarten die Kompagnons nun weiteren Zu­spruch für ihre „kompromissloseste Fahrmaschine der Gegenwart“.

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Kompromisslosigkeit, aber mit anderen Vorzeichen – darauf zielen die Macher des Apollo: „Für Kunden, die bereits über diverse Sportwagen verfügen und mit den Leistungen dieser Fahrzeuge nicht zufrieden sind – Beschleunigung, Endgeschwindigkeit, Bodenhaftung und vor allem Kurvengrenzgeschwindigkeiten.“

Jahrelanges Know-how in der Automobil­industrie

Ex-Audi-Motorsportchef Roland Gumpert ist die treibende Kraft dabei, brachiale 650 PS und eine faszinierende Karosserie zu vereinen und mit mehr als 360 Stundenkilometern Ferrari und Co um die Ohren zu fahren.

Gumpert ist ein alter Hase der Branche, schließlich steckt er hinter den legendären Erfolgen der Audi Quattro. 2002 entstand die Idee des Apollo, 2003 kam Gumpert zum Team, ein Jahr darauf wurde im thüringischen Altenburg die heutige Gumpert Sportwagenmanufaktur gegründet.

Autohersteller Gumpert zu den Voraussetzungen, um PS-Träume wahr werden zu lassen: „Jahrelanges Know-how in der Automobil­industrie und vor allem Verbündete mit umfassenden Kenntnissen in den neuesten Technologien. Plus Ausdauer und Durchsetzungsvermögen. Plus ein motiviertes Team.“

Für den ehemaligen Audi-Vorstand, der in seiner Zeit als Motorsportchef oft genug selber mit ölverschmierten Fingern zu sehen war, kein Problem. Das erste Exemplar mit Straßenzulassung flitzt übrigens nicht über Sandpisten aus 1001er Nacht, sondern lässt den Brocken beben – ein Geschäftsmann aus dem Harz sicherte sich die Nummer eins.

Grazil und einzigartig

Anders als der Apollo-Bolide lässt der Spyder von Ralf Rudolph, eine Hommage an Straßenrennwagen der 50er Jahre, eher Liebhaber graziler Fahrzeuge dahinschmelzen. „Am Anfang haben wir Kunststoff-Kotflügel für Oldtimer hergestellt, so sind wir in das Geschäft hineingewachsen. Irgendwann entstand der Wunsch, ein Fahrzeug zu entwickeln, das es so noch nicht gab auf dem Markt.“

Rudolph kombiniert eine vertraute Formensprache mit alltagstauglicher Großserientechnik. „Eine spezielle Lederfarbe, eine andere Instrumentenkonsole oder ein stärkerer Motor – wir realisieren alles, was technisch machbar ist. Unsere Kunden suchen die Exklusivität, wollen einzigartige Autos.“

Das Konzept geht auf. Ist ein Auto fertig, wartet schon ein Käufer. Die traumhafte Verkaufsquote macht Rudolph indes nicht rundum glücklich: „Es wäre ein Leichtes, alleine vom Spyder 20 Einheiten pro Jahr zu verkaufen. Doch dazu suche ich noch einen Investor, um die technischen Kapazitäten zu erweitern.“ Momentan ist der bodenständige Betrieb mit einer Kapazität von sechs Fahrzeugen pro Jahr voll ausgelastet.

Spitzenmanager, solide Handwerker oder clevere Ex-Studenten – so verschieden die Grundvoraussetzungen zum Autohersteller auch sein mögen, sie alle eint der Spaß am Automobil, hart erarbeitetes Know-how, gute Kontakte in der Autobranche und … ein kontinuierlicher Erfolg.

Weitere Infos: Bildergalerie, technische Daten und Herstelleradressen

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