Diverses Mehr absetzen als erlaubt

Der Fiskus verteuert drastisch Investitionen in komplexe Software-Lösungen: durch lange Abschreibungsfristen. Wie Unternehmer in Verhandlungen mit dem Steuerprüfer gegenhalten können.

Seit Jahren streiten Firmenchefs und Finanzbeamte über die Abschreibungsdauer für ERP-Programme – eine Software, die den gesamten Planungs- und Steuerungsprozess im Betrieb abbildet und automatisiert. Die Unternehmen wollen die Anschaffungskosten meist über wenige Jahre verteilt bei der Steuer abziehen. Die Finanzämter pochen auf längere Fristen.

Neuerdings versteifen sie sich durchweg auf zehn Jahre. „So lange lassen sich die Programme wirtschaftlich nicht nutzen“, moniert Berthold Welling, Steuerchef beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Die Finanzverwaltung verkennt hier das rasante Innovationstempo.“

Anzeige

Das will man sich in Berlin anscheinend nicht länger nachsagen las­sen. Die Behörde annoncierte jüngst einen neuen Erlass (Entwurf liegt impulse vor). Mit bundeseinheitlichen und betriebswirtschaftlich vernünftigen Abschreibungskonditionen (AfA) für betriebliche Software-Systeme à la SAP, Oracle oder KHK, so heißt es im Bundesfinanzministe­rium. impulse hat die neuen Vorschriften analysiert: Was sie taugen, wovon Firmenchefs in Betriebsprüfungen schon heute profitieren können.

Besonders gespannt warten Investoren auf die neue AfA-Frist. Was zählen sollte, ist die betriebsübliche Nutzungsdauer. Und üblich sind nach einer DIHK-Umfrage bislang drei bis vier Jahre. Acht von zehn Firmenchefs (82,6 Prozent) schreiben in dieser Zeit die Kosten ab (siehe »Schnelle Abschreibung«). Bislang sieht es so aus, als wollten die Beamten die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer auf fünf Jahre (lineare AfA: 20 Prozent) festsetzen.

„Eigentlich noch zu lang“, moniert Martina Ortmann-Babel, Steuerberaterin bei Ernst & Young in Stuttgart. Beispiel: Wer über fünf statt drei Jahre abschreibt, zahlt bei der Steuer kräftig drauf. „Da geht es rasch um fünf- bis sechsstellige Beträge“, kalkuliert Expertin Ortmann-Babel.

Immerhin: Falls die AfA-Tabellen demnächst fünf Jahre notieren, haben Investoren wieder Planungs­sicherheit. Und eine bessere Position in Verhandlungen mit dem Steuerprüfer. Es versteht sich von selbst, dass man die AfA-Frist leichter von fünf auf drei Jahre drücken kann als von zehn auf drei Jahre.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 11/2005, Seite 142, nachlesen.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...