Diverses Mehr Bier!

Malerisch kostümierte Hartz-4-Empfänger saufen bis der Arzt kommt und prügeln dass die Fetzen fliegen, ein Abteilungsleiter versucht seine Sekretärin zu vögeln, ein hoch bezahlter Manager will einen Kollegen umbringen...

Spannender Film?! Falls Sie so etwas denken – weit gefehlt. Diese Szenen sind keine Momentaufnahmen aus einem Action-Thriller, es sind Teile von Theater-Inszenierungen. Und wo können Sie diese Stücke sehen? Natürlich bei dem gerade in Berlin stattfindenden Theatertreffen. Diese jährliche Leistungsschau der deutschsprachigen Bühnen zeigt die besten Inszenierungen.

Es soll ja Leute geben, die gehen nie ins Theater. Ist Ihnen zu langweilig – oder irgendwie zu altmodisch. Und überhaupt: Muss ich mir jetzt auch noch angucken, wie erwachsene Menschen sich verkleiden und schminken um dann gemeinsam vor dem Publikum hin und her zu rennen?

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Das diesjährige Theatertreffen zeigt genau das Gegenteil – nämlich wie spannend, lebensnah und aktuell Regisseure und Schauspieler in die Wirklichkeit grätschen. Die meisten der zehn prämierten Inszenierungen sind hochpolitisch und mischen sich direkt ein in die gesellschaftliche Realität. Im Mittelpunkt der Auswahl, die eine Jury aus Theaterkritikern zusammenstellt, steht die Wirtschaftskrise.

Dabei sind natürlich auch Klassiker wie Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline“ dessen zentrales Thema Arbeitslosigkeit nahtlos in unsere Zeit passt oder Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun“, der als Krisendrama für die Bühne umgearbeitet wurde. Die meisten Stücke jedoch, wie das urkomische „Life and Times – Episode 1“ – eine Gemeinschaftsproduktion zweier New Yorker Regisseure mit dem Wiener Burgtheater – entstammen der Jetztzeit.

Und steif oder weihevoll, geht es hier nie zu. Bei Nicloas Stemanns Inszenierung von Elfriede Jelineks Kapitalismuskritik „Die Kontrakte des Zeichners“ zum Beispiel wird das Publikum sogar aufgefordert, während des Stücks immer mal wieder ein Päusschen einzulegen und sich die Beine zu vertreten. Man solle einfach dazwischen das eine oder andere Bier zischen oder einen Kaffe trinken – aber dann auch gefälligst wieder in den Zuschauerraum zurückkehren.

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