Diverses Mehr Licht auf Heuschrecken-Wiesen

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Hedge Funds sind in der Diskussion, seit einige milliardenschwere Hedge Funds in Konkurs gingen und aktuell Übernahmespekulationen von Unternehmen in Milliardenhöhe die Runde machen. Nachdem nun auch größere Mittelständler in den Fokus dieser "Heuschrecken" gelangen, ist zu fragen, wie die Transparenz für Anleger und Übernahmekandidaten hergestellt werden kann.

Wer will über Nacht schon gerne von einem Funds übernommen werden. Es kann auch nicht im Interesse von Banken sein, dass durch diese meist hochspekulativen alternativen Finanzierungsformen die Finanzmärkte in Schieflagen geraten.

Daher versucht unser Finanzminister Steinbrück aktuell eine politische Allianz unter EU-Ländern, um eine europäische Aufsicht über Hedge Funds analog der Bankenaufsicht einzuführen. Ob dies angesichts der nicht geglückten EU-weiten Regelungen für REITS nun bei Hedge Funds besser klappen wird, ist mehr als fraglich. Eine marktseitige Transparenz durch spezielle Rating- oder Scoringsysteme könnte hier helfen.

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Doch zunächst muss das in den Medien oftmals vermittelte Bild der Hedge Funds als so genannte Heuschrecken, die wie im Falle der Deutschen Börse oder zuletzt der niederländischen Bank ABN Amro versuchen, aktiv Einfluss auf die Strategie eines Unternehmens zu nehmen, gerade gerückt werden. In der Realität ist es nämlich grundsätzlich sehr schwer zu definieren, wann ein Fonds überhaupt als (gefährlicher) Hedge Fund zu bezeichnen ist. Anlagestrategien, Rechtsform der Gesellschaft oder andere Merkmale taugen hier kaum.

Wenn wir einen Hedge Fund als private, meist in Steueroasen und Offshorezentren domizilierte Investmentgesellschaft, die größtenteils fremdfinanziert, unter Anwendung von Leverageeffekten, Kapital für vermögende private oder institutionelle Investoren mit dem Ziel anlegt, eine absolute, d.h. gesamtmarktunabhängige und der Wertsteigerung verpflichtete Performance zu erzielen und deren verantwortliche Manager renditeorientiert entlohnt werden, dann kommen wir der Sache schon näher. Außerdem sind bezeichnend spekulative Leerverkäufe und der exzessive Einsatz von Derivaten, also genügend Risikopotential, um Anlegern mehr Transparenz zu verschaffen.

Typischerweise werden drei Arten von Hedge Funds entsprechend ihrer Strategie unterschieden. Die Strategien nennt man „Relative Value“, „Event Driven“ und „Opportunistic“. Beispielsweise investiert ein Fonds der Gattung Relative Value oftmals fremdfinanziert in liquide Märkte und Derivate, wohingegen ein Fonds des Strategieansatzes Opportunistic, der auf Emerging Markets spezialisiert ist, in illiquide Finanzmärkte von Schwellenländern investiert, in denen teilweise überhaupt keine Derivate gehandelt werden. Event Driven kann z.B. die Ausnutzung von Sonderentwicklungen wie z.B. die mögliche Trennung von Daimler und Chrysler sein.

Wie muss also ein Transparenz schaffendes Ratingsystem aussehen, um diese speziellen Funds zu bewerten?

Unter Rating-Aspekten gilt es insbesondere die Integrität und Seriosität des Managements sicherzustellen, die Funktionsfähigkeit der internen Revision zu überprüfen, die Nachvollziehbarkeit der Dokumentation des Investmentprozesses zu beurteilen, die Unabhängigkeit der Portfoliobewertung zu kontrollieren, die Qualität externer Dienstleister festzustellen sowie eine Aussage zur Geschäftsinfrastruktur und Notfallplanung zu treffen. Darberhinaus fällt insbesondere der ordnungsgemäßen Dokumentation des Investmentprozesses sowie der Unabhängigkeit der Portfoliobewertung eine Schlüsselrolle zu.

Ein präzise definierter und stringenter Investmentprozess garantiert ein Maximum an Transparenz. Durch die Dokumentation des Investmentprozesses sollte insbesondere der „black–box“ – Charakter eines Hedge Fund Investments vermieden werden, so dass sichergestellt wird, dass die Anlagegelder mit einem Höchstmaß an Transparenz verwaltet werden, ohne jedoch das spezifische Know–How (den so genannten „edge“) des Fondsmanagers öffentlich zu machen.

Bei der Bewertung der Portfoliopositionen muss sichergestellt werden, dass diese unabhängig, fair, korrekt und nachvollziehbar vorgenommen wird. Der Nettowert der Portfoliopositionen nach Gebühren wird als Nettoinventarwert (NAV) des Fonds bezeichnet. Dieser NAV dient als Basis für alle Käufe und Verkäufe von Fondsanteilen sowie der Performance Kalkulation.

Auch der verwendete Leveragefaktor eines Hedge Funds ist im Kontext des für die jeweilige Strategie als angemessen zu betrachtenden Einsatzes von Leverage zu analysieren. Grundsätzlich sollte sich das Risikomanagement nicht nur auf die Berechnung eines Value at Risk beschränken, sondern weitere Risikomanagement – Instrumente wie Stress – Tests umfassen, um insbesondere die Entwicklung des Portfolios während Finanzmarktkrisen realistisch einschätzen zu können.

Generell gilt außerdem, dass je geringer der Beobachtungszeitraum beziehungsweise track – record des Fonds ist, desto weniger sollte das Rating der Performance für das endgültige Rating eine Rolle spielen respektive erst gar nicht erfolgen, sondern lediglich auf das o.g. Rating der Managementqualität abgehoben werden.

Nun existieren bereits Verfahren von Moodys und Standard & Poors sowie anderer auf Funds spezialisierter Agenturen. Standard & Poors hat bereits im September 2006 ein Grundlagenpapier zur Methodik eines Ratingprozesses für Hedge Funds vorgelegt. Leider greifen all diese Systeme zu kurz, die sie scih klassischerweise liquiditätsorientiert an der Ausfallwahrscheinlichkeit analog einem normalen Ratintgsystem orientieren. Qualitative Kriterien kommen schlicht zu kurz. Wir brauchen aber mehr Transparenz gerade bezüglich der lichtscheuen Funds, die auf Cayman Inseln so wenig wie mögliche Informationen über ihre Strategien und Managementqualitäten publizieren wollen.

Da es hier aber genügend verborgene Informationen von Betroffenen geben dürfte, wäre analog der Hotelbewertungen oder Buchbewertungen im Internet auch eine das klassische Rating ergänzende Rankingliste mit Kommentaren zu Strategie, Managementqualifikation u.v.a. denkbar. icht im Dunkeln der Black (offshoer-)Box bringt sicher Beruhigung auf Märkten und reduziert so Volatilitäten.

Natürlich ist der Erfolg eines solchen Ranking- oder Ratingsystems für Hedge Funds letzten Endes maßgeblich durch dessen Akzeptanz bestimmt. Nur wenn es gelingt, institutionelle Investoren, Vermögensberater, Regulierungsbehörden, Banken und vor allem die Hedge Funds selbst von den Vorteilen eines solchen Ratings zu überzeugen besteht die Chance, dass ein Rating für Hedge Funds bald ebenso selbstverständlich werden wird wie ein Rating für Unternehmen oder traditionelle Investmentfonds.

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