Diverses Mehr Spielraum für Mittelstandskredite

Die deutschen Privatbanken wollen den brachliegenden Verbriefungsmarkt ankurbeln und mit einem Gütesiegel verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Neue Standards sollen zudem den Banken einen größeren Freiraum bei der Kreditvergabe verschaffen.

Am Montag legte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) neue Richtlinien für die deutsche Mittelstandsverbriefungen vor. Damit sollen die Banken beim Eigenkapital entlastet werden und Spielraum gewinnen, mehr Kredite an Mittelständler zu vergeben, sagte BdB-Geschäftsführer Markus Becker-Melching. Die meisten Vorschläge seien bereits Realität, betonte der Geschäftsführer der Verbriefungsplattform TSI, Hartmut Bechthold. Weiterführende Standards könnten binnen eines halben Jahres umgesetzt werden.

Bei Verbriefungen bündeln Banken Kredite aus ihren Büchern in Wertpapiere und verkaufen sie dann an Anleger weiter. Vor allem in den USA haben solche Transaktionen dazu geführt, dass viele Institute immer mehr Milliardenkredite vergaben, um sie direkt mit Gewinn weltweit weiterzuplatzieren. Als diese dann vermehrt ausfielen, platzte die Blase. BdB-Experte Becker-Melching sagte, es gehe nun darum, Verbriefungen vom Brandgeruch der Finanzkrise zu befreien. Deshalb seien sogenannte Wiederverbriefungen künftig verboten. In der Vergangenheit waren diese Papiere immer wieder gebündelt und neu strukturiert worden, so dass die Risiken letztendlich unüberschaubar wurden und Banken weltweit zu hohen Abschreibungen zwangen.

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Die BdB-Vorschläge soll nun die Plattform TSI am Markt etablieren. Bereits 2004 hatten mehrere deutsche Banken die Plattform True Sale International (TSI) gegründet, um die Kreditverbriefungen abzuwickeln. Die Institute gehören allen drei Lagern an – den Geschäftsbanken, Sparkassen und dem Genossenschaftssektor. TSI-Geschäftsführer Bechthold äußerte sich positiv zu den Vorschlägen. Ziel sei es, die Qualität deutscher Mittelstandsverbriefungen mit einem Gütesiegel herauszustellen. Es gehe nicht um ein Strohfeuer, sondern um einen nachhaltigen Beitrag zur Finanzierung kleinerer und mittlerer Firmen.

Über die TSI-Plattform wurden bisher etwa 60 Transaktionen mit einem Volumen von über 120 Milliarden Euro abgewickelt. Dabei verwaltet TSI rund die Hälfte des deutschen Verbriefungsmarktes. Dieser war nach einem Volumen von 75 Milliarden Euro 2008 im vorigen Jahr auf rund 30 Milliarden Euro eingebrochen. Union und FDP wollen laut Koalitionsvertrag prüfen, durch ein Verbriefungsgesetz einheitliche und transparente Standards zu setzen.

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