Diverses Meine ersten Tage mit dem iPad

Unmöglich war es in den letzten Monaten, dem neusten Gadget aus dem Hause Apple zu entgehen. Der Hype ist überdimensional. Jetzt habe ich das iPad seit einer Woche und muss feststellen, dass ich es eigentlich gar nicht brauche – eigentlich.

Man muss schon ein kompletter Apple-Gegner sein oder resistent gegen Ästhetik und Sinnlichkeit elektronischer Geräte, um das iPad nicht zumindest optisch zu bewundern. Klar, wir kennen das Grunddesign schon länger von iPhone und iPod Touch, aber in dieser Größe kommt das Zusammenspiel von Hochglanz und schlichter, minimalistischer Form noch einmal mehr zum Tragen.

Der silberne Rücken und die dunkel glänzende Vorderseite zeugen von der Begabung, die das Unternehmen mit dem Apfel seit mittlerweile Jahrzehnten nahezu monopolartig sein Eigen nennt: das Gespür für zeitlos modernes Design.

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Soviel zum Äußeren. Na ja, fast zumindest, Schließlich ist das Design auch ein maßgeblicher Faktor dafür, wie das Gerät in der Hand liegt. Und hier zeigt sich das iPad gewöhnungsbedürftig. Mit rund 700 Gramm ist das Gerät zwar alles andere als ein Schwergewicht. Durch die Bau- und Bedienungsweise legt man das Gerät jedoch meist eher locker in eine Hand, wobei es nach einer Weile doch arg spürbar wird. Vor allem im Hochkantmodus, wenn das Gerät stärker „kopflastig“ ist. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich das Pad die meiste Zeit ohnehin auf dem Schoß oder auf einem Tisch liegend nutze.

Bedienung einfältig? Nein, eingängig!

Zur Bedienung muss ich eigentlich nicht viele Worte verlieren. Wer das iPhone oder den iPod Touch kennt findet sich sofort zurecht. Interessanter Weise habe ich zuerst die Kritik geteilt, das iPad sei doch nur ein aufgeblasenes iPhone und bringe wenig Innovationen mit. Doch als ein Mensch, der viel Wert auf anwenderfreundliche Bedienkonzepte legt, muss ich dies nach einem Testlauf zurücknehmen. Nicht die Tatsache, dass hier auch das iPhone OS 3.0 zum Einsatz kommt, sondern, dass dies etwas Schlechtes ist.

Warum sollte Apple auch von einem so erfolgreichen und intuitiven Bedienkonzept abweichen? Ein Beispiel: Mein Sohn ist zweieinhalb Jahre alt und sein technikbegeisterter Papa hat ihn bereits mal mit dem iPod Touch „spielen“ lassen. Natürlich konnte er wenig damit anfangen, doch nach nur einmaligem Zuschauen entriegelte er selbstständig das Gerät und startete das ihm zuvor gezeigte Programm. Aus reiner Neugierde durfte er dann auch mal beim iPad sein Glück versuchen. Auch hier wusste er sofort was er tun musste um das Gerät anzuschalten. Im Nachhinein eher Fluch als Segen…

Nicht ohne mein iTunes

Zurück zum iPad. Natürlich wäre Apple nicht Apple, wenn nicht auch das iPad die Mediensoftware iTunes als unvermeidliche Schnittstelle nutzen müsste. Ohne eine über die (ausschließlich) aktuellste Version der Software getätigte Registrierung, kann man das Gerät lediglich als Servier-Tablett für Getränke nutzen. Schon oft habe ich es geschrieben, aber gerne noch einmal: Hier wünschte ich mir mehr Offenheit und Kompatibilität mit anderen Systemen.

Hat man diesen zugegebener Maßen kurzen Prozess hinter sich, kann es losgehen. Auffällig ist sofort der Bildschirm, der zwar ein wenig spiegelt, jedoch sehr knackig und fast plastisch die Bedienoberfläche darstellt. Probleme mit dem Betrachtungswinkel gibt es nicht. Auf Berührungen reagiert das iPad unmittelbar und ohne jegliche Verzögerung.

Und das ist immens wichtig. Nicht nur weil dieser Tablet-PC nun mal ohne Tasten auskommen muss, sondern weil ja eine der Stützen des gesamten Konzeptes die Vielfältigkeit der Anwendungsmöglichkeiten ist. Beim Surfen, E-Mails-Schreiben oder Fotos betrachten können Anwender in der Regel kleine Haker in der Bedienung verzeihen. Anwendungen wie ein elektronisches Piano oder auch die meisten Spiele erfordern eine ungleich größere Genauigkeit des Touch-Displays, wenn sie keinen Frust erzeugen sollen.

Wunderwelt der Apps

Womit ich auch schon beim Herz der neuen Apple-Welt bin: den Apps. Wie auch schon bei iPhone und iPod Touch, sind die gezielt auf das Gerät zugeschnittenen Programme eine der Säulen des iPad-Konzeptes. Aufgrund der Größe und der damit einhergehenden neuen Anwendungsmöglichkeiten hat das iPad jedoch einen neuen, beziehungsweise stärkeren Fokus bekommen: Medienkonsum.

Neben Bildern und Videos kommen hier die Buch- und Zeitungsverlage ins Spiel, die aus dem vielseitigen Tablet in erster Linie ein Lesegerät machen wollen. Ganz im Sinne von Apple. Aus diesem Grunde waren es auch die Apps von „Brandeins“, „Spiegel“, „Fokus“, „Time Magazine“, „Financial Times“ oder „Wired“, die als erstes von mir installiert wurden. Auf die jeweiligen Angebote möchte ich an dieser Stelle nicht detailliert eingehen. Zum einen stehen hier alle Anbieter noch am Anfang und werden mit Sicherheit in den nächsten Monaten immer wieder Nachbessern, zum anderen schien es bei den meisten generell erst einmal darum zu gehen zum Start „drauf“ zu sein.

Magazin 2.0 und E-Buch

Dennoch – und das ist ein weitere Punkt, warum das iPad oder ähnliche Geräte in Zukunft in diesem Markt eine Rolle spielen werden – bin ich natürlich auf der Suche gewesen, nach den großen Featureshows, den multimedialen Feuerwerken. So richtig fündig bin ich noch nicht geworden. Doch bei der App des US-Technikmagazins „Wired“ gibt es zumindest schon einmal einen kleinen Einblick, was das Gegenkonzept zu einer reinen Präsentation der Printausgabe sein kann. Neben einigen wenigen integrierten Videos und interaktiv gestalteten Werbeseiten, überraschen die Macher den Leser mit einem interaktiven 3D-Grafik zum Thema Marsmissionen. Mehr davon!

Wenn es nach Steve Jobs geht, dann werden auch Bücher zukünftig primär über die Tafel aus seinem Hause gelesen. Und ich konnte mir ehrlich gesagt auch ein Kleinkindgrinsen nicht verkneifen, als ich in dem Programm iBooks erstmals ein Buch öffnete und ein wenig blätterte. Denn hier bedeutet Blättern wirklich Blättern. Wie in einem echten Buch „fasst“ man das jeweilige „Blatt“ an und blättert. Das muss man einfach mal ausprobieren.

Dennoch halte ich das iPad für Bücherwürmer nur bedingt geeignet. Wenn schon elektronisch, dann würde ich hier lieber zu einem eBook-Reader greifen, der deutlich handlicher und leichter ist. Bildbände wiederum würde ich lieber auf dem iPad anschauen. Hmmmm…

Abschließend noch ein Wort zum Thema Bilder und Videos. Ich denke es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass beide Medienformate auf dem iPad wie aus einem Guss rüber kommen. Das habe ich aber auch nicht anders erwartet. Dennoch war erstaunlicher Weise gerade für meine Frau die Tatsache, Fotos vom letzten Urlaub bequem auf dem Sofa sitzend anschauen zu können, ein Argument für das Gerät.

Fazit

Im Grunde lässt mich das iPad ein wenig verunsichert zurück. Auf der einen Seite sage ich mir, dass ich viele der Funktionen und Angebote doch eigentlich gar nicht brauche. Und ich habe doch auch ein Notebook, ja sogar ein Netbook im Hause, falls ich mal schnell was im Netz nachsehen oder E-Mail-Checken möchte.

Auf der anderen Seite macht das Internet-Surfen mit dem iPad richtig Spaß – mehr als mit einem Notebook. Von Bildern und Videos will ich gar nicht sprechen. Auch E-Mails lesen und beantworten gehen mit ein wenig Übung eigentlich ganz gut von der Hand. Aber vor allem: ich schalte es an und es ist da. Wer schon mal einen Windows-PC auch nur aus dem Standby geholt hat, weiß warum das ein Argument sein kann.

Am Ende ist das iPad natürlich ein Luxus. Ein Luxus, der Spaß macht.

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