Diverses Mit dem E-Auto in die Zukunft

Seit sechs Jahren hat Unternehmer Matthias Bähr Elektroautos in seinem Fuhrpark und ist vollauf zufrieden mit den summenden Gefährten. Damit fährt er zu seinen Kunden, um Hauswirtschaft, Gebäudemanagement sowie –reinigung zu übernehmen. Besonders der knallrote "Hotzenblitz" hat es ihm angetan. impulse verbrachte einen Tag mit Bähr und seinem Elektroflitzer.

Acht Uhr: Im Norden von Dresden macht sich Matthias Bähr von seinem Wohnsitz aus auf den Weg zu Unternehmen. Zum Glück ist es ein sonniger Tag, denn sonst würde er sein Elektroauto „Hotzenblitz“ nicht aus der Garage holen. „So ein Sammlerstück lasse ich doch nicht im Regen stehen“, sagt Matthias Bähr. Schließlich ist der knallrote Flitzer mit den glubschigen Scheinwerfern ein Youngtimer aus dem Jahr 1996 und der Name Hotzenblitz keineswegs ein Kosename, sondern offizielle Serienbezeichnung.
Elektroauto haben Tüftler in Ibach nahe des schwäbischen Hotzenwalds entwickelt und von 1993 bis 1996 120 Stück zum Preis von 39 000 DM verkauft. Dann ging die Firma Hotzenblitz Mobile pleite.
Wenn Matthias Bär den Zündschlüssel umdreht, fängt sein knallrotes Elektroauto sofort an in hohen Tönen zu Surren, denn der Motor wandelt den Gleichstrom der 14 Batterien, die unter den beiden Sitzen liegen, in Wechselstrom um. Das Display neben dem Lenkrad zeigt Ampere- und Voltzahl an. Und dann gibt es da noch die „Frauenanzeige“, wie Bähr sie nennt. Damit meint er die eingängige Prozentzahl, die anzeigt, wie viel Energie das Auto noch hat.

8.05 Uhr: Nach leiser Fahrt und ruhigem Fahrgefühl mit Automatikschaltung kommt der Unternehmer in seinem Betrieb an und der Hotzenblitz hat erst einmal Pause. Matthias Bähr muss Büroarbeit erledigen und sich auf ein Kundengespräch vorbereiten. Deshalb stöpselt er sein Auto an die Steckdose, die er extra an der Außenwand hat anbringen lassen. Und der stromlinienförmige Hotzenblitz brummt, als sei er zufrieden.

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9:30 Uhr: Rund sechs Stunden dauert das Laden der Blei-Gel-Batterien, die so groß sind wie Autobatterien – gut, dass der Unternehmer den Hotzenblitz gestern Abend noch an die Steckdose zu Hause angeschlossen hat. Rund zwei Euro kosten 100 Kilometer Fahrt, und bei voller Ladung kommt das Gefährt rund 60 Kilometer weit. „Da muss ich schon planen, wo ich hinfahren möchte, aber zur Not tut es auch die Steckdose beim Kunden“, sagt der Unternehmer. Und wenn Matthias Bähr nett fragt, darf er mit dem Hotzenblitz auch mal einen Stromkreis unterwegs anzapfen. Dabei schadet es den Batterien nicht, wenn sie nur für kurze Zeit angeschlossen werden. „Im Gegenteil, die Batterie sollte nie leer gehen, weil sie dadurch an Leistungsfähigkeit verliert“, sagt Bähr.

Während der das knallrote Gefährt Energie auf dem Betriebshof saugt, kommt Silvia Bähr mit ihrem Citroen Saxo von einem Kunden zurück. Das blaue Auto gehört ebenso zum Elektro-Fuhrpark wie zwei Citroen Berlingo. „Heutzutage bekommt man Elektroautos nur noch gebraucht“, sagt Bähr wehmütig. Ein Hotzenblitz koste zur Zeit etwa 20 000 Euro. Ein stolzer Preis, aber dafür falle die Wartung für das Auto aus. Der Unternehmer muss weder Öl, Filter noch Zündkerzen wechseln, denn das alles gibt es im Elektroauto nicht. Zu Buche schlägt der Austausch der Batterien, der alle zwei bis drei Jahre ansteht und 3500 Euro kostet. „Dafür sind Elektroautos die ersten fünf Jahre steuerfrei, und die Versicherung ist elektro-freundlich. Sie kostet nur 400 Euro im Jahr“, sagt Unternehmer Bähr. Wer habe schon einmal ein Elektroauto in Unfallstatistiken gesehen?

10.15 Uhr: Matthias Bähr wartet auf dem Betriebsgelände auf Geschäftspartner. Er empfiehlt jedem Unternehmer die Fahrtenbücher durchzusehen, denn wenn Autos nur 60 Kilometer am Tag laufen, dann lohnen sich Elektrofahrzeuge. Besonders für Pflegedienste oder für Carsharing seien die summenden Gefährte eine Alternative. Inzwischen machen Bähr und seine Mitarbeiter rund 23 Prozent der Dienstfahrten mit den vier Elektroautos. 2002 hat Bähr mit seiner Frau angefangen, nach einer Alternative für Benzinautos zu suchen. Ein Freund hatte zufällig drei Elektroautos, und eins davon stand zum Verkauf. „Meine Frau hat sich sofort in den Hotzenblitz verliebt“, sagt der Unternehmer. Seither ist der rote Flitzer Bährs Firmenwagen und das Ehepaar Elektroauto-Fan.

11 Uhr: Ein Kundengespräch steht auf der Tagesordnung. Matthias Bär schnappt seine Aktentasche und packt das Stromkabel in die blecherne Schublade hinten am Hotzenblitz. Sie quietscht gewaltig beim Aufziehen. Für größere Teile hat der Hotzenblitz die Lademulde, in der bis zu 410 Kilogramm Nutzlast Platz haben.

Der Unternehmer muss auf die Tube drücken, damit er nicht zu spät kommt. Kein Problem für den Elektroflitzer. Bähr düst mit 80 Kilometer in der Stunde Richtung Innenstadt und hält beim Anfahren an der Ampel locker mit den anderen Autos mit. Und zur Not gibt es ja noch den Turbo-Knopf, den Bähr drücken kann, damit sein Gefährt bis zu 100 Stundenkilometer erreicht. Ein senfgelber Trabi taucht neben dem Hotzenblitz auf der Einfahrtsstraße in das Stadtzentrum auf. Seine Insassen staunen nicht schlecht, als sie das kugelige Auto neben sich auf der Fahrspur sehen. „Das bin ich gewohnt. Mein Dicker zieht alle Blicke auf sich“, sagt Bähr.

Inzwischen sind die Temperaturen gestiegen, und der Unternehmer hat das „Verdeck“ geöffnet. Die Plastikscheibe hinter den Sitzen lässt sich per Klettverschluss ablösen und einrollen. Ein gelbes Frotteehandtuch wickelt Bähr mit ein: „Das steht so in der Bedienungsanleitung. Dann verkratzt der Reißverschluss die Scheibe nicht.“

12 Uhr: Der Unternehmer kommt mit seinen Geschäftspartnern vom Kundengespräch. Ein Lebensmittelgroßhandel hat nach einem Angebot zur Reinigung gefragt. Kaum auf dem Parkplatz angekommen, geht die Diskussion los: „Fährt das Auto mit Automatik? Steht das ‚R‘ auf dem Knopf im Innenraum für Rückwärtsgang?“ Das Kundengespräch ist Vergangenheit, jetzt zählt nur noch das kleine Elektroauto. Es ist eine andere Art von Werbung: „Über den Hotzenblitz komme ich oft auch mit Unternehmern ins Gespräch, die dann zu Kunden werden“, sagt der Dienstleister.

12.30 Uhr: Matthias Bähr und sein etwas anderer Firmenwagen haben sich eine Kaffeepause verdient. Der Hotzenblitz wird per Reißverschluss von seinen Kunststofftüren befreit und der Unternehmer lässt das Auto über das Kopfsteinpflaster in der Dresdner Innenstadt hoppeln, während der Fahrtwind im Innern für angenehme Lüftung sorgt.

Kaum in einem Café neben der Semperoper Platz genommen, sind nicht mehr nur die Bauten beliebte Fotomotive, sondern der Hotzenblitz selbst. Ein griechischer Tourist ist besonders angetan. Nachdem er das rote Auto von vorne und hinten begutachtet hat, spricht er den Besitzer auf Englisch an: „Wo gibt es das zu kaufen?“ Nein, er kann nicht glauben, dass der Hotzenblitz schon 12 Jahre und 23 000 Kilometer auf dem Buckel hat, denn er sehe doch „so neu“ aus. Und ob er auch Benziner umrüste? Ja, das tut Matthias Bähr und gerade hat er mit zwei Freunden den Prototypen BSH City Sax zu Ende gestellt. Das Elektroauto auf Basis des Chevrolet Matiz, der mit Lithium-Batterien eine Reichweite von 120 Kilometern hat, soll – so wünscht es sich der Mit-Entwickler – schon bald in Kleinserie gehen.

Der Tourist nimmt die Visitenkarte von Matthias Bähr an sich und ist glücklich als der mit Fanfare an ihm vorbei fährt. Die ist im Straßenverkehr eigentlich nicht erlaubt, aber deshalb gab es noch nie Ärger. „Aber es kann schon mal vorkommen, dass mich die Polizei darauf aufmerksam macht, dass meine Abgasplakette fehlt“, erklärt der Unternehmer. Dann muss er den Elektromotor zeigen und vorne die Motorklappe öffnen.

13 Uhr: Die Energieanzeige zeigt 60 Prozent an: Also noch schnell getankt, bevor Matthias Bähr zur KFZ-Innung fährt, wo seine Mitarbeiter alle Teppichböden reinigen. Mitten in der Innenstadt gibt es die einzige Elektro-Tankstelle Dresdens. Bis der Unternehmer jede Straßenlaterne anzapfen kann, wie er sich wünscht, muss die Ladestation im Dresdner Energiemuseum reichen. Wie eine Filmkulisse mutet das ehemalige Kraftwerk an – mit verlassenen Backsteingebäuden zerbrochenen Fensterscheiben und laufenden Lüftungsrotoren. Mittendrin steht der rote Flitzer von Matthias Bähr. Nur er hat einen Zugang und bezahlt nach Verbrauch. „Eine halbe Stunde Laden reicht für den Weg nach Hause“, sagt der Unternehmer. Inzwischen ruft er seine Mitarbeiter an und fragt, ob mit der Reinigung alles glatt läuft.

14 Uhr: Nach Hause geht es noch lange nicht, denn Bähr bringt seinen Leuten ein Reinigungsgerät für Teppiche vorbei. Dabei nutzt er die Gelegenheit und erklärt der Innendienstleiterin der KFZ-Innung kurzum das Elektroauto – vom Radio über den Motor bis zum Dieseltank. Ganz ohne Kraftstoff kommt der Hotzenblitz dann doch nicht aus, aber den braucht das Auto nur für die Standheizung.

16 Uhr: Am Nachmittag ruft ein aufgelöster Kunde aus dem Süden Dresdens an, weil er einen Wasserrohrbruch hatte, und Matthias Bähr ist mit dem roten Flitzer sofort an Ort und Stelle, um sich von der Havarie ein Bild zu machen. Einen Techniker nimmt er gleich mit. Nur gut, dass auf dem Weg nicht viele Ampeln liegen, denn wie bei einem Kraftstoff-Auto, verbraucht der Hotzenblitz bei der Beschleunigung am meisten Energie. Aber dafür lädt sich die Batterie wieder ein wenig auf, wenn Bähr bremst.

19.30 Uhr: Endlich Feierabend für den Unternehmer und sein Elektroauto. Das kommt zu Hause bei Bährs in der Garage an die Steckdose, denn dort speist die Solaranlage auf dem Dach das Auto mit Strom für lau. Und Matthias Bähr kann nach Lust und Laune basteln: Gerade baut er einen Hotzenblitz aus Einzelteilen zusammen. Insegsamt hat der Unternehmer 14 Elektrogefährte in seinem Privatbesitz – Elektromofas und –mopeds eingeschlossen.

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