Diverses Mit Platon zum Profit

Mit Platon zum Profit

Der Unternehmer Erich Sixt mag die kritische Vernunft von Karl Popper. VW-Chef Bernd Pischetsrieder vertieft sich in die Dialoge von Sokrates. Und der Swatch- Gründer Nicolas Hayek schwört auf das Buch der Bücher, die Bibel. Es lohnt zu fragen, ob diese wirtschaftlich erfolgreichen Herren nichts anderes zu tun haben, als ihr Heil bei Philosophen oder der heiligen Schrift zu suchen – im Angesicht der lähmenden Wirtschaftsflaute, des enormen Ertrags- und Erlösdrucks, des strapaziösen Tagesgeschäfts, die Konzernbosse wie mittelständische Firmenchefs beschwert, als hätten sie Wackersteine in der Magengrube.

Die Antwort gab mir kürzlich der Chef eines großen Architekturbüros. Er klagte wie so viele Selbständige über magere Umsätze, sinkende Renditen, schlechte Zahlungsmoral und das schlafraubende Gefühl, etlichen seiner Mitarbeiter, vielen davon lange Weggefährten des Unternehmers, die Kündigung auf den Tisch legen zu müssen. Der entscheidende Satz aber kam danach: Bei all dem tagtäglich zehrenden Kampf um den Bestand der Firma und der Arbeitsplätze, bei allem trotzigen Optimismus gegen den wankelmütigen Reform-Wahnsinn in der Politik macht dem Unternehmer der Job keinen Spaß mehr. »Was macht das alles für einen Sinn?«

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Spaß und Sinnhaftigkeit sind deshalb der Schlüssel, um die Befindlichkeit von Selbständigen, Freiberuflern und Unternehmern in diesem Land wirklich zu verstehen. Wirtschaftliche Kennzahlen, Konjunkturindizes, Ertragsraten und Insolvenzziffern sind nur deren Folge.

Der Benediktiner-Pater Anselm Grün legt im Interview mit impulse den Finger in die Wunde. Das spirituelle Oberhaupt der Patres gibt den Unternehmern auf den Weg, die Ursachen für ihre Probleme nicht weiter woanders zu suchen, etwa im Markt oder bei den Mitarbeitern: »Wer den Alltag bewältigen will, muss sich mit sich selbst auseinander setzen und etwas für seine Psychohygiene tun.«

Was Pater Grün meint, geht weit über spirituelle Selbstbespiegelung hinaus. Erst wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, erst wer den Mut hat, sich seinen Vorlieben und Leidenschaften, seinen Ängsten und Sorgen zu stellen, kann andere authentisch begeistern. Die Freunde, die Mitarbeiter, die Kunden.

Womöglich legt man damit einen neuen Grundstein auch für den Erfolg des Unternehmens. Zukunft braucht Herkunft. Wirtschaftlicher Erfolg braucht das Wissen, was die Firma und ihre Mitarbeiter leisten können und was nicht, für welche Grundüberzeugungen die Unternehmung steht und für welche nicht und wohin sich die Company entwickeln will und wohin nicht.

Diese Klarheit und Wahrheit kann Berge versetzen und macht allen Beteiligten mehr Spaß. Und das Schöne: Ob Platon Sie zu mehr Profit führt oder die Bibel, ist Ihnen überlassen. Thomas Voigt, Chefredakteur chefredaktion@impulse.de

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