Diverses Mittelschicht bekommt Statuspanik

Die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland hat sich nach einer Studie spürbar vergrößert und schürt Sorgen in der schrumpfenden Mittelschicht.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Einkommensverteilung in Deutschland verschoben. Erstmals seit 2000 ist im Vorjahr die Zahl derer, die über ein sogenanntes mittleres Einkommen verfügen, wieder angestiegen – wenn auch nur um 0,6 Prozentpunkte auf 61,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum schrumpfte allerdings die Zahl der Besserverdienenden, während sich die der Niedriglöhner erhöhte.

Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt hat, verdient die Mittelschicht im langfristigen Trend zwar mehr, verliert aber Mitglieder – und das verstärkt an die Gruppe derer, die mit niedrigem Einkommen auskommen müssen. Als niedrig haben die DIW-Ökonomen dabei Einkommen definiert, die 30 Prozent und mehr unter dem Durchschnittseinkommen liegen. Für 2005 ergab sich hier ein Schwellenwert von rund 860 Euro. Wer darüber lag, aber nicht mehr als 1844 Euro monatlich zur Verfügung hatte, zählt für das DIW zur Mittelschicht. Wer mehr verdient, gehört den Besserverdienenden an.

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Angesichts der Verschiebung hin zu den Extremen der Einkommensskala fürchten die Berliner Ökonomen, dass sich in der Mittelschicht Statuspanik breitmachen könnte. Sie begründen dies damit, dass sich bei diesen Menschen der Status „auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet“.

Die Polarisierung der Einkommensverhältnisse könne sogar zu sozialen Unruhen führen. Denn die veränderte Verteilung werde als vergrößerte Ungleichheit wahrgenommen: Immer mehr Wohlhabenden stehen immer mehr Schlechtverdienende gegenüber. Die Wissenschaftler des DIW befürchten, dass bei den Benachteiligten auf der Suche nach Verantwortlichen für ihren Statusverlust Fremdenhass entstehen könnte.

Die Kritiker des Sparpakets, das die schwarz-gelbe Regierung vergangene Woche verkündet hatte, sahen sich durch die Studie bestätigt. „Wenn man den Trend sieht, den wir beobachten, dann muss man fragen: Warum sollen eigentlich die Menschen mit den hohen Einkommen keinen Sparbeitrag leisten?“, bemängelte DIW-Ökonom Jan Goebel gestern bei der Präsentation der Ergebnisse. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Maschner, nannte die Studienergebnisse „im höchsten Maße alarmierend“ und forderte, beim Sparpaket die Notbremse zu ziehen.

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