Diverses Modern finanzieren – mit und ohne Kredit

Nicht immer sind es schlechte Auftragslage und säumige Schuldner, die Unternehmen in Bedrängnis bringen. Manchmal kann auch eine Flut von Aufträgen Finanzverantwortliche in Stress versetzen, weil die Produktionskapazitäten schnell ausgeweitet werden müssen. Doch auch bei guter Auftragslage lässt sich der Kreditrahmen eines Unternehmens nicht unbegrenzt erweitern. Vorläufige Rettung kann eine Borrowing-Base-Finanzierung sein: Manche Banken akzeptieren offene Forderungen und Warenbestände als Sicherheit. So lässt sich noch etwas mehr Fremdkapital einsammeln.

Borrowing-Base-Darlehen orientieren sich am Wert des Umlaufvermögens eines Unternehmens, nicht an klassischen Sicherheiten wie zum Beispiel Immobilien. Allerdings ist dieses Finanzierungsinstrument den meisten deutschen Unternehmern noch unbekannt. Borrowing-Base ist vor allem für Unternehmen mit stark schwankendem Geschäft interessant. Denn ihr Umlaufvermögen erhöht sich mit dem Umsatz. Üblicherweise steigt parallel der Finanzbedarf an. Dann müssen Unternehmen entweder ihr Wachstum bremsen oder neue Geldquellen anstechen.

Bisher sind es in Deutschland meist Factoring-Anbieter mit Banklizenz, die Borrowing-Base-Programme anbieten. Die Lizenz brauchen sie, um Kredite vergeben zu dürfen. Zur Zeit gibt es drei Factorer, die auch eine Banklizenz haben: die Heller Bank, die IFN Finance und die Deutsche Factoring Bank.
Die Heller Bank in Mainz gehört zur Finanzsparte von General Electric. Neben Factoring hat Heller Spezialfinanzierungen im Angebot. Dazu gehört die Besicherung von Krediten mit dem Lagerbeständen und die Finanzierung von Unternehmensverkäufen.

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Die IFN Finance ist eine Tochter der niederländischen Bank ABN Amro verfügt seit Herbst 2005 über eine deutsche Banklizenz. Seitdem bietet das Kölner Factoring-Institut seinen Kunden auch Lager- und Einkaufsfinanzierungsprodukte an und gibt Kontokorrentkredite aus.

In Bremen ist die Deutsche Factoring Bank zu Hause. Das Institut gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe und ist seit seiner Gründung im Besitz einer Banklizenz. Kredite zählen allerdings nicht zu ihrem Kerngeschäft – und daran soll sich auch angeblich nichts ändern. Der Anbieter will sich weiter auf Factoring konzentrieren.

Zwei Kapitalquellen auf einmal erschließen

Kunden von lizensierten Instituten können gleich zwei Kapitalquellen erschließen: Borrowing-Base für zusätzliches Fremdkapital und Factoring, also den Verkauf von Forderungen. Factoring ist im Vergleich zu Borrowing-Base schon relativ weit verbreitet. Mittlerweile gibt es auch Anbieter, die sich auf mittelständische Unternehmen spezialisieren, zum Beispiel die Kölner ABC Factoring GmbH.

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Schon länger im Geschäft sind Bürgschaftsbanken. Sie nehmen Kreditgebern einen Teil des Ausfallrisikos ab, wenn sie beispielsweise Existenzgründern oder Unternehmen in Expansionsphasen Geld zuschießen – eine weitere Möglichkeit für Unternehmer, Wachstum zu finanzieren.
Bürgschaftsbanken gibt es in den meisten Bundesländern. Sie verstehen sich als Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft und werden oft von Kammern, Banken oder Versicherungen getragen.

Manche Bürgschaftsbanken vergeben auch Bürgschaften ohne Bank (BoB), allerdings nur für kleinere Summen. Normalerweise laufen solche Bürgschaftsanträge über die Hausbank: Zunächst prüft das Bürgschaftsinstitut das Vorhaben des jeweiligen Unternehmers. Ist das Konzept überzeugend, bekommt das Unternehmen eine Bürgschaftszusage. Mit der Bescheinigung kann es dann in die Kreditverhandlungen gehen. Drei Monate bleiben die BoB-Papiere gültig – bis dahin muss der Unternehmer eine Bank finden, die das Geschäft mit finanziert. Die Hessische Bürgschaftsbank prüft Anträge bis maximal 300.000 Euro, in anderen Ländern sind die BoB-Höchstbeträge niedriger. Hat die Bürgschaftsbank ihre Zustimmung gegeben, steigen die Chancen, einen Kreditgeber zu finden deutlich.

Wer mit einer Bürgschaftsbank Geschäfte macht, muss allerdings mit zusätzlichen Kosten rechnen. Zwischen einem und zwei Prozent Gebühren nehmen die Bürgschaftsbanken, zahlbar beim Abschluss des Bürgschaftsvertrags. Darüber gibt es meistens eine ähnlich hohe jährliche Provision.

Egal ob Borrowing-Base-Finanzierung, Factoring oder Bürgschaftskredit – alle genannten Finanzierungsinstrumente haben Vor- und Nachteile. Finanzverantwortliche, die vor ihrer Entscheidung mit spitzem Bleistift nachrechnen, sind in jedem Fall im Vorteil.

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