Diverses „Moderne Ehen bedrohen den Mittelstand“

"Wer zu uns will, findet uns auch" - mit dieser verbreiteten Haltung verkennen viele Familienunternehmer den zunehmenden Kampf um Talente. Etwa zwei Drittel von ihnen haben ihren Standort in der Provinz und schon heute Schwierigkeiten, bestimmte Absolventen oder Führungskräfte zu gewinnen. Das liegt nicht zuletzt an den Frauen, sagt Katrin Stefan.

War es in der Generation unserer
Eltern noch üblich, für die Karriere
des Familienernährers auch ins
tiefste Sauerland mitzuziehen, so
sind die gut ausgebildeten Partnerinnen
heute immer weniger bereit, ihren
Job aufzugeben. Die Lebensmodelle
ändern sich – während Berufs- und Studienwahl
weiterhin traditionellen Rollenmustern
folgen: Nach wie vor sind es
eher Männer, die Naturwissenschaften
und Technik studieren und daher besonders
bei den Familienunternehmen gebraucht
werden. Frauen wählen dagegen
zu großen Teilen geistes- und sozialwissenschaftliche
Fächer.

Was aber macht
eine Journalistin, eine Theaterpädagogin
oder Medienanwältin auf dem Lande?
Für die hoch qualifizierten Lebenspartnerinnen
sind die beruflichen Möglichkeiten
dort sehr begrenzt. Die Karrieren
vieler Paare sind kaum noch zu vereinen.
Zugegeben: Im Zeichen der Finanzkrise
haben viele Familienunternehmen erst
einmal darum zu kämpfen, ihre Arbeitsplätze
zu erhalten. Aber mittelfristig wird
die demografische Entwicklung den
Kampf um geeignete Hochqualifizierte
extrem verschärfen.

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Der Standort wird
dabei zum entscheidenden Erfolgskriterium.
Boomregionen werden nur wenige
Kreise sein: Sie liegen vor allem im Umland
von Berlin und München. Der ländliche
Standort wird zum Wachstumshemmnis.
Firmen auf dem Land müssen
darüber nachdenken, wie sie ihren Standortnachteil
wettmachen – insbesondere
für die Lebenspartnerinnen.
Warum nicht Dual-
Career-Programme auflegen,
wie sie Hochschulen
bereits bieten? Die
in aller Regel gut vernetzten Familienunternehmer
könnten in vergleichbarer
Weise wie die TU München oder die Uni
Stuttgart interessante Kontakte in der
Region vermitteln oder aber eine Perspektive
im eigenen Unternehmen
aufzeigen.

Es gibt sogar Mittelständler, die bereits
weiter gehen und zu ihren Mitarbeitern
kommen. Der Armaturenhersteller
Grohe hat die
gesamte Führungsetage
nach Düsseldorf
verlegt, um so die
Attraktivität für
internationale Managementtalente
(und deren
Partner) zu erhöhen.
Die Unternehmer aus
Hemer sind in ein
Ballungszentrum
gezogen – ohne
dabei ihre regionalen
Wurzeln
abzuschneiden.

Katrin Stefan ist Volkswirtin und lehrt an der Zeppelin University in Friedrichshafen

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