Diverses Monet und Camille in Bremen

Das großformatige Portrait einer jungen Frau steht im Mittelpunkt der nächsten Sonderausstellung der Kunsthalle Bremen: Camille - Modell, Geliebte und spätere Ehefrau Claude Monets. Um 1866 waren solche großen Frauenportraits ein bevorzugtes Thema ambitionierter junger Maler in Paris.

Warum? Das zeigt das Bremer Ausstellungshaus mit „Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus“ ab dem 15. Oktober 2005. Neben 19 Werken Monets sind 20 Frauenportraits von Künstlern wie Renoir, Manet, Corot, Whistler und Degas zu sehen.

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Niemanden hat Claude Monet (1840-1926) so oft gemalt wie Camille Doncieux, die ihm seit 1865 Modell stand und ihm zwei Söhne schenkte. Die Bremer Ausstellung zeigt Camille in blühenden Gärten, am sommerlichen Strand und auf lichtflirrenden Wiesen. Als sie 1879 im Alter von 32 Jahren starb, malte Monet sie zum letzten Mal: Ein Schleier aus Licht legt sich über das Gesicht der Frau auf dem Totenbett. Seine zweite Ehefrau, Alice Hoschedé, hat Monet nie portraitiert.

1906 kaufte der in künstlerischen Belangen weitsichtige Direktor Gustav Pauli das lebensgroße Portrait (231 x 151 cm) der 19-jährigen Camille für die Kunsthalle Bremen. Dabei war das Gemälde als Verlegenheitslösung entstanden: Eigentlich wollte Claude Monet 1866 mit einem anderen Bild im Salon, der großen Jahresschau der Pariser Künstler, überzeugen. Das „Frühstück im Grünen“ wurde jedoch nicht rechtzeitig fertig. In angeblich nur vier Tagen malte er stattdessen die „Camille“.

Monet brach mit Konventionen

Die Dame in eleganter Robe und ungewöhnlicher Pose erregte Aufsehen. Dabei wirkt das Bild der Camille auf den ersten Blick wenig modern: Monet wählte ein traditionelles Großformat, wie es von Portraits des Adelstandes bekannt war. Zugleich brach er aber mit den Konventionen: Er zeigte Camille in einer bewegten Pose, den Kopf im Halbprofil. Statt üppiger Dekorationen malte er einen dunklen Hintergrund, der die Konzentration des Betrachters auf die Frauenfigur lenkt.

Die Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zeigt, dass auch Künstler wie Pierre-Auguste Renoir, Édouard Manet, Jean-Baptiste Corot und James McNeill Whistler die Gattung Frauenportrait übernahmen. Mit ihrer unkonventionellen Sehweise stießen die Maler allerdings bei manchem Geldgeber auf Unverständnis. Dennoch: Um ihr Können zu demonstrieren, entwickelten die Impressionisten ihr Motiv auch ohne Auftrag weiter. Für professionelle Auftragsmaler wie Carolus-Duran und Henri Gervex wurde das großformatige Frauenportrait sogar zu einer lukrativen Einnahmequelle.

„Malt nicht die Antike, sondern das moderne Leben“

Der Dichter Charles Baudelaire forderte 1863: „Malt nicht die Antike, sondern das moderne Leben.“ Wie sehr Monet und seine Künstlerkollegen diesem Zeitgeist folgten, ist in der Bremer Ausstellung zu sehen. Drei Originalkleider, zahlreiche Kupferstiche aus zeitgenössischen Modezeitschriften und Fotografien belegen, dass die Impressionisten die populären Medien ihrer Zeit nutzten und Mode zum Thema in der Kunst machten.

Das Musée d’Orsay Paris unterstützt die Ausstellung „Monet und Camille“ mit einer Reihe herausragender Leihgaben. Große Museen, wie die National Gallery Washington, das Getty Museum Los Angeles und das Guggenheim Museum New York, sind mit Meisterwerken von Renoir, Monet und Manet dabei. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Renaud Donnedieu de Vabres, Minister für Kultur und Kommunikation in Frankreich.

Daten zur Ausstellung:

15. Oktober 2005 – 26. Februar 2006

„Monet und Camille – Frauenportraits im Impressionismus“

Kunsthalle Bremen

Am Wall 207

28195 Bremen

www.monet-camille.de

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