Diverses Mythos Dresden

Ist Dresden eine Stadt wie jede andere? Oder doch ein bisschen anders? Aus Anlass des 800-jährigen Stadtjubiläums zeigt das Deutsche Hygiene-Museum eine Ausstellung, die sich erstmals mit dem Mythos beschäftigt, der die sächsische Metropole seit Jahrhunderten umgibt. Kunstwerke und Alltagsobjekte, seltenes Archivmaterial, Filme und Tondokumente fügen sich zu einem faszinierenden kulturhistorischen Panorama zusammen.

Zwei Motive kehren immer wieder, wenn man über Dresden spricht: Die kunstsinnige Stadt des Barock – und ihre Zerstörung am 13. Februar 1945. Zwischen diesen Extremen entfaltet die Ausstellung die vielfältigen Aspekte des Mythos Dresden, aus dem die Stadt bis heute ihre Identität und die Kraft zur Erneuerung bezieht. Denn hier sind Beharrungsvermögen, Kreativität und Erfindergeist zu Hause – Eigenschaften, die immer wieder auch Zeitgenössisches und Experimentelles hervorbringen.

In fünf poetischen Bildern zeigt die Ausstellung eine facettenreiche und in dieser Breite noch nie dargestellte Zusammenschau dessen, was den Mythos Dresden bis heute ausmacht.

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Kunstwerke und Alltagsobjekte, seltenes Archivmaterial, Filme und Tondokumente fügen sich in Mythos Dresden zu einem faszinierenden kulturhistorischen Panorama.

Die fünf Bereiche

1. Luftschlösser

Architektonische Utopien begleiten die Geschichte Dresdens wie unsichtbare Schatten. Sie scheiterten am Geld, am Verständnis der Zeitgenossen oder an unglücklichen politischen Konstellationen – oder an allem zusammen. Diese spektakulären Ideen verhalten sich zur gebauten Architektur wie das Ideal zur Wirklichkeit. Wären sie Stein geworden, hätten sie zu markanten Veränderungen des Stadtbildes geführt. Mit einem Wort: Auch der berühmte Canaletto-Blick könnte ganz anders aussehen.

2. Dionysisches Dresden

Das Barockzeitalter produzierte viele der Bilder, ohne die der Mythos Dresden nicht denkbar ist. Erst August der Starke formte in seiner Regierungszeit (1694 – 1733) aus der noch mittelalterlich geprägten Stadt eine Metropole von europäischem Rang. Als sächsischer Kurfürst Friedrich August I. erwirbt er 1697 die polnische Königskrone und nennt sich fortan August II. Der kosmopolitische Herrscher ist ganz auf die Ausweitung und Festigung seiner Macht orientiert und setzt dabei auf Repräsentation und eine hochentwickelte Festkultur. Planmäßig fördert er die Künste, aber auch Wissenschaft und Wirtschaft. Während des augusteischen Zeitalters entstehen die Bauten, die Dresden bis heute prägen: der Zwinger, Hofkirche und Frauenkirche, die Augustusbrücke oder die Brühlsche Terrasse. Auch seine Neuorganisation der königlichen Kunstsammlungen wirkt bis heute nach.

3. Musenort

Dresden war immer wieder ein Zentrum international bedeutender Kunstströmungen. Hier erhob Caspar David Friedrich das romantische Landschaftsbild zur eigenständigen Bildform, und Carl Maria von Weber komponierte mit dem „Freischütz“ die deutsche Nationaloper des 19. Jahrhunderts. Hier formierte sich die expressionistische Künstlergruppe „Die Brücke“, und Richard Strauss ließ neun seiner Opern uraufführen. In Hellerau entstand die erste deutsche Gartenstadt mit den Deutschen Werkstätten und der „Rhythmischen Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze“.

4. Apokalypse

Die Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 markiert eine Etappe auf dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland. Der Luftangriff brachte mit rund 30.000 Toten unermessliches Leid über die Dresdner Bevölkerung. Er zerstörte weite Teile der Altstadt und der sie umgebenden Viertel. Die Barocke Kunststadt Dresden schien für immer ausgelöscht. Seit 1982 wurde aus dem stillen Gedenken vor der Ruine der Frauenkirche ein Forum der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Bis heute prägt das Datum des 13. Februar 1945 wie kein anderes die Identität und Erinnerungskultur der Stadt und ihrer Bewohner.

Metamorphosen

Aus Dresden ist heute wieder eine moderne Großstadt geworden. Die Motive, aus denen sich der Mythos Dresden speist, wurden neu geordnet und zeitgemäß interpretiert. Zuerst wird dieser Transformationsprozess in der Stadtentwicklung seit 1945 deutlich. Die friedliche Revolution 1989/90 ebnete den Weg für die Etablierung freiheitlich-demokratischer Verhältnisse im Osten Deutschlands und mündete binnen weniger Monate in einen weltpolitischen Epochenwechsel. Dresden ist heute lebendiger und vielfältiger, als es das Klischee vom ewigen Elbflorenz vermuten lässt.

Termin

8. April bis 31. Dezember 2006

Begleitbuch

Mythos Dresden. Eine kulturhistorische Revue

Böhlau Verlag

ISBN 3-412-34005-7

14,90 Euro

Museums-Website

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