Diverses Mythos Mozart

Das musiktheatralische Gesamtwerk von Wolfgang Amadeus Mozart an einem Ort und über den begrenzten Zeitraum von nur sechs Wochen aufzuführen - eine echte Herausforderung, der sich die Salzburger Festspiele im kommenden Jubiläumsjahr 2006 stellen. Zwischen dem 24. Juli und 31. August 2006 gelangen hier alle 22 Opern, Singspiele und szenischen Fragmente des Komponisten auf die Bühne.

Mit diesem besonderen Geschenk zum 250. Geburtstag Mozarts möchten die Festspiele zugleich einen Akzent gegen die modische Highlight-Kultur und die gängige „Best of“-Vermarktung setzen. „Wenn wir das Genie Mozart begreifen, es im besten Sinne entmythologisieren wollen, müssen wir den zeithistorischen und ideellen Kontext ergründen, in dem sich sein Schaffen entfaltete“, erläutert Intendant Peter Ruzicka das Konzept, das verborgene Zusammenhänge herausstellen und dabei auch manches Vorurteil entkräften will.

Interpretatorisch soll die große Spannbreite der heutigen Mozart-Rezeption präsentiert werden: Denn es gibt nicht nur die eine allgemeingültige und verbindliche Deutung, sondern viele Möglichkeiten, Mozarts Opern zu musizieren und zu inszenieren.

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Die musikästhetischen und bühnentechnischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben das Spektrum der Lesarten obendrein noch erweitert. Deshalb werden so grundverschiedene Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt und Riccardo Muti, Michael Gielen und Daniel Harding, Marc Minkowski und Marcello Viotti eingeladen, ihre Mozart-Interpretationen vorzustellen. Und bei den Regisseuren spannt sich das Spektrum von Karl-Ernst Herrmann, Jürgen Flimm und Günter Krämer über Graham Vick und Doris Dörrie bis zu Joachim Schlömer, Claus Guth und Stefan Herheim.

Neue Werke als Kontrapunkt

Als gewichtiger Kontrapunkt zum Mozartschen Œuvre werden Werke des 21. Jahrhunderts in den Spielplan genommen: zwei Opern-Uraufführungen und neun Auftragskompositionen der Salzburger Festspiele, die im Rahmen der Konzerte erstmals erklingen. Im Musiktheater handelt es sich zum einen um Chaya Czernowins „Adama“, eine neue Partitur der israelischen Komponistin, die mit Mozarts szenischem Fragment Zaide verschränkt wird: mit Überlappungen, harten Schnitten und bewusst gesetzten Brüchen.

Zum anderen wird Hans Werner Henze anlässlich seines 80. Geburtstages mit der Weltpremiere des Musiktheaters Gogo no Eiko nach dem gleichnamigen Roman von Yukio Mishima geehrt. Das Werk ist eine Erweiterung und Revision der Oper „Das verratene Meer“ aus dem Jahr 1989; Henze hat das Textbuch ins Japanische rückübertragen lassen, die vorhandene Partitur grundlegend überarbeitet und etwa vierzig Minuten Musik neu komponiert.

Das Konzertprogramm wiederum sieht Uraufführungen von Georges Aperghis, Brian Ferneyhough, Reinhard Fuchs, Adriana Hölszky, Olga Neuwirth, Wolfgang Rihm, Johannes Maria Staud, Manfred Trojahn und Herbert Willi vor.

Alle 22 Bühnenwerke Mozarts werden eigens für die Salzburger Festspiele erarbeitet; zehn Inszenierungen erfolgen in Kooperation mit anderen Theatern und Festivals – sie werden nach der Salzburger Premiere von einem Koproduzenten nachgespielt.

Bei dem Projekt „Mozart 22“ bauen die Festspiele auch auf dem Repertoire auf, das in den letzten Jahren bereits im Hinblick auf das Jubiläum entstand. Insgesamt sieht der Spielplan 87 Opernaufführungen vor, die an sieben verschiedenen Spielorten auf die Bühne gelangen. Mit besonderer Spannung wird dabei die Eröffnung des Hauses für Mozart erwartet, einer neuen Spielstätte, deren akustische Bedingungen, Dimensionen und Sichtverhältnisse speziell auf das Opernschaffen dieses Komponisten ausgerichtet sind.

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