Diverses Nachfolger gesucht

Wer einen etablierten Betrieb kauft, anstatt selbst zu gründen, geht weniger Risiko ein. Was bei der Übernahme zu beachten ist.

Rund 7.000 Seniorchefs suchen im Durchschnitt auf der Internet-Unternehmensbörse www.nexxt-change.org – einer Initiative von Industrie- und Handelskammern, Bundeswirtschaftsministerium, Zentralverband des Deutschen Handwerks und der KfW Mittelstandsbank – einen Nachfolger.

Doch warum sollten Gründer besser auf eine etablierte Firma setzen, anstatt aus eigener Kraft eine berufliche Existenz aufzubauen? „Sie überspringen die mühsame und riskante Startphase einer Neugründung“, erklärt Birgit Felden, Vorstandssprecherin der TMS AG. Der Grund: Organisation, Mitarbeiter, Standort, Produkte und – besonders wichtig – ein Kundenstamm sind bereits vorhanden. „Das Geschäftskonzept hat sich bereits seit Jahren bewährt und existiert nicht nur auf dem Papier“, so die Kölner Beraterin, die seit mehr als einem Jahrzehnt deutsche Mittelständler beim Generationswechsel unterstützt. Folglich fällt es dem Nachfolger auch leichter, die Chancen und Risiken für bestehende sowie neue Strategien abzuschätzen.

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Allerdings bringt der Kauf eines bestehenden Unternehmens auch Nachteile mit sich: „Mit dem Betrieb übernimmt der Gründer auch einzelne Geschäftspartner, Kunden und Produkte, die nicht unbedingt in sein Konzept passen“, weiß Felden. Wenn er dann auch noch auf verkrustete Strukturen und langjährige Mitarbeiter stößt, die selbst kleinste Veränderungen blockieren, kann die Übernahme schnell zu einer schweren Pionieraufgabe werden.

Um Problemen möglichst schon im Vorfeld auszuweichen, rät Felden zu einem verbindlichen Aufgaben- und Zeitplan, der für Seniorchef und Nachfolger gleichermaßen gilt. Und dieser erstreckt sich schon mal über einen langen Zeitraum. „Von der Suche einer geeigneten Firma bis zur endgültigen Übernahme vergehen in der Regel fünf Jahre“, sagt Beraterin Felden.

Was Nachfolge-Expertin Birgit Felden rät

Der Generationswechsel sollte in folgenden drei Schritten vorgenommen werden:

1. Ziele festlegen

Unternehmer und Nachfolger sollten gemeinsam überlegen, welche unternehmerischen Ziele sie sich setzen. Etwa: Welchen Namen trägt die Firma? Werden Mitarbeiter ersetzt? Sollen neue Produkte oder Märkte bedient werden? Anschließend müssen sie ihre persönlichen Ziele abstecken. Beim Vergleich stellt sich schnell heraus, welche Punkte zu klären sind und wo es zu Konflikten kommen kann.

2. Verantwortung übergeben

Die Übergabe der Geschäftsführung – die insgesamt etwa ein Jahr dauern sollte – findet in drei Phasen statt: In einer Testphase arbeiten der bisherige und der künftige Chef eng zusammen, damit der Jüngere die Firma kennen lernt und Wissenslücken schließen kann. In der Orientierungsphase übernimmt der Nachfolger Teilbereiche des Betriebs eigenverantwortlich, kann sich aber immer Rat einholen. Erst in der Übergabephase wird die Führung endgültig übertragen. Für alle Abschnitte gilt: Im Vorfeld die konkreten Aufgaben und einen verbindlichen Zeitplan festlegen. Die Betriebsgröße, der Wissensstand des Nachfolgers, aber auch die „Chemie“ zwischen den Generationen bestimmen die Dauer der Phasen.

3. Eigentum übertragen

Unternehmer und Nachfolger halten zunächst ihren finanziellen Status und ihre Erwartungen für die Zukunft fest. Folgende Fragen sind unter anderem zu klären: Wie viel Geld benötigen sie im Monat? Ist der Senior auf einen bestimmten Verkaufspreis angewiesen? Muss der Nachfolger zusätzliche Ausgaben für das Unternehmen berücksichtigen, zum Beispiel Pacht an den Alteigentümer oder Modernisierungsinvestitionen? Erst wenn feststeht, wie viel Geld die Beteiligten künftig benötigen, sollten sie entscheiden, welche Übertragungsform für das Firmeneigentum in Frage kommt: Schenkung oder Erbschaft, der Verkauf oder die Trennung von Eigentum und Management per Pacht- oder Mietvertrag.

Was wissen Sie über das Thema Unternehmensnachfolge? Das interaktive Quiz des BMWI gibt Aufschluss.

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