Diverses „Nachhaltiger und umfassender Vertrauensverlust“

Im impulse-Gespräch erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende des Haniel-Konzerns, Franz M. Haniel, warum der Ruf deutscher Unternehmer in Gefahr ist - und welche Konsequenzen die Liechtensteiner Steueraffäre für den Standort Deutschland hat.

impulse: Herr Haniel, vor allem Spitzenmanager und Unternehmer sollen in den Steuerskandal verstrickt sein. Haben die Eliten tatsächlich die Bodenhaftung verloren?

Haniel: Ich mache mir große Sorgen darüber, dass es in Deutschland eine wachsende Kluft zwischen Führungsspitzen und Gesellschaft gibt. Dies ist für alle Beteiligten und damit für den Standort Deutschland nachteilig und daher gilt es dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Dies kann allerdings nur durch entsprechendes Verhalten beider Seiten geschehen: die Führungsspitzen müssen sich ausnahmslos vorbildlich verhalten und die Gesellschaft muss Leistungseliten wieder wertschätzen. Entrüstungsrethorik ist ebenso wenig hilfreich wie Verharmlosung von Fehlverhalten.

Anzeige

Sehen Sie das Unternehmerbild in Deutschland durch den Steuerskandal erneut in Gefahr?

Fehlverhalten von Prominenten ist nicht deshalb so problematisch, weil es ein „Unternehmerbild“ beschädigt, sondern weil es in der Gesellschaft zu einem nachhaltigen und umfassenden Vertrauensverlust führt. Manager und Unternehmer müssen sich ihrer großen Verantwortung bewusst sein, die sie an exponierter Stelle tragen – auch über den Firmenhorizont hinaus – und müssen dieser ausnahmslos gerecht werden. Allerdings darf man eines auch nicht vergessen: Ein großer Teil der deutschen Unternehmer trägt zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Landes Beachtliches bei. Und die Leistungselite finanziert über ihre Steuerabgaben einen wichtigen Teil der Einrichtungen, die richtigerweise der gesamten Gesellschaft zu Gute kommen.

Sollten prominente Steuersünder öffentlich ausgegrenzt werden, wie es etwa BDI-Präsident Thumann gefordert hat?

Aufgabe des Unternehmers ist es, Werte zu schaffen, sowohl in materieller als auch in ethischer Hinsicht. Tut er dies nicht, steht er zu Recht in der Kritik und muss an die Werteordnung erinnert werden, die für alle gleichermaßen gilt. Konsequentes Handeln – bis hin zum Entzug von Verantwortung – bei Nichteinhaltung von Regeln und Gesetzen ist erforderlich. Die Lösung ist aber sicher nicht ein öffentlicher Pranger. Darüberhinaus nähern wir uns der Lösung eines Problems am ehesten über dessen Versachlichung.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...