Diverses Nadja Tiller trifft die Goldenen Zitronen auf einem Albtraumschiff

Am Samstagabend sollten Sie sich in der Hamburger Hafencity einfinden. Dort kapern zur Eröffnung der neuen Spielzeit des Thalia-Theaters skrupellose Asylbewerber einen weißen Luxusliner. An Bord sind auch die Filmdiva Nadja Tiller und die Ex-Punkband "Die Goldenen Zitronen".

Die Goldenen Zitronen! Sagt Ihnen das noch etwas? Genau das sind diese Steinzeitpunks – die dann zur Fun-Kapelle wurden („Am Tag als Thomas Anders starb“) und sich heute sogar an Electro-Avantgarde-Stücken versuchen! Die haben auch einen Sänger. Und der heißt Schorsch Kamerun. Der ist nicht nur Mitbesitzer des legendären Hamburger Golden Pudel Clubs (die Elbphilharmonie der Herzen!), sondern auch sonst ein ziemlich heller Kopf. Er schreibt Hörspiele und arbeitet nebenher als Theaterregisseur. Bei seiner Inszenierung von Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“ im letzten Jahr an der Bayerischen Staatsoper arbeitete er sogar mit Dirigentenstar Kent Nagano zusammen.

Und genau dieser Schorsch Kamerun eröffnet am Samstag am renommierten Hamburger Thalia-Theater die neue Spielzeit. Uraufführung hat sein eigenes Stück „Vor uns die Sintflut“. Worum es dabei genau geht, weiß außer den Mitwirkenden, bislang noch niemand genau. Da der multitalentierte Herr Kamerun – wie oben schon erwähnt – kein Dummer ist, hat er natürlich jede Menge gesellschaftsrelevanter Themen in sein Stück gepackt: vom Flüchtlingsansturm auf Europa bis hin zur globalisierten Krise.

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Auf dem Pressefoto sehen wir ganz viele Menschen in einem Schlauchboot. Aber das – soviel konnte ich dem Dramaturgen des Thalia-Theaters abpressen – ist nur der Anfang. Die garstigen Okkupanten entern einen weißen Luxusliner, besetzten den Maschinenraum des Traumschiffs und machen der Wohlstandsgesellschaft an Bord die Lustreise zum Albtraum.

Zur Krönung dieses ambitionierten Theaterprojekts darf dann die Film- und Theaterdiva Nadja Tiller ein Lied trällern. Zufälligerweise sind auch die Goldenen Zitronen an Bord und geben dem Publikum musikalisch den Rest. Textperlen wie „Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer, da geb’ ich meine letzten Mittel her“, sind garantiert.

Natürlich eröffnet der umtriebige Regie-Punk die neue Spielzeit des Thalia Theaters nicht im Thalia Theater – das wäre nun wirklich zu einfallslos! Der Ex-Hafenstraße-Bewohner zieht einen Steinwurf weiter in die schicke, immer noch baustellendurchflutete, Hafencity. Dort wurde direkt neben der Elbphilharmonie ein Theaterzelt aufgebaut. Wahrscheinlich will Kamerun dem Schnecken- Konsortium aus Hochtief, Kultur- und Baubehörde mal zeigen wie fertig Kunst sein kann – oder ist das jetzt zuviel Trapattoni? Also: rechtzeitig zur Premiere fertig geworden ist der gute Schorsch. Jetzt sind wir natürlich auf das Ergebnis gespannt. Deshalb: hingehen!

Aufführungen
Samstagabend um 19.30 Uhr ist Premiere
weitere Aufführungen finden am 5., 8., 9., 10., 16., 17., 18.,19., 23., 24., 25., 26., 29. und 30.9. statt.

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