Diverses Neue deutsche Wirtschaft: Türken ins Team

© TruePixel / Achim Meissner

Was haben die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und die deutsche Wirtschaft sowie ihre Verbände gemeinsam? Ihnen fehlen Mitglieder mit türkischen Wurzeln, sagt impulse-Redakteur Dirk Horstkötter. Sein Kommentar zeigt, warum Deutschland ausländische Sportler und Unternehmer im Team braucht.

Der Fußball hilft, mal über die Rasenkante zu blicken. Vor dem morgigen EM-Halbfinale Deutschland gegen Türkei wundern sich die ersten Politiker, warum Kicker wie Hamit Altintop (geboren in Gelsenkirchen) und Hakan Balta (geboren in Berlin) mit rotem Halbmond-Leibchen kicken. Läuft was schief bei unseren Integrationsbemühungen? Ja, kann man so sagen. Und dabei stehen nicht nur Balltreter aus Wattenscheid oder Wedding im Abseits. In Deutschland leben und wirken über 580.000 Selbständige mit Migrationshintergrund, Unternehmer der ersten, zweiten und dritten Einwandergeneration. Die meisten kommen aus der Türkei. Nur im Team der Wirtschaft will sie keiner so recht.

Die Missachtung zieht sich durch alle Bereiche. In den Wirtschaftsverbänden muss man ausländische Firmenchefs in Funktion mit der Lupe suchen. Die Bundesregierung rühmt sich, noch nie so viel Unterstützung und Fördergeld in kleine und mittlere Unternehmen gesteckt zu haben. Aber man denkt und lenkt deutsch: Über die besonderen Herausforderungen von Migrantenbetrieben macht sich keiner einen Kopf. Es spricht Bände: Das Bundeswirtschaftsministerium – quasi die DFB-Zentrale für Förderpolitik – wirft auf seiner Homepage unter dem Stichwort „Türken“ nur einen Treffer aus: eine wissenschaftliche Studie über „Die Bedeutung der ethnischen Ökonomie für Deutschland“.

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Die Politik hofft, in Bälde einen formidablen Deutsch-Türken im Fußballteam zu haben. Wegen der Signalwirkung und weil es sich gut macht. Noch wichtiger wäre, die Ghettoisierung ausländischer Unternehmer zu überwinden. Mit 1,4 Millionen beschäftigter Arbeitnehmer sind sie Wirtschaftsfaktor und Antreiber zugleich. Sie sind unser „Man of the match“.

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