Diverses Neue Produkte – weniger Kapazitäten

© dpa

Die Automobilbranche braucht weder Hilfe noch Mitleid, sagt impulse-Redakteur Wilfried Katterbach. Denn: Ihre Probleme sind hausgemacht. Nicht nur die weltweiten Überkapazitäten sind seit Jahren bekannt. Auch auf die neuen Anforderungen des Marktes hätten die Unternehmen schon längst reagieren müssen - und können. Staatliche Hilfen bringen jetzt nur wenig - das zeigen auch auch Beispiele in anderen Branchen.

Die Krise in der Automobilbranche kam nicht unerwartet. Schon vor drei Jahren warnten Branchenexperten vor zu hohen Produktionszahlen: So gab es nach Analysen der Unternehmensberatung KPMG damals weltweite Überkapazitäten von 25 Prozent. Und keiner hat darauf reagiert. Selbst in aufstrebenden Ländern wie China gab es nach Meinung von KPMG in der jüngsten Vergangenheit zu viele Produktionsstätten. Jetzt kommt alles zusammen: Finanzkrise, Absatzkrise und zu viele Hersteller mit viel zu vielen und nicht mehr zeitgemäßen Produkten.

Betroffen sind nicht nur die Hersteller. Auch die von ihnen abhängigen Automobilzulieferer und Händler stecken tief in der Bredouille. Das ist erst der Anfang: Ganze Regionen wie Rhein-Main mit Opel, Schwaben mit Porsche und Mercedes, das Rheinland mit Ford oder Bayern mit BMW und den – noch prosperierenden – Audi-Werken werden demnächst darunter zu leiden haben. Darunter auch die jammernden Stadtväter, denen Gewerbesteuereinnahmen fehlen werden und der Einzelhandel, dem noch mehr kaufkräftige Kunden wegbrechen.

Anzeige

Die ganze Situation erinnert fatal an den Strukturwandel in der Bergbaubranche. Auch der war abzusehen, aber keiner steuerte gegen. Ähnliches geschieht jetzt in der Automobilbranche. Sie muss sich schleunigst neu aufstellen. Wie Daimler-Chef Dieter Zetsche erkannte, dass das Automobil neu erfunden werden muss. Umweltfreundliche, sparsame und bezahlbare Pkws müssen her. Das ist die eine Seite und Dank deutscher Ingenieurkunst auch mit Hilfe der Zulieferer leicht zu bewerkstelligen.

Die andere: Überkapazitäten müssen abgebaut werden. Das ist viel schwieriger. Wenn die Hersteller sich nicht dazu durchringen können, wird der Markt das selber regeln. Das wird nur unter großen Schmerzen geschehen, aber es ist unvermeidbar. Daran werden auch staatliche Subventionen an die Hersteller nichts ändern. Auch die gab es zuhauf an die Bergbaubranche. Geholfen hat es ihr letztendlich doch nichts.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...