Diverses Neue Strategien statt bewährte Rezepte

"Mittelständler machen oft zu wenig aus ihren Talenten und Fähigkeiten. Sie sollten Märkte aufmerksamer beobachten und ihre Chancen suchen", so Eduard Haider - und er weiß, wovon er spricht. Neben einer Metallbaufirma gehört Haider dank innovativer Ideen inzwischen ein weiteres Unternehmen, das ein weltweit patentiertes Gesundheits- und Therapiesystem vermarktet.

Die Haiders sind in der Wirtschaft allerdings eher rar gesät, kritisiert Ernst & Young-Berater Peter Englisch. „Es mangelt an dynamischen Unternehmern, die Neues probieren.“ Sein Rat: „Mittelständler müssen sich ständig neu erfinden. Hier sind sie Konzernen gegenüber deutlich im Vorteil.“ Denn während dort neue Ideen meist langwierige Entscheidungswege gehen, können Unternehmer in kleineren Firmen viel schneller agieren.

Es gibt eine Vielzahl weiterer Gründe, weshalb sich gerade Mittelständler nicht blind auf bewährte Rezepte von gestern verlassen dürfen: Märkte verändern sich heute wesentlich schneller als früher. Das Verbraucherverhalten ist unkalkulierbarer geworden. Trends und Moden wechseln in kürzeren Zyklen. Wer sich auf solche Veränderungen nicht rechtzeitig einstellt, gefährdet die Zukunft seines Unternehmens.

Anzeige

Schon jetzt ist die Situation dramatisch: Mit fast 40.000 Insolvenzen erreichte Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Pleitenrekord – im europäischen Vergleich steht nur Frankreich noch schlechter da.

„Dabei können die meisten Mittelständler mehr, als sie sich zutrauen“, sagt Unternehmensberater Malte W. Wilkes. Konkret heißt das: Firmen schöpfen ihr Wissen häufig zu wenig aus. Dabei zählen nach einer Analyse von Ernst & Young innovative Marktstrategien und der Mut zu Neuem zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren mittelständischer Firmen.

Für Mittelständler kristallisieren sich fünf Erfolg versprechende Strategien heraus, wenn sie ihr Unternehmen neu ausrichten wollen. Erstens: Trends in Wirtschaft und Gesellschaft erkennen. Zweitens: Beim Umbau des Unternehmens sich deutlich von Wettbewerbern abheben. Drittens: Marktanteil mit einem Franchise-System ausbauen. Viertens: Krisen nutzen, um das bisherige Angebot komplett neu zu definieren. Fünftens: Benachbarte Märkte beobachten und daraus eigene Konzepte ableiten.

Ganz wichtig: Veränderungen passieren nicht zufällig, sondern lassen sich bewusst steuern. Dazu reicht es jedoch nicht, nur die Fassade mit einer anderen Farbe zu übertünchen. Es erfordert den (teilweisen) Umbau oder gar Neubau eines Unternehmens. Und: Selbst in Krisenzeiten kann die Wende gelingen – wenn sich Unternehmer den Blick für neue Märkte bewahren.

Auf Kunden hören

Interessieren Sie sich für Ihre Kunden, hören Sie zu und stellen Sie Fragen nach Verbesserungswünschen. Daraus können sich Impulse für das bestehende Geschäft ergeben – und Ideen für neue Märkte. Fragen Sie sich stets, wie Sie einen Mehrwert für Ihre Kunden schaffen können.

Märkte beobachten

Schauen Sie über den Tellerrand der eigenen Branche hinaus und analysieren Sie andere Unternehmen: Was macht diese erfolgreich? Was können Sie daraus lernen und auf Ihre Firma übertragen? Und: Verfolgen Sie aufmerksam die Trends in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in Ihrer Branche. Welche Schlüsse können Sie als Unternehmer daraus ziehen?

Innovationen prüfen

Gerade Mittelständler sind oft talentierte Tüftler mit hoher Kreativität. Innovativ sind sie aber erst dann, wenn sich das Neue auch verkaufen lässt. Prüfen Sie jede Idee daher früh auf ihre Marktchancen.

Mut zum Risiko zeigen

„Zu viel Herzblut kann hinderlich sein“, sagt Berater Malte W. Wilkes. Er meint damit: Unternehmer müssen sich von lieb gewonnenen Produkten, Märkten und Gewohnheiten trennen, wenn es die ökonomische Vernunft verlangt. Das wird belohnt: Die Besten des von der Beraterfirma Ernst & Young initiierten Wettbewerbs „Entrepreneur des Jahres“ haben fast alle durch Innovationen und Risikofreude gute Geschäftsergebnisse erzielt.

Ökonomische Ziele festlegen

Vermeiden Sie den fatalen Fehler der New Economy: Unternehmer setzten auf schieres Wachstum, ohne die Marktchancen an harten wirtschaftlichen Kriterien zu messen. Die wichtigsten Fragen für jedes Neugeschäft: Welches Umsatzvolumen ist realistisch? Wie schnell lassen sich welche Marktanteile erobern? Wie hoch ist die wahrscheinliche Rendite?

Anders sein als die Konkurrenz

Rennen Sie nicht einer Mode oder einem kurzlebigen Trend nach. Wichtig: Ihr neues Angebot muss sich vom Wettbewerb in entscheidenden Aspekten abheben, zum Beispiel durch technische Innovation, höheren Nutzen, besseres Image, günstigeren Preis, langfristiges Marktpotenzial.

Mitarbeiter einbinden

Motivierte Mitarbeiter bringen sich aktiv ins Unternehmen ein und entwickeln Ideen für die Zukunft. Deshalb: Suchen Sie das Gespräch und binden Sie sie in Ihre Überlegungen mit ein.

Neugierig geworden auf weitere Artikel rund um Wirtschaft und Mittelstand, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...