Diverses „Neue Umsatzsteuer – weniger Betrug“

Drei Fragen an Dieter Kempf, Chef der Datev in Nürnberg. Europas größter EDV-Dienstleister für Steuerbe­rater, Wirtschaftsprüfer und Rechts­anwälte.

impulse: Die neue Regierung plant einen Systemwechsel: Wer andere Unternehmer beliefert, soll keine Umsatzsteuer mehr in Rechnung stellen. Klingt gut, ist das auch praktikabel?

Kempf: Ja, praktikabel wäre es. Voraussetzung ist allerdings, dass man den Unternehmen nicht gleich wieder aufwendige Überprüfungs- und Meldepflichten aufbürdet. Etwa im Rahmen des elektronischen Kontrollverfahrens, das gleichzeitig installiert werden soll.

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Was bedeutet der Systemwechsel konkret?

Unternehmer beliefern Unternehmer praktisch netto. Die Abnehmer schulden dem Finanzamt die Umsatzsteuer. Sie können sie aber mit Vorsteuerbeträgen verrechnen. Lieferanten hätten den Vorteil, dass sie keine Umsatzsteuer abführen und vorfinanzieren müss­ten. Abnehmer bekämen dafür aber keine Vorsteuerzahlung vom Finanzamt. Sie müssten ihre Umsätze künftig stärker selber finanzieren.

Ließe sich so die Umsatzsteuerkriminalität eindämmen?

Sicher, denn es gibt in der Regel keine Steuererstattung – also funktionieren Karussell-Geschäfte nicht mehr. Es drohen allerdings neue Risiken des Missbrauchs: wenn bei Lieferungen an Endverbraucher keine Umsatzsteuer berechnet und abgeführt wird.

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