Diverses Neuer KfW-Chef muss Staatsbank neu ausrichten

Wenn Ulrich Schröder Zeit hat, schnürt er seine Laufschuhe: Beim Joggen schaltet der 56-jährige Bankmanager ab und schöpft neue Kraft. Besonders für den möglichen Job bei der KfW wird er auch einen langen Atem brauchen.

Die stolze Staatsbank steht wegen des Milliarden-Debakels bei ihrer Düsseldorfer Tochter IKB vor einer strategischen Neuausrichtung. CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos machte als Chef des Verwaltungsrats am Mittwoch klar, was er vom neuen Mann auf dem KfW-Chefsessel erwartet: Die Bank soll die IKB rasch abstoßen, sich auf ihr klassisches Fördergeschäft konzentrieren und in Zukunft die Finger von riskanten Geschäften gelassen.

Schröder ahnt wohl bereits, was auf ihn zukommt. Der Prestige-Posten bei der KfW ist hochpolitisch. Union und SPD pochen ständig auf Mitsprache: Kaum war Schröders Nominierung vor ein paar Tagen durchgesickert, wurde prompt ein Gegenkandidat aus der privaten Bankenszene lanciert. Und auch der Fall seiner Vorgängerin Ingrid Matthäus-Maier dürfte ein warnendes Beispiel sein. Völlig entnervt von den ständigen Vorwürfen, sie habe die Krise bei der IKB unterschätzt, warf die Ex-SPD-Politikerin mit der markanten Prinz-Eisenherz-Frisur Anfang April das Handtuch. Bitterlich beklagte sich „MM“ über Indiskretionen und fehlendes Vertrauen der Politik.

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Wie mit diesem Druck umzugehen ist, hat Schröder in seinen vielen Jahren bei der WestLB gelernt. Dort zogen die Sozialdemokraten in der Ära Rau die Strippen. Nach der von der EU erzwungenen Aufspaltung der mächtigen Landesbank baute Schröder das neue nordrhein-westfälische Förderinstitut NRW.Bank maßgeblich mit auf. Seit 2006 ist er Bankchef. Aus der Finanzkrise hielt er sein Institut heraus und legte für 2007 ein sattes Plus beim Überschuss vor.

Enge Vertraute loben Schröders konzeptionelles Denken. Er sei voller Ideen und nehme die Mitarbeiter mit. Um Schröder zu gewinnen, soll Verhandlungskreisen zufolge die Bezahlung der KfW-Vorstände erhöht werden. Das Salär für den Sprecherposten lag bisher bei – für die Branche – mageren 400.000 Euro. Bei der NRW.Bank verdiente Schröder über 800.000 Euro im Jahr. Die rund 3800 KfW-Mitarbeiter werden ihrem neuen Chef jeden Euro gönnen, wenn er die Staatsbank schnell aus den negativen Schlagzeilen holt und für Sicherheit sorgt.

Die frühere Kreditanstalt für Wiederaufbau, die bald ihr 60-jähriges Bestehen feiert, soll vor allem da einspringen, wo die Geschäftsbanken kaum Kredite vergeben. So steht die Förderung des Mittelstandes im Mittelpunkt, der günstige Darlehen von der KfW bekommt. Auch Existenzgründer und Kleinunternehmer haben der KfW viel zu verdanken. Beim Umwelt- und Klimaschutz freuen sich Häuslebauer über Geld für die Altbausanierung oder Solarzellen auf dem Dach. In der Dritten Welt tut die KfW Entwicklungsbank Gutes und finanziert auch Exportgeschäfte.

Wenn sich die verantwortlichen Ministerien auf Schröder festlegen und der Verwaltungsrat zustimmt, soll Schröder im Juni oder Juli seinen Job in Frankfurt antreten. In die laufenden IKB-Verkaufsverhandlungen wird er aber sofort eingebunden. Mehrere Banken und Finanzinvestoren haben Angebote vorgelegt. Gegen einen raschen Verkauf spricht das schlechte Marktumfeld. Die IKB war an der Börse zuletzt nur noch rund 380 Millionen Euro wert. Vor der Finanzkrise waren es weit über 2 Milliarden Euro. Die Opposition warnt die Regierung, die Beteiligung einfach zu verramschen.

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