Diverses „Nie wieder von der Börse treiben lassen“ (Mein größter Fehler, Dietmar Gunz)

Dietmar Gunz, 51, Vorsitzender der Geschäftsführung des Reiseveranstalters FTI Group, über den verführerischen Druck der Börse und das gute Gefühl, wieder frei entscheiden zu können.

Es war die wilde Zeit Ende der 90er, als ich dem Börsenhype erlag. Der britische Reiseveranstalter Airtours signalisierte Interesse an meiner Firma, die ich 15 Jahre zuvor gegründet hatte. Was für eine Chance, mit mehr Kapital weiterwachsen zu können! Ich sagte zu.

Im Mai 1998 übernahm die heutige Thomas Cook Group 30 Prozent der FTI-Anteile. Schon bald kamen Zweifel. Ich war überrascht, wie groß der Druck auf die Firma wurde. Kurzfristige Aktionen, Denken in Quartalszahlen – man verlor das Gespür für das ganze Projekt: für den Markt, die Kunden und Mitarbeiter. Interne Abstimmungsprozesse zwischen den beiden Firmen wurden immer langwieriger. Ich war es gewohnt, schnell und flexibel zu entscheiden. Nun quälte ich mich mit schwerfälligen Konzernstrukturen.

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Auch die finanzielle Absicherung funktionierte nicht. Gesundheit kann man sich eben nicht kaufen, weder im richtigen Leben noch in der Wirtschaft. Die muss von innen gelebt werden. Kapital kann nicht Zeit und organisch gewachsene Strukturen ersetzen. Im Juli 2000 zog ich die Konsequenzen, verkaufte die restlichen Geschäftsanteile an Airtours und schied aus der Firma aus.

Ich hatte komplett falsch eingeschätzt, was es heißt, von der Börse getrieben zu werden. Zum Glück hatte ich 2003 die einmalige Gelegenheit, FTI zurückzukaufen. Ich habe aus meinem größten Fehler gelernt: Wachsen werden wir in Deutschland nur noch organisch und aus eigener Kraft.

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