Diverses „Nutzen und Aufwand müssen sich die Waage halten“

Betriebliche Altersvorsorge ist auch für den Mittelstand ein geeignetes Mittel zur Mitarbeiterbindung, sagt Unternehmensberater und Dozent Frank Brodbeck. Worauf Mittelständler dabei achten müssen. Und warum es auf die Durchführungswege ankommt, verrät er im impulse-Gespräch.

Frank Brodbeck, Unternehmensberater für betriebliche Versorgungswerke aus Düren ist Fachkaufmann für betriebliche Altersvorsorge (bAV) und bundesweit tätiger Dozent. Er sprach mit impulse.de über die bAV als Mitarbeiterbindungsinstrument für den Mittelstand.

impulse: Inwiefern ist betriebliche Altersvorsorge ein Instrument zur Mitarbeiterbindung?

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Frank Brodbeck: Speziell wenn Unternehmen Vergütung mit der betrieblichen Altersvorsorge verbinden und dabei die arbeitgeberfinanzierte Vorsorge bis zu fünf Jahren vorhält, hemmt das den Mitarbeiter vor frühzeitigen Ausscheiden. Das gibt dem Mitarbeiter aber auch eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit. Und das ist in unsicheren Zeiten viel Wert.

Eine Anwartschaft von fünf Jahren – das kann aber auch sehr lang für den Arbeitnehmer sein. Zumindest in wirtschaftlich guten Zeiten.

Das ist richtig. Aber der Gesetzgeber hat die Anwartschaftszeiten bereits von zehn Jahren auf höchstens fünf Jahre reduziert – also zum Wohle der Arbeitnehmer. Ein Arbeitgeber ist gut beraten, diese Zeit voll auszunutzen, denn der Fachkräftemangel betrifft viele Branchen, und den Mittelstand genauso wie große Konzerne. So ist der Anreiz für Mitarbeiter größer, zumindest fünf Jahre bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Natürlich kann der Arbeitnehmer trotzdem früher aus dem Unternehmen ausscheiden – er bekommt dann aber keine zusätzliche Vorsorge fürs Alter. Abgesehen davon kann im gegenseitigen Einvernehmen die Wartezeit auch verkürzt werden.

Ist die betriebliche Altersvorsorge denn für den Arbeitnehmer wirklich interessant?

Die betriebliche Altersvorsorge ist eine weitere Säule zur gesetzlichen Rente, die es erleichtert, später versorgt zu sein. Ich habe beobachtet, dass bAV in den vergangenen Monaten immer häufiger in Stellenausschreibungen hervorgehoben wurde. Und ich höre immer wieder, dass Mitarbeiter verstärkt bei ihrer Personalabteilung nach einer betrieblichen Altersvorsorge fragen. Ich denke, je verbreiteter das Wissen darum ist, desto mehr wird sie auch eingefordert. Denn speziell für Mitarbeiter im mittleren Alter, die mit weiteren Karrierestufen und Brutto-Lohnerhöhungen nicht mehr allein zu begeistern sind, ist das eine gute Alternative um ihre Motivation zu sichern.

Müssen Mittelständler etwas Besonderes beachten, wenn sie betriebliche Altersvorsorge anbieten?

Es müssen sich Nutzen und Aufwand die Waage halten. Das heißt, es kommt entscheidend auf den Durchführungsweg an. Denn die verschiedenen Durchführungswege bedürfen eines unterschiedlichen Verwaltungsaufwands. Die Unterstützungskasse beispielsweise hat einen größeren Verwaltungsaufwand, die Direktzusage sogar eine oft nicht gewünschte Bilanzberührung. Die betriebliche Altersvorsorge über Direktversicherung und Pensionskasse lässt sich einfacher handhaben und ist darum für Kleinunternehmen und Mittelständler in der Regel besser geeignet.

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